Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 hat Plan International die Arbeit in den Programmländern auf die neue Situation angepasst. Trotz aller Bemühungen bleibt eine Vielzahl von Herausforderungen. © Plan International / Nicolas Canton
Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 hat Plan International die Arbeit in den Programmländern auf die neue Situation angepasst. Trotz aller Bemühungen bleibt eine Vielzahl von Herausforderungen. © Plan International / Nicolas Canton
11.03.2021 - von Sascha Balasko

Ein Jahr Corona: Wie Plan Mädchen während der Pandemie weltweit unterstützt

Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Corona-Krise zur globalen Pandemie. Seitdem hat Plan International die Arbeit in den Programmländern auf die neue Situation angepasst. Trotz aller Bemühungen bleibt aber auch ein Jahr später eine Vielzahl von Herausforderungen.

Seit einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt fest im Griff. Millionenfach infizieren sich Menschen mit dem Virus, die Todeszahlen steigen, die Gesundheitssysteme stoßen an ihre Belastungsgrenzen und darüber hinaus. Das Impfen kommt gerade in den Ländern des globalen Südens kaum voran. Viele Regierungen und Organisationen sind damit beschäftigt, diese primären Auswirkungen der Krankheit einzudämmen. Zugleich zeigt die Arbeit von Plan International, dass die sekundären Folgen ebenfalls angegangen werden müssen, um Langzeitauswirkungen auf den Lebensunterhalt, die Bildung, die Rechte und das Wohlbefinden der Menschen zu verhindern.

Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen führen häufig zu erhöhter Armut aufgrund von Arbeitslosigkeit, Ernährungsunsicherheit und eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsdiensten. Unter den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden gerade die Kinder am stärksten. Sie sind die verborgenen Opfer dieser Krise. Dabei sind gerade Mädchen einem hohen Risiko von häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. Warum das so ist und wie Plan Mädchen und junge Frauen schützt und Betroffenen hilft, erklärt Plan-Expertin Yang Fu im Interview.


Schon vor der Corona-Pandemie hatten viele Mädchen in Ländern des globalen Südens nur geringe Chancen auf eine Schulbildung. Durch die Schließung von Schulen wird dieses Problem jetzt noch verstärkt. Mädchen müssen im Haushalt arbeiten, die Betreuung ihrer Geschwister übernehmen oder zum Einkommen der Familie beitragen. Selbst wenn Schulen wieder öffnen, werden arme Familien kein Geld mehr haben, um ihre Töchter wieder in den Unterricht zu schicken. Von den weltweit rund 743 Millionen Mädchen, die seit Ausbruch der Pandemie nicht zur Schule gehen konnten, wird ein großer Teil aus Ländern mit niedrigem Einkommen nicht in den Unterricht zurückkehren – vor allem, wenn es um weiterführende Schulen geht. Wie Plans Nothilfe in diesem Bereich gewirkt hat, lesen Sie im Interview mit Plan-Expertin Emilia Sorrentino.

Die Zahl der Kinder, die allein in den ersten sechs Monaten seit Ausbruch der Pandemie von Armut betroffen waren, hat sich um 150 Millionen erhöht. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Umstand zu einem ersten Anstieg von Kinderarbeit seit 20 Jahren führen wird. Der wirtschaftliche Stress und die emotionale Belastung, die Isolation, Arbeitsplatzverlust und wirtschaftlicher Abschwung setzen Mädchen und Frauen einem höheren Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt aus. Die Zahl von Frühschwangerschaften sowie Früh- und Zwangsheiraten steigen. Warum das so ist erklärt Plan-Expertin Alissa Ferry im Interview.

Die Pandemie droht Vieles, was in der Entwicklungszusammenarbeit erreicht wurde, wieder zunichte zu machen. Dieser Entwicklung wirkt Plan International mit seiner Programmarbeit in Lateinamerika, Afrika und Asien entgegen. Allein in den ersten sechs Monaten nach Ausbruch der Pandemie hat das Kinderhilfswerk weltweit mehr als 100 Millionen Euro für seine vielfältigen Maßnahmen in den Programmländern eingesetzt und damit insgesamt rund 80 Millionen Menschen direkt und indirekt erreicht. Dazu gehören Maßnahmen zum Kinderschutz, zur Hygiene sowie Schulungen und Information oder Ernährungsprogramme.

