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  1. Kinderschutzprogramm in Deutschland
Zwangsheirat wird auf allen Kontinenten praktiziert. © Plan International / Magnus Berggren
Mädchen werden unter anderem in Bangladesch früh verheiratet – oft zu früh. © Plan International / Magnus Berggren

Zwangsheirat jetzt stoppen

Nach Angaben von UNICEF wurden 650 Millionen der heute lebenden Frauen weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Alle drei Sekunden wird ein Mädchen minderjährig verheiratet. Kinderehen und frühe Verheiratungen sind auf allen Kontinenten verbreitet, besonders aber in Afrika südlich der Sahara sowie in Südasien. Allein in Indien lebt jede dritte als Kind verheiratete Frau.

Millionen Mädchen werden im Kindesalter verheiratet.Helfen Sie mit der Übernahme einer Patenschaft!

Was bedeutet Zwangsheirat?

Kinderehe stoppen
In vielen afrikanischen Ländern werden Kinder traditionell bedingt verheiratet. © Plan International / Erik Thallhaug

Zwangsheiraten sind Ehen, die unfreiwillig und gegen den Willen von einer der beiden Partner geschlossen werden. Parallel dazu wird der Begriff „frühe Heirat“ und "Kinderheirat" verwendet. Unter Kinderheirat wird eine Ehe verstanden, in der mindestens einer der Eheleute noch keine 18 Jahre alt ist. In vielen Ländern sind Mädchen von Zwangsehe betroffen, sobald sich ihr Körper entwickelt und sie ihre Menstruation bekommen. Zu diesem Zeitpunkt gelten sie als heiratsfähige Frauen.

Die Vereinten Nationen bezeichnen die Zwangsheirat als eine "moderne Form der Sklaverei". Durch sie verlieren die Betroffenen vor der Volljährigkeit ihre Kindheit. So stellt die Zwangsheirat eine gravierende Kinderrechtsverletzung dar.  Die Mädchen sind gezwungen, die Schule vorzeitig zu verlassen und in ein Leben mit wenigen beruflichen oder persönlichen Perspektiven zu starten. Gleichzeitig steigt das Risiko für sie, in einer Zwangsehe Opfer von Gewalt oder Missbrauch zu werden.

Auch Männer erleben Zwangsverheiratung, Frauen sind jedoch öfter betroffen. Häufig wird die Kinderheirat von Verwandten oder Ehevermittlern arrangiert. Die betroffenen Mädchen leben danach oft isoliert von ihren eigenen Familien und Freunden.

Wo gibt es Kinderheirat?

Überall auf der Welt werden Minderjährige Opfer von Zwangsverheiratung. Das passiert besonders häufig in Ländern, in denen Kinder in Bezug auf Bildung und Wahrnehmung ihrer Rechte benachteiligt sind.

Den höchsten Anteil an Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag in einer Ehe leben, gibt es in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. Dort sind es fast die Hälfte aller Frauen, die früh verheiratet werden. Auch in Afrika gibt es viele Kinder, die von Zwangsheirat betroffen sind. Der Anteil variiert je nach Land. Im westafrikanischen Niger zum Beispiel heiraten 76 Prozent der Frauen bereits vor ihrem 18. Geburtstag, 28 Prozent sogar vor ihrem 15. Geburtstag.

Innerhalb der Länder, in denen Kinderhochzeiten praktiziert werden, gibt es teilweise erhebliche Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten: So werden in Äthiopien beispielsweise in der nördlichen Provinz Amhara 75 Prozent der Mädchen früh verheiratet, während es in der Hauptstadt Addis Abeba 26 Prozent sind.

Zudem gibt es einen großen Unterschied zwischen den ärmsten und reichsten Familien eines Landes. So beträgt das Heirats-Durchschnittsalter für Mädchen der ärmsten Familien in Indien nur wenig mehr als 15 Jahre, während junge Frauen aus reichen Häusern im Schnitt mit knapp 20 Jahren heiraten.

Frühverheiratung in Simbabwe

Warum sehen viele Eltern in Entwicklungsländern - wie hier in Simbabwe - die frühe Verheiratung ihrer Töchter oft als einzige Lösung? Und was bedeutet das für die Mädchen? Diese Fragen beantwortet unsere Geschäftsführerin bis März 2021 Maike Röttger im Video.

Ja, ich möchte Kindern in Simbabwe helfen!

