Helfen Sie Kinder vor der Rekrutierung als Soldat zu schützen.
Rund 250.000 Kinder werden weltweit als Kindersoldaten eingesetzt. Helfen Sie Mädchen und Jungen vor der Rekrutierung zu schützen. © Plan / Nyani Quarmyne

Kindersoldaten helfen: Stoppen Sie Zwangsrekrutierung!

Nach internationalen Schätzungen werden weltweit etwa 250.000 Mädchen und Jungen in Bürgerkriegen und bewaffneten Konflikten als Kindersoldaten eingesetzt. Die meisten von ihnen sind zwangsrekrutiert, entweder von offiziellen Armeen oder von Rebellenverbänden.

Tausende Kinder werden als kindersoldaten eingesetzt. Stoppen Sie mit uns die Rekrutierung!

Kinder und Krieg

Kinder sind im Krieg direkt oder indirekt die am stärksten betroffene und gleichzeitig am häufigsten übersehene Bevölkerungsgruppe. Kinder werden verletzt, getötet, verlieren ihre Eltern oder Geschwister, werden vertrieben, entführt, missbraucht oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Mit ihren traumatischen Erlebnissen bleiben sie meist allein. Die Zerstörung ihrer Heimat führt dazu, dass sie weder zur Schule gehen noch eine gesundheitliche Versorgung oder psychologische Betreuung erhalten können.

Viele Mädchen und Jungen laufen Gefahr, von kämpfenden Truppen zwangsrekrutiert zu werden. Die meisten Kindersoldaten werden in Afrika und Asien rekrutiert.

Eine völkerrechtlich verbindliche Definition gibt es bis heute nicht.

Die Pariser Prinzipien, die anlässlich einer Konferenz auf Einladung von UNICEF und der französischen Regierung 2007 in Paris entwickelt wurden, definieren „Kindersoldat“ als:

„Jede Person unter 18 Jahren, die von nationalen Streitkräften oder nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt wird oder wurde, egal in welcher Funktion oder Rolle, darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden. Dies sind nicht nur Kinder, die aktiv an Kampfhandlungen teilnehmen oder teilgenommen haben.“

Plan International schließt sich dieser Definition an.

2016 dokumentieren die Vereinten Nationen in mehr als 20 Ländern bewaffnete Konflikte und Bürgerkriege, in denen Kinder rekrutiert wurden: Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Indien, Irak, Israel und die Palästinensergebiete, Jemen, Kolumbien, Libanon, Libyen, Mali, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Somalia, Südsudan, Sudan, Syrien, Thailand, und Tschad.

Die wenigsten Kindersoldaten kämpfen aus Überzeugung. Sie werden meist bei Überfällen auf ihre Dörfer, auf dem Schulweg oder in der Schule entführt und zwangsrekrutiert. Andere lassen sich von Versprechungen und der Aussicht auf Sold locken, oder sie wollen sich für die Ermordung von Familienmitgliedern rächen. Es gibt auch Kinder, die sich „freiwillig“ melden, weil sie hoffen, bei den Militärs versorgt zu werden oder in der Gruppe Sicherheit zu finden. Für alle gilt jedoch: Sobald sie den bewaffneten Gruppen angehören, haben sie den Befehlen und Gesetzen der Truppe zu gehorchen. Widersetzen sie sich, drohen ihnen Strafen in Form von Misshandlung, Vergewaltigung oder Hinrichtung. Mitunter wird ihnen bei Ungehorsam auch damit gedroht, ihre Verwandten zu ermorden.

Dauern Kriege über einen längeren Zeitraum an, werden immer jüngere Kinder rekrutiert. Schon Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren werden vergewaltigt, misshandelt oder gezwungen, schwere Lasten zu tragen.

Die Unterhaltskosten für Kindersoldaten sind günstiger, zudem sind Kinder leichter einzuschüchtern als Erwachsene. Zwar geben Regierungs- und Oppositionskampfgruppen an, sie würden nur auf Kinder zurückgreifen, weil es an erwachsenen Soldaten fehle. Oft jedoch ist die Tatsache, dass sich gerade Kinder und junge Erwachsene leichter manipulieren und zum Töten anstiften lassen, der Grund.



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Der Alltag als Kindersoldat

Kindersoldaten sind meist grausamen und ihrem Alter nicht entsprechenden Situationen ausgesetzt. Mit äußerster Brutalität werden sie zum Kriegsdienst und zu Gräueltaten genötigt. Die Mädchen und Jungen erfahren, dass ein Menschenleben nichts wert ist, und dass sie keiner beschützen kann. Die körperlichen und psychischen Folgen prägen eine ganze Generation.

Die Mädchen und Jungen werden von ihren Anführern und Anführerinnen geschlagen, gequält oder unter Drogen gesetzt, um sie gefügig zu machen. Sie spionieren, bilden menschliche Schutzschilder, legen oder suchen Minen oder werden sexuell missbraucht. Einige von ihnen müssen Dörfer überfallen und körperliche Grausamkeiten ausführen.

Es wird von ihnen verlangt, Kleinwaffen zu bedienen, Nachrichten zu übermitteln oder mit gefährlichen Sprengsätzen zu hantieren. Auch häusliche Tätigkeiten in den Lagern sowie das Tragen von schweren Lasten wie Waffen, Lebensmitteln oder Zelten gehören zu ihrem Alltag.

Mädchen in bewaffneten Konflikten

Auch Mädchen werden als Kindersoldatinnen eingezogen. In einigen Ländern beträgt ihr Anteil ein Drittel und mehr. Sie kämpfen, kochen, rauben, tragen Lasten, verrichten Spähertätigkeiten und kümmern sich um die Verwundeten und Kranken. Viele sind an der Entführung und Einweisung von anderen Kindern beteiligt.

