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02.04.2015

Infos zum Thema weibliche Genitalverstümmelung

Mit Female Genital Mutilation (FGM) werden alle Praktiken bezeichnet, die die teilweise oder völlige Entfernung der äußeren Genitalien zum Ziel haben oder andere Verletzungen der weiblichen Genitalorgane beinhalten, sei es aus kulturellen oder anderen nicht-therapeutischen Gründen.

Um eine internationale Standardisierung zu erreichen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die unterschiedlichen Formen in vier Typen eingeteilt. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht immer möglich.
Typ I: Partielle oder vollständige Entfernung der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut (Klitoridektomie)
Typ II: Partielle oder vollständige Entfernung der Klitoris und der kleinen Schamlippen, mit oder ohne Entfernung der großen Schamlippen (Exzision)
Typ III: Verengung der vaginalen Öffnung mit Herstellung eines bedeckenden, narbigen Hautverschlusses durch das Entfernen und Zusammenheften oder -nähen der kleinen und/oder großen Schamlippen, mit oder ohne Entfernung der Klitoris (Infibulation)
Typ IV: Alle anderen (schädigenden) Eingriffe, die die weiblichen Genitalien verletzen und keinem medizinischen Zweck dienen, zum Beispiel: Einstechen, Durchbohren, Einschneiden, Ausschaben und Ausbrennen oder Verätzen.

Für Plan ist die Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung eine grundlegende und schwerwiegende Verletzung der Kinder- und Menschenrechte, die auf jeden Fall abgeschafft werden muss. Sie verletzt zum Beispiel das Recht von Frauen und Mädchen auf körperliche Unversehrtheit, auf sexuelle Selbstbestimmung und auf Schutz vor Gewalt und Diskriminierung.

Welche Folgen hat FGM?
Auch wenn sich Verbreitung, Ausmaß und soziokulturelle Bedeutung der Praktik erheblich unter-scheiden: Alle Formen sind irreversibel und sowohl unmittelbar als auch langfristig mit seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen verbunden. Neben akuten Komplikationen wie Blutverlust, Kollaps, Infektionen und Schmerzen sind schwere Schädigungen der reproduktiven und sexuellen Gesundheit, die erhöhte Gefahr einer HIV-Infektion, vermindertes sexuelles Empfinden und psychische Störungen als Langzeitfolgen bekannt. In extremen Fällen kann der Eingriff zum Tod führen.

Wie verbreitet ist FGM?

Schätzungen zufolge sind weltweit rund 100 bis 140 Millionen Frauen, Mädchen und Babys an ihren Genitalien verstümmelt. Jedes Jahr sind etwa weitere zwei bis drei Millionen Mädchen gefährdet, an ihren Genitalien verstümmelt zu werden.

Wo wird FGM praktiziert?
Die weibliche Genitalverstümmelung wird vor allem in Afrika südlich der Sahara praktiziert.
Hochprävalenzländer sind Somalia, Ägypten, Guinea, Sierra Leone, Dschibuti, Nord-Sudan, Eritrea und Mali. Das Vorkommen variiert stark innerhalb von Regionen und Ländern und wird dabei von der ethnischen Zugehörigkeit bestimmt. Die Prävalenzraten bewegen sich je nach Land zwischen einem und 98 Prozent.

In geringem Umfang kommt die Genitalverstümmlung auch in Asien und dem Mittleren Osten (etwa unter einigen ethnischen Gruppen im Jemen, Oman, Indonesien und Malaysia) sowie durch Migration in Einwanderungsländern des Westens vor. In Europa sind geschätzt 18.000 Mädchen und Frauen von der Praktik bedroht (EP, 2009), in Deutschland gibt es ca. 2.500 bedrohte Mädchen (TERRE DES FEMMES, 2013).

Was sind die Motive für eine weibliche Genitalverstümmlung?

  • Voraussetzung für Eintritt in die Gemeinschaft (soziale Norm)
  • Heiratsvoraussetzung
  • Verbunden mit Werten: wie z.B. Jungfräulichkeit bei der Heirat, Treue der Ehefrauen
  • Soziale Akzeptanz der Frauen verbunden mit stärkerem Einfluss bei Gemeindeentscheidungen
  • Manchmal: ästhetische und hygienische Aspekte
  • Seltener: religiöse Verpflichtung

Viele Gemeinden in Afrika betrachten FGM als eine Tradition, die tief in ihrer Gesellschaft verankert ist. Sie steht oft auch für den Eintritt in das Erwachsenenalter und für die gesellschaftliche Anerkennung als Frau. Dies belegen die Erfahrungen vor Ort und Untersuchungen wie die von Plan in Westafrika durchgeführte Studie „Tradition and Rights – Female Genital Cutting in West Africa“, 2006.

Warum lassen Eltern, insbesondere Mütter die Beschneidung ihrer Töchter zu?
Für Eltern ist der soziale Druck, ihre Töchter beschneiden zu lassen, oft immens groß. Nicht beschnittene Mädchen werden in den Gemeinden stark stigmatisiert. Sie gelten als unrein, werden häufig nicht geheiratet und manchmal sogar von der Gemeinschaft verstoßen.

Die Mütter wissen zwar durch eigene leidvolle Erfahrung, welchen Qualen ihre Töchter ausgesetzt sein werden. Doch nehmen sie diese in Kauf, um ihre Töchter vor einer Stigmatisierung zu schützen. Viele Frauen sehen die Genitalverstümmelung auch als Initiationsritus, um die Mädchen auf das Leiden im Leben einer Frau vorzubereiten.

Schützt eine Patenschaft Mädchen vor FGM?
Mit der Übernahme einer Patenschaft unterstützen Sie Plans Arbeit zur Umsetzung der Kinderrechte und für die Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Mädchen und Jungen weltweit. Hierzu gehört auch der Schutz vor Gewalt und vor Kinderrechtsverletzungen wie die Genitalverstümmelung. Trotzdem kann Plan nicht garantieren, dass jedes Patenkind in vollem Umfang seine Rechte wahrnehmen kann. Da weiterhin die Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind, können sie trotz Plans Aufklärung entsprechende Entscheidungen – wie eine Beschneidung – treffen.

Erfahre ich, ob mein Patenkind beschnitten ist?
Um die Würde und die Privatsphäre der Mädchen und Frauen zu wahren, werden Fragen zu einem möglichen Eingriff beim Patenkind nicht an die Familien weitergeleitet, und können daher auch nicht beantwortet werden.


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