Warum werden Kinder zwangsverheiratet?

Fatmata aus Sierra Leone konnte ihr Schicksal ändern
Als Fatmata 16 Jahre alt war, wurde ihr gegen ihren Willen die Ehe mit einem älteren Mann versprochen. Entschlossen, ihr Studium fortzusetzen und nicht früh zu heiraten, meldete sie den Fall Plan International, um die Ehe zu beenden. Mit 19 will sie an der Universität studieren und Anwältin zu werden, damit sie für die Rechte anderer Mädchen in ähnlichen Situationen kämpfen kann.

Traditionen und soziale Normen spielen eine entscheidende Rolle in der frühen Verheiratung von Mädchen. Generell sind Kinder-, Früh-, und Zwangsehen ein Zeichen von Geschlechterdiskriminierung und dem Festhalten an traditionallen Rollenbildern innerhalb der Gesellschaft. Mädchen wird weniger Wert als Jungen zugesprochen und ein Hauptgrund für die Frühverheiratung ist der Gedanke, dass ein Mädchen keine „Schande“ über die Familie bringen soll.

Eine Studie von Plan International in Westafrika ergab, dass minderjährige Mädchen verheiratet werden, wenn sie nicht mehr in die Schule gehen, zum Beispiel weil sie die Versetzungsprüfungen nicht geschafft haben. Wenn das Mädchen dann bereits pubertiert, wird sie als erwachsen angesehen und die Familie sieht die Gefahr, dass sie sexuelle Kontakte hat.

Dies würde in patriarchalisch geprägten Gesellschaften jedoch außerhalb der Ehe eine Schande für die Familie bedeuten, erst recht, wenn das Mädchen schwanger wird. Um die Familie davor zu „schützen“, wird das Mädchen verheiratet. Darüber hinaus sind junge Frauen vor sexuellen Übergriffen besser geschützt, wenn sie verheiratet sind. Dieser Schutzaspekt bekommt eine noch größere Bedeutung bei Katastrophen und humanitären Krisen.

Katastrophen verstärken das Risiko einer Kinderheirat
Katastrophen und Konflikte verstärken die Häufigkeit von Kinderehen

Die Länder mit dem höchsten Anteil an Kinderheiraten gelten gleichzeitig als fragil oder extrem fragil. 17 der 20 Länder mit den höchsten Raten haben in den letzten fünf Jahren auf Krisen wie Konflikte oder Katastrophen reagiert.

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Katastrophen und Konflikte verstärken die Häufigkeit von Kinderehen

Wenn frühe Heirat schon vorher gesellschaftlich akzeptiert war, haben solche Krisen diese Tendenz noch verstärkt. Wenn soziale Strukturen zerfallen, steht Kinderheirat oft in Verbindung mit Zwangsrekrutierung, Entführung und Menschenhandel. In Flüchtlings- und Vertriebenengemeinden sind Mädchen und Frauen besonders gefährdet, Opfer von geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt zu werden. Auch ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten treten in humanitären Notsituationen häufiger auf wie auch eine höhere Müttersterblichkeitsrate.

Mädchen werden zudem von der Gemeinschaft als erwachsene Frauen anerkannt, wenn sie verheiratet sind und Kinder haben. Dieser gesellschaftliche Druck wird auch durch Gleichaltrige erzeugt, die bereits verheiratet und Eltern sind. Eine große Rolle spielt dabei auch das traditionelle Bild, das die in Westafrika sehr populären Nollywood-Filme (romantische Liebesfilme aus Nigeria) von der Rolle der Frau transportieren.

Auch in Lateinamerika versuchen die Mädchen häufig durch Heirat und Mutterschaft die Anerkennung als Erwachsene zu erreichen. Die Ehe versetzt sie in einen anderen gesellschaftlichen Status. Gerade in konservativen Gesellschaften sehen sie darin ihre Chance, mehr Freiheiten zu erhalten. Es kann aber auch sein, dass sie aufgrund gesellschaftlicher Zwänge wegen einer Schwangerschaft heiraten müssen. Gleichzeitig gibt es in Lateinamerika oftmals informelle Ehen, die auch gesellschaftlich anerkannt sind.

Zudem spielt Armut bei der Zwangsverheiratung eine große Rolle. In armen Familien kommt es häufiger zu frühen Ehen. Das liegt daran, dass der "Brautpreis", der von der Familie des Mannes zu zahlen ist, bei jüngeren Mädchen niedriger ist. Auf der anderen Seite hat die Familie eine Person weniger zu versorgen. 