Mädchen und junge Frauen sind in besonderem Maße sexualisierter Misshandlung ausgesetzt. Sie werden häufig vom Anführer als „Ehefrau“ geholt. Die meisten von ihnen werden sexuell missbraucht. Misshandlungen und sexualisierte Gewalt stellen nicht nur eine extreme körperliche und psychische Belastung für die meist sehr jungen Mädchen dar, sondern beinhalten auch hohe gesundheitliche und soziale Risiken. Hierzu gehören wiederholte Vergewaltigungen, ungewollte Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten und die Gefahr, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Viele werden nach einer gelungenen Flucht aus der Truppe von ihren Familien und Gemeinden ausgegrenzt. Sie gelten als schmutzig und entehrt und als Schande für die Familie. Viele junge Mütter müssen sich und ihr Kind ohne familiäre Unterstützung und die nötigen Mittel allein versorgen.

Mitglied einer bewaffneten Truppe zu sein und zu kämpfen, führt teilweise zu Rollenveränderungen, die von Mädchen und jungen Frauen auch positiv bewertet werden können. Viele fühlen sich den Männern gleichgestellt und erfahren mehr Selbstsicherheit und Wertschätzung, weil sie mit den Männern zusammen für gemeinsame Ideale kämpfen, wie bei den Freiheitskämpfen in Nepal oder in El Salvador. Andere Mädchen schließen sich den Kampfgruppen an, um sexualisierter Gewalt, Ausbeutung, früher Heirat und anderen schädlichen Praktiken zu entkommen.



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Internationale Abkommen: Hilfe für Kindersoldaten

Die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 verbietet die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren und deren Beteiligung an bewaffneten Konflikten. Das zugehörige Zusatzprotokoll hebt dieses Alter auf 18 Jahre an und verpflichtet die Staaten, mehr zum Schutz von Kindern zu unternehmen. Die Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) definiert eine Rekrutierung im Alter von unter 18 Jahren als eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit.

Dennoch bleibt die geschätzte Zahl der weltweit eingesetzten Kindersoldaten seit Jahren konstant. Auch wenn Staaten das Zusatzprotokoll unterschrieben und ratifiziert haben, stellt die Umsetzung eine große Herausforderung dar.

Mit der Unterzeichnung eines Abkommens und der Ratifizierung von Verträgen ist es jedoch national und international möglich, Verantwortliche bei Missachtung strafrechtlich für die begangenen Kinderrechtsverletzungen zu belangen. Weitere Informationen: Kinderrechte

Internationale Abkommen zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten

  • UN-Kinderrechtskonvention 1989
  • Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention 2002
  • Maputo Deklaration 1999
  • Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 1999
  • Resolutionen des UN- Sicherheitsrates (zahlreiche, zuletzt: 2225 (Juni 2015))
  • Afrikanische Kinderrechtscharta (OAU 1999)
  • Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs 2002, Art. 8
So hilft Plan International

Wir streben eine dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern an. Wir stellen ihre Rechte und ihre aktive Beteiligung in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Die Kinderrechtskonvention mit den Zusatzprotokollen bildet die Grundlage für unsere Programmarbeit. Der Ausbruch von kriegerischen Handlungen ist meist mit extremen Kinderrechtsverletzungen verbunden.

Aufklärung über die Kinderrechte und der Einsatz für deren Umsetzung hat für uns und unsere Partnerorganisationen einen hohen Stellenwert. Bildungsprogramme für ehemalige Kindersoldaten, Projekte zur Reintegration in ihre Gemeinden und die psychosoziale Betreuung der betroffenen Mädchen und Jungen sind daher wichtige Bausteine. Sie erhalten Hilfe, die schlimmen Erlebnisse aufzuarbeiten und ein neues Leben zu beginnen. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung unerlässlich.

Aktion Rote Hand
Aktion Rote Hand

Gemeinsam mit anderen Organisationen beteiligen wir uns an der Aktion Rote Hand. Mit dieser Aktion wollen wir Politikerinnen und Politiker auffordern, mehr für den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten zu tun.

Mehr Infos: Aktion Rote Hand

Bildungsangebote gehören zu den effektivsten Strategien, um die Lebensbedingungen von Kindern in ehemaligen Kriegsgebieten langfristig zu verbessern. Bereits die tägliche Routine des Schulbetriebs bietet traumatisierten Mädchen und Jungen Normalität und Struktur.

Art. 7 der UN-Kinderrechtskonvention betont das Recht eines jeden Kindes auf einen Namen und dessen Eintrag in ein Geburtenregister. Dies ermöglicht Kindern, ihre Bürgerrechte wahrnehmen zu können. Gleichzeitig kann eine Geburtsurkunde Kinder besser vor Missbrauch und Ausbeutung schützen. Nach Angaben von UNICEF wird weltweit fast jedes dritte neugeborene Kind nicht registriert. In Zentralafrika und südlich der Sahara ist es sogar mehr als jedes zweite.

Wir haben Richtlinien zum Schutz von Kindern in Flüchtlingsunterkünften entwickelt. Mädchen und Jungen sind in den Lagern einem erhöhten Risiko ausgesetzt, von bewaffneten Gruppen entführt oder rekrutiert zu werden.
Junge Mädchen, die vergewaltigt wurden, mit HIV infiziert und/oder als allein erziehende Mütter zurückkehren, werden von den Gemeinden oft verstoßen, weil sie sie als entehrt ansehen. Daher sind Projekte, die Einkommensmöglichkeiten für betroffene junge Frauen schaffen, sehr wichtig.



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