Die Globale Bildungskampagne

Die Globale Bildungskampagne ist die deutsche Koalition der Global Campaign for Education (GCE), einem weltweiten Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen und Bildungsgewerkschaften. Plan International ist aktives Mitglied in vielen nationalen Koalitionen der Global Campaign for Education, auch in Deutschland. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass jedes Kind und jeder Erwachsene sein Recht auf eine qualitativ gute Bildung wahrnehmen kann.

Kostenlose und qualitativ gute Bildung für alle ist ein fundamentales Menschenrecht und ein erreichbares Ziel. Millionen Kinder weltweit besuchen aber immer noch nicht die Schule.

Bildung beginnt vor der Geburt und umfasst die schulische und außerschulische Bildung bis hin zur Erwachsenen- und beruflichen Bildung. Kindern und Erwachsenen, die nicht lesen, schreiben und rechnen können, keine Kenntnisse über gesellschaftliche Zusammenhänge, Umwelt oder Geschichte haben, fällt es schwer, ihr volles Potenzial zu entfalten und aktive Mitglieder der Gesellschaft zu sein. Besonders wichtig sind die Basiskompetenzen wie lesen, schreiben und rechnen, aber auch soziale Kompetenzen.

Forderungen sind u.a.

  • Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen müssen ihr Versprechen halten und jedem Kind eine gebührenfreie und gute Grundbildung ermöglichen.
  • Die Qualität der Ausbildung von Lehrkräften muss verbessert werden.
  • Die Bundesregierung muss die Finanzierung für Grundbildung in der Entwicklungszusammenarbeit und die Förderung von Bildung in der humanitären Hilfe erhöhen.

Jährlich finden im Rahmen der Kampagne die Weltklasse!-Schulaktionswochen statt.  

3 Fragen an … Alice Albright

Gerechte Bildungschancen – für Mädchen und Jungen – sind eines der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) bis 2030. Wir von Plan International arbeiten an der zügigen Umsetzung. Auf internationaler Ebene unterstützt auch die Globale Bildungspartnerschaft (Global Partnership for Education, GPE) dieses Anliegen. In der GPE sind Geber- und Empfängerländer sowie zivilgesellschaftliche Organisationen wie NGOs, Stiftungen oder Universitäten verbunden. Diese integrative Partnerschaft soll effektive und effiziente Bildungssysteme schaffen. GPE-Geschäftsführerin Alice Albright sprach mit uns über die Hintergründe dieses Bündnisses.

Warum ist Bildung so zentral für die Entwicklung in armen Ländern?
Bildung ist ein Grundbaustein für Entwicklung, sowohl für die des Einzelnen als auch für ganze Gesellschaften. In Ländern, die Bildung fördern und in sie investieren, steigen Lebensstandard und Lebenserwartung, die Menschen sind gesünder, Familien haben mehr Einkommen, Frauen mehr Wahlmöglichkeiten, Kinder sind besser ernährt, die Staatseinnahmen steigen. Bildung ist zudem ein machtvolles Mittel gegen Konflikte, denn Menschen, die lesen können, bringen sich eher in die demokratischen Institutionen ihrer Gesellschaft ein. Länder, die fragil oder von Konflikten betroffen sind, sollten in Bildung investieren, denn nur mit einer ausgebildeten Bevölkerung werden sie in der Lage sein, Fortschritte zu machen und sich langfristig zu entwickeln. Bildung hat die Kraft, Menschen und Gesellschaften aus der Armut zu holen und der jetzigen sowie zukünftigen Generationen eine Zukunftsperspektive zu geben.

Die aktuelle Debatte dreht sich insbesondere um Bildung für Mädchen. Warum ist das wichtig?
Investitionen in die Bildung von Mädchen kommen nicht nur den Mädchen selber zugute, sondern sind immer auch Investitionen in die kommenden Generationen und in die Entwicklung der Volkswirtschaften, in denen diese Mädchen und Frauen leben und arbeiten. Für ein Kind, dessen Mutter lesen kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es geimpft und älter als fünf Jahre alt wird, um jeweils 50 Prozent. Die Chance, dass es zur Schule geht, verdoppelt sich. Mädchenbildung wirkt sich zudem nachweislich positiv auf das Wirtschaftswachstum der Länder und die landwirtschaftliche Produktivität aus.

Trotzdem gehen weiterhin 61 Millionen Mädchen weltweit nicht in die Schule, denn diverse Hindernisse erschweren insbesondere Mädchen den Zugang zu Bildung. Armut, soziale und kulturelle Faktoren und frühe Verheiratung von Mädchen spielen ebenso eine Rolle wie der Mangel an weiblichen Lehrkräften. Weitere Faktoren sind die geringe Wertschätzung für Mädchenbildung und Kosten für den Schulbesuch, aber auch sexualisierte Gewalt an Schulen und lange Schulwege. Plan wie auch die Globale Bildungspartnerschaft und viele andere Organisationen setzen sich weltweit für die Rechte von Mädchen ein. Diese Arbeit ist essenziell, um Barrieren ab zu bauen, die Mädchen daran hindern zur Schule zu gehen.

Was kann der G20 Gipfel dieses Jahr dazu beitragen, um Bildung in Entwicklungsländern nach vorne zu bringen?
Das erklärte Ziel der deutschen G20-Präsidentschaft ist es, die Globalisierung zum Nutzen aller zu gestalten. Ein zentraler Punkt ist hierbei der nachhaltige wirtschaftliche Fortschritt Afrikas, den man durch Stärkung von Investitionen und Infrastruktur auf dem Kontinent befördern möchte. Dies ist auch Kern des neuen „Marshallplans mit Afrika“, den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Januar 2017 vorgestellt hat. Zudem wollen die G20-Staaten die Erwerbsbeteiligung von Frauen verbessern und den hier noch bestehenden Unterschied zwischen Männern und Frauen deutlich verringern.

Auch sorgen sich die G20 um die Bedrohung von Sicherheit und Frieden weltweit. Wir fordern die G20 auf, den geleichberechtigten Zugang zu Grundbildung als einen zentralen Grundstein für die Entwicklung von Frieden und Sicherheit anzuerkennen und die notwendige externe und nationale Finanzierung von Bildung dringend anzugehen, insbesondere in den ärmsten Ländern. Wenn die G20 sich mit den Ursachen von Konflikten und Fragilität auseinandersetzen, sollten sie berücksichtigen, dass das Fehlen von qualitativ hochwertiger Bildung hierbei eine Schlüsselrolle spielt.

Die G20 sollten dazu aufrufen, weltweit gerechten Zugang zu Bildung für alle Mädchen und Jungen zu gewährleisten – unabhängig von den Umständen, unter denen sie leben. Dieses Jahr ist von grundlegender Bedeutung für die Finanzierung von Bildung und die Stimme der G20 kann erheblichen Einfluss auf den politischen Willen vieler wichtiger Regierungen haben, sowohl in Geber- als auch in Entwicklungsländern.