Beispiel Senegal: Als die Pandemie begann, zögerten die Bewohner einer Gemeinde in dem westafrikanischen Land zunächst, Präventions- und Eindämmungsmaßnahmen zu ergreifen. Die 23-jährige Khadyja Aicha widmete sich der Erarbeitung von Aufklärungsbotschaften, die sie über soziale Netzwerke verbreitete. „Wir können unseren Gemeinden helfen, die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Wir sind dazu in der Lage - wir haben die Mittel, wir haben den Willen." Die Studentin ist Mitglied der Plattform Girls „Out Loud“ von Plan International Senegal. Durch Bilder und Videos hat sie ihre Gemeinde dazu ermutigt, Hygiene- und andere Schutzmaßnahmen zu ergreifen und Mädchen vor allen Formen der Gewalt zu schützen. Weil sie in ihrer Gemeinde geschätzt wird, lud der Vertreter ihres Distrikts sie in das Management-Komitee ein, um sicherzustellen, dass Mädchen und andere junge Menschen ein Mitspracherecht bei der Reaktion auf die Pandemie erhalten.

Beispiel Peru: Die Schulschließungen in dem Andenland haben 6,6 Millionen Schülerinnen und Schüler gezwungen, sich auf verschiedene Fernunterrichtsstrategien einzustellen. Die peruanische Regierung hat die nationale Bildungsstrategie „Ich lerne zu Hause“ eingeführt, um den Schülerinnen und Schülern im ganzen Land zu helfen, den Unterricht per Homeschooling fortzusetzen. Allerdings haben Schülerinnen und Schüler in vielen Teilen Perus nur begrenzten Zugang zum Internet und zu Fernlernplattformen. Diese Einschränkung betrifft Tausende von Mädchen, darunter auch Ruth Nayda und ihre drei jüngeren Geschwister. Um jungen Menschen wie Ruth und ihren Geschwistern zu helfen, arbeitet Plan International Peru mit dem Bildungsministerium zusammen. Dazu gehören etwa Produktion von pädagogischen Radiosendungen und die Verteilung von Lautsprechern für die öffentliche Wiedergabe des Unterrichts. Dadurch konnten mehr als 200.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden, die sonst zurückgeblieben wären.

Plan International Deutschland hat zudem zehn Millionen Euro von der EU eingeworben, um Mädchen und Jungen in fünf afrikanischen Ländern vor Gewalt in der Covid-19-Krise zu schützen. Vom Projekt „Joining Forces for Africa - Schutz von Kindern vor Gewalt während der Covid-19 Krise und darüber hinaus“ (JOFA) sollen 718.000 Kinder in den kommenden drei Jahren profitieren. Die Joining Forces sind der Zusammenschluss der sechs größten Kinderhilfsorganisationen der Welt. Wie Plan in Krisensituationen den Kinderschutz stärkt und durchführt, erfahren Sie im Interview mit Plans Kinderschutz-Expertin Yang Fu.

Trotz aller Bemühungen bleibt eine Vielzahl von Herausforderungen: psychosoziale Hilfe für Opfer von Gewalt, eine gesicherte Rückkehr von Kindern, insbesondere Mädchen, in die Schulen, Maßnahmen zur Selbstbestimmung von Mädchen und jungen Frauen. Dazu gehört, sie über ihre Rechte aufzuklären und sie zu befähigen diese einzufordern. Und nicht zuletzt fordert Plan International die weltweit gerechte Verteilung von Impfstoffen. Die Kinderrechtsorganisation wird in diesem Zuge ihr bestehendes Netzwerk in den Programmländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens zu nutzen, um die Bevölkerung zu informieren und zur Akzeptanz der Vakzine beizutragen.

Corona-Krise global

Die Corona-Pandemie stellt aktuell immer noch eine Herausforderung dar, die weltweit den Alltag von Menschen beeinflusst. Wie unsere Programmregionen betroffen sind, was das für unsere Patenschaften und unsere Arbeit vor Ort bedeutet, lesen Sie hier:

 


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