Die Kambodschanerin Tort Hory (25) war bis 2013 Plan-Patenkind – und arbeitet heute als Lehrerin. © Hartmut Schwarzbach/argus
Die Kambodschanerin Tort Hory (25) war bis 2013 Plan-Patenkind – und arbeitet heute als Lehrerin. © Hartmut Schwarzbach/argus
27.02.2020 - von Marc Tornow

Torts Träume

Tort ist anders als andere Kambodschanerinnen, sie wurde mit nur einem Arm geboren. Bildung war ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben – und sie hat sie genutzt. Das frühere Patenkind besuchte die weiterführende Schule, studierte und arbeitet heute als Grundschullehrerin. Doch die junge Frau will noch weiterkommen.


Auf dem Gelände der Nokor-Krao-Grundschule herrscht an diesem Vormittag konzentrierte Lernatmosphäre. Nur einen Steinwurf weiter ragen die weltberühmten Türme des Tempel von Angkor Wat aus dem Urwald heraus. Doch außer den vielen Touristen interessiert das hier niemanden. In den Klassenräumen machen die Kinder still ihren Unterricht und schreiben in ihren Heften.

 

Nur weiter hinten auf dem Gelände, in den Räumen für die Jüngsten, geht es angeregt zu. Mitten zwischen Gruppen diskutierender Mädchen und Jungen steht Tort Hory in ihrer Klasse, scheinbar felsenfest geerdet und mit den Kindern eng vertraut. Die Kleinen folgen ihrer Lehrerin wie gebannt, als sie diese interaktiv an das schnörkelreiche Khmer-Alphabet heranführt. Dabei lassen sie sich nicht einmal von den fremden Besuchern draußen stören.

 

2018 schilderte Tort ihre Träume. Oberschullehrerin für Englisch wollte sie damals unbedingt werden. In ihrer Freizeit gab sie den jüngsten Patenkindern in ihrem Dorf gratis Englischunterricht. „Als Dankeschön, weil ich selbst über Plan so viel Förderung bekommen habe“, sagte sie seinerzeit. Heute arbeitet Tort tagsüber als Grundschullehrerin, abends studiert sie an der Universität von Siem Reap tatsächlich auf Lehramt Englisch!

 

Ursprünglich wollte sich Tort in Phnom Penh weiterbilden. Doch die Hauptstadt sei ihr zu weit entfernt von den Geschwistern und Eltern, die sie nahezu täglich auf dem Weg zur oder von der Grundschule besuche. „Das Leben in Phnom Penh ist zu turbulent“, sagt sie. Vor allem sei dort der Verkehr deutlich chaotischer. Für eine Frau mit Behinderung und allein unterwegs mit dem Moped unnötig riskant.

 

Und noch etwas ist neu: Tort lebt jetzt nicht mehr bei ihren Eltern, sondern in der Innenstadt von Siem Reap. Die 25-Jährige hat ein WG-Zimmer in einer Wohnung, die sie sich mit anderen Studentinnen teilt. Eine eigene Familie hat sie noch nicht. Stattdessen fokussiert sie sich bedächtig auf ihre Arbeit und Fortbildung. Außerdem engagiert sich Tort für andere Menschen mit Behinderungen, denen es nicht so gut geht wie ihr und organisiert Spendensammlungen.

2019 reiste das frühere Patenkind erstmals ins Ausland. Auf Einladung der finnischen Regierung trat sie als Plan-Botschafterin in Helsinki auf. Sie berichtete auf Englisch über die Folgen des Klimawandels insbesondere für die armen bäuerlichen Familien in ihrer Heimat.

Ein Traum ist derzeit noch unerfüllt. Sobald die Doppelbelastung von Arbeit und Studium vorüber ist, will sie wieder mit dem Gratisunterricht für die Kleinsten anfangen.

 


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