Ein Jahr später: Wiederaufbau in Nepal notwendig

von Janina Schümann

Unterstützung von Kindern mit Behinderung: Wiederaufbau einer Gehörlosenschule nach dem Erdbeben

Teachers Bidhaya (centre in pink) and Ramesh, (left in blue) make the sign for ‘happy’ with some of the students at the deaf school

Schülerinnen, Schüler, ihr Lehrer (links in blau) sowie Bidhaya (Direktorin, Mitte in pink) zeigen „glücklich“auf Gebärdisch. @ Jessica Lomelin/Plan

„Ich bin sehr stolz, dass ich als Taubstumme die erste Schule für Gehörlose in Dolakha, Nepal, leiten darf und anderen eine qualitativ gute Ausbildung anbieten kann. Ich hatte selbst mein ganzes Leben mit diesen Problemen zu kämpfen“, sagt Bidhaya, Direktorin der Schule.

„Vor dem Erdbeben hat die Regierung nicht mehr als zehn Stipendien für behinderte Schülererinnen und Schüler pro Schule vergeben. Die Schulen können deshalb keine weiteren behinderten Schüler unterstützen und lehnen oft ihre Anmeldungen ab.“, sagt Ramesh, Mitglied im Schulausschuss und der Organisation „Disabled Peoples“, die Menschen mit Behinderungen unterstützt.

Ramesh forderte von der Regierung: „Entweder ihr findet einen Weg, alle gehörlosen Kinder zu unterstützen oder unterstützt uns dabei, eine neue Schule zu gründen. Wir wollen nicht, dass Kinder zurückbleiben.“

Nach Monaten der Planung eröffnete die Schule mit seinen ersten 41 Schülerinnen und Schülern, nur drei Wochen vor dem Erdbeben im April 2015.

Die Überwindung von Ausgrenzung und Diskriminierung

Head teachers Bidhaya shows the sign language card that teaches students how to sign

Bidhaya zeigt eine Gebärdensprachkarte, mit der die Schülerinnen und Schüler in der Schule die Sprache lernen. © Jessica Lomelin/Plan

Während Bidhaya und die Lehrkräfte wissen, dass es das Beste für die Schüler ist, sie in eine öffentliche Schule zu integrieren, tendieren viele Schüler dazu, sich selbst auszugrenzen und dadurch nicht die benötigte Unterstützung zu erhalten.

Beauftragt durch Plan International ergab eine Untersuchung, dass Kinder mit Behinderungen zehnmal weniger die Schule besuchen. Die meisten öffentlichen Schulen in Nepal besitzen keine Lehrpläne für Kinder mit Behinderungen oder haben keine behindertengerechte Ausstattungen, speziell ausgebildete Lehrerkräfte oder Helfer, die dafür sorgen würden, dass alle Kinder in der Lage sind, zu lernen. „Vor der Anmeldung kannte ich die Gebärdensprache nicht und ich musste in einer normalen Schule lernen. Ich konnte nicht verstehen, was die Lehrer sagten. Wir konnten zwar die Worte auf dem Whiteboard sehen, aber wir kannten ihre Bedeutung nicht“, sagt Urmila*, 14, eine Schülerin an der Gehörlosenschule.

„Es ist nicht nur eine Schule für uns, es ist wie ein Zuhause“, sagt Urmila über die neue Gehörlosenschule. „Ich liebe es, mit meinen Freunden zusammen zu sein.“ „Als die Schüler an der Gehörlosenschule anfingen, mussten wir von ganz vorne beginnen. Wir verwenden Bilder, um die Gebärdensprache zu untermalen, damit sie diese verstehen“, erklärt Bidhaya.

Diskriminierung und Aberglaube

Urmila (right) and her friend stand in front of their temporary school, which currently supports the 41 children

Urmila (rechts) und ihre Freundin vor der Schule, in der momentan 41 Schülerinnen und Schüler betreut werden. © Jessica Lomelin/Plan

„Manche Eltern denken, dass sie mit den behinderten Kindern bestraft werden und wollen ihre Kinder loswerden“, erklärt Bidhaya. „Wir haben zum Beispiel Eltern hier, die ihre Kinder in unsere Schule schicken aber kein Interesse daran haben, sie auch zu besuchen oder sehen wollen, wie ihre Kinder lernen und sich entwickeln“, sagt sie.

Viele Menschen in Nepal sind abergläubisch und glauben an die tief verwurzelten Kulturen und Traditionen.

„Die Menschen glauben, dass die Behinderung ihrer Kinder eine Strafe für die Familie ist und dass die Kinder unrein, unglückselig oder verflucht sind. Deshalb wollen sie sie nicht zur Schule schicken. Wir leisten eine Menge Arbeit in den Gemeinden, um die Rechte von behinderten Kindern zu fördern, aber es herrschen immer noch so viele Vorurteile“, sagt Ramesh.

„Als die Schüler zu uns kamen, waren sie anfangs sogar zu schüchtern, um zusammen zu sitzen. Aber von Tag zu Tag nähern sie sich mehr an“, sagt Bishnu, eine andere Lehrerin der Schule.

Eine neue Chance für Inklusion

„Wir möchten, dass die Eltern unsere Schule besuchen, damit sie verstehen wie wichtig es ist, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken und sie sehen wie ihre Kinder lernen. Die meisten Eltern kennen die Gebärdensprache nicht und mühen sich ab, um mit ihren Kindern kommunizieren zu können“, sagt Bishnu.

In den nächsten zwei Jahren hat Plan International vor weitere Modellschulen zu bauen. Insgesamt in vier Bezirken, die in den Monaten April und Mai von dem Erdbeben betroffenen waren. Zusätzlich zum Bau und dem Wiederaufbau der Schulen, konzentriert Plan sich auf die Inklusion und den Kinderschutz. Eine sichere und förderliche Lernumgebung für Kinder mit Behinderungen ist eines der Ziele.

Plan International stattet die Schule in Dolakha, mit sechs festen Klassenzimmern, Wasser, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen sowie Solarleuchten aus, da die Elektrizität in der Gemeinde oft unzuverlässig ist.

Mit der Unterstützung von Plan International sind die Lehrkräfte zuversichtlich, dass sie so mehr als 100 Schüler aufnehmen können. „Wir haben bereits sechs neue Schüler für das kommende Schuljahr angemeldet“, sagt der Direktor.

 

Text & Fotos: Jessica Lomelin, Regionale Kommunikation, Plan International Asien

*Aus datenschutzrechtlichen Gründen Namen geändert

**Das Schulaufbau-Projekt ist Teil eines Projekts, finanziert von Plan International Australien

Interessant? Weitersagen:



Schreibe einen Kommentar