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Sonja Gerhardt
Seit sie 16 ist, steht sie vor der Kamera: Schauspielerin Sonja Gerhardt. Im Kinderensemble des Berliner Revuetheaters Friedrichspalast sammelte sie erste Erfahrungen auf der Bühne. Gemeinsam mit Plan International engagiert sich Sonja Gerhardt als Botschafterin für Gleichberechtigung von Mädchen und jungen Frauen weltweit.
Welche Rollen reizen Sie besonders?
Eine Rolle sollte mich schon herausfordern. Sie muss aussagekräftig sein und mir ermöglichen, auch kreativ zu sein und mich weiter entwickeln zu können. Ansonsten möchte ich mich nicht auf eine Rolle festlegen. Es kommt vor allem auch auf das Drehbuch an.
Was würden Sie jungen Mädchen raten, die Schauspielerin werden möchten?
Sehr hilfreich ist der Rückhalt der Familie. Dass da wirklich jemand ist, der einen unterstützt. Aber das Wichtigste ist, immer wieder zu reflektieren und bei sich selbst zu bleiben. Das habe ich in den letzten Jahren für mich mitgenommen: Zu mir selbst zu stehen - und auch Nein sagen zu können. Auch zu einem Projekt.
Haben Ihre Eltern Ihnen den Rücken gestärkt?
Ja, auf jeden Fall. Als ich mit 16 Jahren die Möglichkeit hatte, bei einer Fernsehserie mitzuwirken, musste ich die Schule für längere Zeit unterbrechen. Meine Eltern bestärkten mich in meiner Entscheidung und sagten: Sonja, wenn es das ist, was Du willst, dann probierst Du das jetzt aus.
Sie engagieren sich gemeinsam mit Plan als Botschafterin für Gleichberechtigung? Warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?
Gleichberechtigung ist nicht selbstverständlich, auch bei uns in Deutschland nicht. Viele Frauen machen sich immer noch kleiner, als sie sind. Meist, weil sie es nicht anders gelernt haben. Zum Beispiel, weil der Bruder in der Familie im Vordergrund stand. Das sind Strukturen, die sich in den Köpfen verfestigt haben und über Generationen an die Kinder weitergegeben werden. Dass Frauen in Deutschland viele Jahre nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten hatten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wurde mir bei den Vorbereitungen für den Dreh zur Serie Ku‘damm bewusst: Bis in die 70er mussten sie bei jedem größeren Schritt ihren Ehemann um Erlaubnis bitten: zum Beispiel, um den Führerschein zu machen oder um eine neue Arbeit aufzunehmen. Das ist noch keine 50 Jahre her.
Wo auf dieser Welt sehen Sie im Zusammenhang mit Gleichberechtigung besonders großen Handlungsbedarf?
Zwangsverheiratung ist ein großes Problem, besonders in Asien und Afrika. Denn sie verwehrt den Mädchen den Zugang zu Bildung. Wenn Mädchen so früh verheiratet werden, haben sie keine Chance mehr, ihr Leben selbst zu gestalten. Sie können nicht mehr zur Schule gehen oder sich für einen Beruf qualifizieren. Alle Sehnsüchte, Wünsche und Ziele bleiben dabei zwangsläufig auf der Strecke. Jedes Mädchen und jede Frau auf dieser Welt sollte selbst entscheiden können, wann und wen sie heiratet.
Und wo liegt es in Ihren Augen auch bei uns noch im Argen?
Frauen in Deutschland hängen mit ihren Gehältern immer noch hinterher. Eine Bekannte erzählte mir, dass sie sehr lang studiert habe. Aber Männer in ihrem Beruf immer wieder bevorzugt werden, weil sie keine Kinder bekommen können. Nichtsdestotrotz würden diese Männer viel mehr Geld verdienen als Frauen mit gleicher Qualifikation. Weil sie ja verheiratet wären und man wisse, dass sie eine Familie haben, die sie ernähren müssen. Das sind Denkweisen, die aufgebrochen werden müssen. Auch, wenn wir in den letzten Jahrzehnten schon viel erreicht haben, da ist noch viel zu tun.
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