„Ich habe drei Töchter – 17, 15 und 13 Jahre alt – und wir werden sie alle zusammen verheiraten. Sie wollen nicht verheiratet werden, aber wie erklären wir ihnen, dass es eine teure Angelegenheit ist? Wenn jemand gut verdient, kann er sich mehrere Feiern leisten. Wenn wir es in einer Feier machen, sparen wir Geld.“

(Mutter unverheirateter Töchter, Indien)

„Wenn du eine große Familie mit vielen Mädchen hast und du hast nichts zu essen […] und dann kommt ein reicher Mann und sagt dir, dass er eine deiner Töchter möchte. Was soll man dann tun? Sagst du nein zu ihm und schaust deinen Kindern beim Sterben zu oder willigst du ein und er nimmt deine Tochter mit und passt auf sie auf und du bekommst auch noch Geld?“

(Mutter in Niger)

Was sind die Folgen einer Zwangsehe?

Folgen einer Zwangsehe

Eine Zwangsheirat hat weitreichende Folgen für die Betroffenen. Besonders schlimm für die Mädchen sind Gewalt in der Ehe, keine Bildung und frühe Schwangerschaften.

Das beeinflusst ihre Zukunft stark und hindert sie daran, sich frei zu entfalten.

Keine Bildung nach der Ehe

Keine Schule nach der Hochzeit

Keine Schule nach der Hochzeit: Nach einer Kinderheirat ist es für Mädchen und Jungen schwer, zurück zur Schule gehen. Sie haben keine Chance mehr, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen. Betroffene Mädchen verbringen den größten Teil des Tages mit häuslichen Pflichten und haben keine Zeit, die Schule zu besuchen.

Gewalt in der Ehe

Problem: Gewalt in der Ehe

Viele junge Ehefrauen müssen sich den Schwiegermüttern und eventuellen Erstfrauen unterordnen. Sie werden beispielsweise herumkommandiert und müssen den ganzen Tag schwere Hausarbeit verrichten. Das führt zu Konflikten, die häufig darin münden, dass die Ehemänner die jungen Mädchen schlagen, weil es sonst so aussehen könnte, als hätten sie ihre Frauen „nicht im Griff“.

So wird Gewalt oftmals angewendet, um das Mädchen zu konktrollieren und das Machtverhältnis in der Ehe zu demonstrieren. Häufig sind andere Möglichkeiten der Lösung von Konflikten nicht bekannt.

Frühe Schwangerschaften

Frühe Schwangerschaft

Nach Berechnungen des Guttmacher Instituts haben 2019 rund 12 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ein Kind zur Welt gebracht. Gerade junge Mädchen sind trotz Pubertät körperlich jedoch nicht ausreichend auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Dies kann zu Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt führen – die weltweit häufigste Todesursache von Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren. Mehr erfahren: Frühe Schwangerschaft

Ja, ich möchte Kindern helfen!


Was macht Plan International?

Obwohl den Menschen bewusst ist, dass die Gesetzgebung ein höheres Mindestalter für die Ehe festlegt, halten sie an ihren Traditionen fest. Das bedeutet für unsere Arbeit, dass Aufklärung darauf abzielen muss, sowohl die negativen Auswirkungen der frühen Heirat aufzuzeigen als auch den Vorteil für die Familien und Gemeinden herauszustellen, den sie davon haben, wenn Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gleichberechtigt sind und ungehinderten Zugang zu umfangreicher und qualifizierter Bildung haben. Dabei ist es besonders wichtig, lokale traditionelle Autoritäten in diese Arbeit mit einzubeziehen.

Wir unterstützen Jugendliche und Jugendorganisa-tionen bei ihrer Arbeit zur Abschaffung von früher Heirat und zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Dabei bringen wir sie mit Entscheidungs-träger:innen zusammen, um politische und gesellschaftliche Änderungen zu bewirken. Auf diese Weise konnten wir schon in einigen Ländern dazu beitragen, frühe Heirat gesetzlich zu verbieten.

