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Viele Staatenlose in Thailand gehören indigenen Bergvölkern wie den Akhas im hügeligen Norden des Landes an.
Viele Staatenlose in Thailand gehören indigenen Bergvölkern wie den Akhas im hügeligen Norden des Landes an.
18.12.2014 - von Plan Redaktion

Die unsichtbaren Kinder

In Thailand unterstützt Plan staatenlose Kinder und Jugendliche dabei, eine Staatsbürgerschaft zu bekommen. Vor allem Mädchen ohne Papiere sind in Gefahr, Opfer von Menschenhandel oder Ausbeutung zu werden. Ein Team des ZDF auslandsjournal besuchte Meepha und Naamelo im Norden des Landes.

In Thailand leben rund eine Million Menschen ohne Papiere, zwei Drittel von ihnen sind Kinder. Ohne den Nachweis ihrer Identität können Mädchen und Jungen ihre Rechte auf Bildung, Gesundheit und Schutz nicht wahrnehmen. Oft ist schon der Besuch der Grundschule ein Problem, denn im Gegensatz zu Kindern mit thailändischem Pass müssen sie Bücher und Schulmaterial bezahlen. Wegen der fehlenden Dokumente können sie zudem keine Abschlussprüfungen machen, was den Besuch weiterführender Schulen erschwert. Zudem sind sie besonderen Gefahren wie dem Menschenhandel ausgesetzt

Diskriminierung der Bergvölker
Die Staatenlosen in Thailand sind oft Angehörige indigener Bergvölker wie der Akhas oder Karen im hügeligen Norden des Landes. Sie besiedelten schon vor vielen Generationen die abgelegenen Regionen. Doch ohne Papiere sind sie Illegale im eigenen Land, die oft diskriminiert werden. Laut Gesetz dürfen sie lediglich 27 Hilfstätigkeiten übernehmen, oft schwere körperliche Arbeit auf Tee- und Reisplantagen. Ohne Schulabschluss bleibt den Mädchen dieser ethnischen Minderheiten oft nur, in Karaoke-Bars zu arbeiten.

Der Besuch einer weiterführenden Schule ist für staatenlose Kinder schwierig, weil sie ihren Heimatbezirk nicht verlassen dürfen. Das Goldene Dreieck, die Region im Grenzgebiet der Staaten Thailand, Myanmar und Laos, ist bekannt für den Drogen- und Menschenhandel. Deshalb werden Reisende regelmäßig von der Polizei überprüft und müssen einen gültigen legalen Status nachweisen. Können sie das nicht, dürfen sie nicht weiterfahren und werden manchmal sogar inhaftiert.

Das ZDF auslandsjournal besuchte die Mädchen Meepha und Naamelo im Norden Thailands. Einen Film dieses Besuchs finden Sie in der 3sat-Mediathek (Beitrag ab 13:35 min).

Staatenlose Kinder sichtbar machen
2009 hat Plan ein umfassendes Programm für die "hill tribe people" in Chiang Rai gestartet – im Fokus stehen dabei die Kinder und Jugendlichen. So betreibt Plan Lobbyarbeit, um eine bessere Gesetzgebung für die Staatenlosen zu erreichen und führt Seminare mit Behördenmitarbeitern durch. Bisher erhielten 20.000 Staatenlose eine Geburtsurkunde, allein in der Proinz Chiang Rai bekamen 2013 1.400 Menschen.

Zudem können Jugendliche über Plan eine dreijährige Berufsausbildung in Landwirtschaftsschulen absolvieren. Sie lernen Pflanzen umweltverträglich anzubauen, organischen Kompost herzustellen und Tiere aufzuziehen – Kenntnisse, die auch für ihre Familien in den Heimatorten sinnvoll sind. In einem Pilotprojekt bildet Plan Mädchen zudem für die Tourismusbranche aus. Statt als Hilfskraft zu arbeiten, können sie im Anschluss an der Rezeption oder als Zimmermädchen der Hotels arbeiten.

Junge Multiplikatoren
Plan bezieht Mädchen und Jungen aktiv in seine Projekte in den Partnergemeinden ein. So werden Jugendliche auch in so genannten "law clinics" über ihr Rechte und die immense Bedeutung der Geburtsurkunde geschult. Als Multiplikatoren geben sie ihr Wissen an Gleichaltrige und Erwachsene weiter und helfen ihren Eltern - die oft kein Thai sprechen und Analphabeten sind - beim Ausfüllen der Unterlagen und dem Erwerb der Staatsangehörigkeit.

DNA-Tests für die Staatsangehörigkeit
Darüber hinaus unterstützt Plan auch ein Projekt des thailändischen Staates. Wurden die Eltern eines unregistrierten Kindes bei einer Volkszählung erfasst oder besitzen sie gar die thailändische Staatsangehörigkeit, kann mittels einer Blutentnahme die Familienzugehörigkeit des unregistrierten Kindes ermittelt werden. Ein solcher DNA-Test kostet derzeit 8.000 Baht - rund 200 Euro – von dem der thailändische Staat die Hälfte übernimmt. 3.000 Baht zahlt Plan, 1.000 Baht die Familie des unregistrierten Kindes.

Plan-Kampagne "Count every Child"
Seit 1998 arbeitet Plan weltweit zusammen mit Regierungen, um die Barrieren für Geburtenregistrierungen zu minimieren. 230 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind weltweit nicht registriert. Ursachen sind die fehlende Bereitschaft auf politischer Ebene, eine unzureichende Infrastruktur, die geringe Sensibilisierung der Eltern und die hohen Kosten für die Familien. Seit 2005 ermöglichte Plan die Registrierung von über 40 Millionen Kindern in 32 Ländern und half, die Gesetzgebung in 10 Ländern positiv zu verändern. Unter dem Motto "Count Every Child – Zähle jedes Kind" ist Plan auch mit den Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen UNHCR aktiv.

Unterstützen Sie Plans Arbeit!
Ein besonders sinnvolles Geschenk können Sie mit einer Geburtsurkunde machen.

Der Mädchen-Fonds von Plan Deutschland fördert spezielle Projekte zur Chancengleichheit und ermöglicht volljährigen Mädchen den Besuch weiterführender Schulen oder Universitäten durch die Vergabe von Stipendien. 

Selbstverständlich können Sie die Entwicklungsprogramme von Plan in Thailand auch mit der Übernahme einer Patenschaft unterstützen.