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Drei von vier Mädchen heiraten vor ihrem 18. Geburtstag im Niger. © Vincent Tremeau
Drei von vier Mädchen heiraten vor ihrem 18. Geburtstag im Niger. © Vincent Tremeau
18.09.2017 - von Anne Rütten

Niger will Kinderheirat beenden

Der nigrische Präsident Issoufou Mahamadou will Kinderheirat nicht länger tolerieren und das Heiratsalter auf 18 Jahre erhöhen. In dem afrikanischen Land liegt das gesetzliche Alter der Ehe für Mädchen derzeit bei 15 Jahren. Die Gesetzesänderung würde das Leben von Millionen von Mädchen positiv verändern.

„Kinderheirat ist eine grobe Verletzung der grundlegenden Rechte der Mädchen“, sagt Johnson Bien-Aime, Länderdirektor von Plan International in Niger. „Es verwehrt Mädchen den Zugang zu Bildung, zu einem Job und zu einer Gesundheitsversorgung, die auch die freie Wahl bei der Familienplanung einschließt. Niger hat die höchste Rate von Kinderheirat der Welt und den Mädchen wird dadurch seit Jahren verwehrt, ihr volles Potenzial zu entfalten. Wir begrüßen die visionäre Aussage des Präsidenten, die nicht nur die Aufmerksamkeit auf die Gesundheit der Kinder und die geschlechtsspezifische Diskriminierung lenkt, sondern auch die Bedeutung von Bildung hervorhebt. Bildung ist die Schlüsselrolle für die soziale und wirtschaftliche Zukunft des Landes.“

Im Niger heiraten drei von vier Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag - in einigen Programmgebieten sind die Raten sogar noch höher. In Diffa zum Beispiel heiraten 89 Prozent der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag. Die Ursachen beruhen auf tiefen traditionellen und gesellschaftlichen Überzeugungen, die durch die gesetzlichen und ökonomischen Verhältnisse verstärkt werden.

Plan International führt mehrere Projekte zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und zum Beenden von Frühverheiratung durch. Zu Plans Initiativen zählen unter anderem die Aufklärung der Gemeinden über bestehende Gesetze gegen die Praxis, die Ausbildung von Jugendgruppen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie die Aufklärung von Männern über die Rechte der Mädchen und die reproduktive Gesundheit.

Laut Bien-Aime besteht die dringende Notwendigkeit, diese Art von Initiativen in Notsituationen noch zu verstärken, da die Mädchen dann besonders von diesen schädlichen Traditionen betroffen sind. „In Katastrophenfällen steigt die Anzahl der Kinderheiraten, weil Mädchen als ‚Vermögen‘ gesehen werden - zum Beispiel werden sie als Mitgift während einer Nahrungsmittelkrise benutzt. Während eines Konflikts sind besonders Mädchen Gewalt ausgesetzt.“