Wir tragen dazu bei, dass Schulen für Jungen und Mädchen erreichbar sind und ihnen die hochwertige Bildung und Förderung bieten, die sie brauchen. Eltern versetzen wir im Rahmen von einkommenschaffenden Maßnahmen in die Lage, auf die intensive Mitarbeit ihrer Kinder weitestgehend verzichten zu können, so dass die Kinder Zeit haben zu lernen. Um die Schulwege für Mädchen so sicher wie möglich zu machen, werden weiter entfernt liegende Schulen mit sicheren Schlafsälen für Mädchen ausgestattet.

Wir arbeiten mit Jungen und Mädchen zum Thema Gleichberechtigung und ihrem Rollenverständnis. So werden eigene Rollen hinterfragt und geschlechtsspezifische Gewalt abgebaut. Zusätzlich gibt es Programme, die speziell die Gewalt an Schulen – sowohl zwischen den Schüler:innen untereinander als auch zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen – reduzieren sollen.

Wir nutzen Medien wie Radio, Fernsehen, Internet und soziale Medien, um mit Programmen und Spots zu Kinderrechten und schädlichen traditionellen Praktiken wie frühe Heirat aufzuklären und ein gesellschaftliches Umdenken in Gang zu setzen.

Jugendliche können eine Berufsausbildung absolvieren. Hier arbeiten wir teilweise eng mit der lokalen Wirtschaft zusammen. Insbesondere für Mädchen ist es wichtig, positive Vorbilder zu schaffen. So muss der Anteil der Lehrerinnen erhöht werden, aber auch der Anteil der Plan-Mitarbeiterinnen und unserer lokalen Partnerorganisationen, die beispielsweise mit dem Motorrad entlegende Gemeinden besuchen.

Für bereits verheiratete Mädchen bieten wir Möglich-keiten, weiter eine Schule zu besuchen, eine Ausbil-dung zu machen oder an einkommenschaffenden Maßnahmen teilzunehmen. Hier leisten wir Aufklärungsarbeit bei den Mädchen, in den Familien und Gemeinden und zeigen auf, wie sehr der Wohlstand und die Gesundheit der Familien vom Bildungsstand der Mütter abhängt.

In unseren Nothilfeprojekten arbeiten wir zusammen mit Gemeinden an der Prävention von Kinderhandel, von Zwansverheiratung und geschlechtsbasierter Gewalt. Dabei haben wir spezielle Angebote für Überlebende sexueller Gewalt. In Konfliktgebieten sowie nach Katastrophen, ermöglichen wir Mädchen in unseren Projekten, ihre Schulbildung fortzusetzen. Außerdem können sie sexuelle Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen. Mädchen und jungen Frauen bieten wir Schutz und sorgen für eine bessere Ernährung.

Girls Get Equal

Mit Girls Get Equal, unserer Kampagne für die Rechte von Mädchen, wollen wir dafür sorgen, dass alle Mädchen und jungen Frauen selbst über ihr Leben bestimmen und die Welt um sich herum aktiv mitgestalten können. Außerdem wollen wir überkommene Normen und Strukturen, die Mädchen und Frauen diskriminieren, verändern.

Ja, ich möchte Kindern helfen!

Wir möchten Kindern eine Kindheit ermöglichen. Helfen Sie uns dabei, indem Sie eine Patenschaft übernehmen. © Plan
Wie wir arbeiten

Plan International ist eine religiös und weltanschaulich unabhängige Hilfsorganisation, die sich weltweit für die Chancen und Rechte der Kinder engagiert: effizient, transparent, intelligent. Seit mehr als 80 Jahren arbeiten wir daran, dass Mädchen und Jungen ein Leben frei von Armut, Gewalt und Unrecht führen können. Dabei binden wir Kinder in über 70 Ländern aktiv in die Gestaltung der Zukunft ein.

Kinder schützen und ihre Rechts stärken
Kinderschutz

Kinder sollen ihr volles Potenzial ausschöpfen können – dazu haben wir von Plan International uns verpflichtet. Wir wollen ihr allgemeines Wohlergehen sichern in einer geschützten und unterstützenden Umgebung.

Wir möchten Kinderhandel stoppen.
Kinderhandel stoppen

Jährlich werden schätzungsweise mehr als eine Million Kinder Opfer von Kinderhandel. Diese Art der modernen Sklaverei wollen wir abschaffen, indem wir gezielt benachteiligte Kinder und deren Familien unterstützen. Wir arbeiten gemeinsam mit den Programmgemeinden vor Ort daran, dass Kinder ihre Rechte wahrnehmen können und auch die Familien durch Einkommen schaffende Maßnahmen unterstützt werden.

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