Die Mädchenbewegung in Ecuador führt trotz Lockdown ihre Projekte durch – im Internet. © Plan International
Die Mädchenbewegung in Ecuador führt trotz Lockdown ihre Projekte durch – im Internet. © Plan International
02.12.2020 - von Sarah Koch

Mädchenbewegung schafft digitale Lösungen

In Ecuador haben viele Menschen keinen Zugang zum Internet. Die Mädchenbewegung von Plan International vor Ort kämpft für mehr Internetzugänge und hat eine digitale Plattform ins Leben gerufen, auf der Mädchen und junge Frauen weiter lernen und sich austauschen können. Dort erhalten sie auch Unterstützung bei Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt während der Corona-Krise.

Covid-19 zwingt uns dazu, neu darüber nachzudenken, wie wir das Leben von Mädchen und jungen Frauen weiterhin positiv beeinflussen können. Inmitten der globalen Pandemie lässt sich beobachten, wie digitale Maßnahmen immer wichtiger werden. Sie ermöglichen es, Kindern weiter Zugang zu Bildung zu verschaffen und treiben die Leadership-Projekte für Mädchen voran.  

In Ecuador hat die Mädchenbewegung von Plan International fast 200 jungen Frauen mehr als 20 Online-Schulungen zur Verfügung gestellt. Sie sollen ihre digitalen Kompetenzen weiterentwickeln und sie mit dem nötigen Wissen ausstatten, sodass sie während und nach der Krise besser auf Übergriffe und Gewalt reagieren können.

Mit Hilfe der Lernplattform „Nearpod“ und der Videokonferenz-Seite „Webex“ können sich die Teilnehmer:innen austauschen und wichtige Informationen erhalten. Diese Leistung ist besonders bemerkenswert in einem Land, in dem rund 70 Prozent der Schüler:innen nur eingeschränkt Zugang zum Internet und damit zu digitalen Lernplattformen haben. Besonders in ländlichen Gebieten laufen sie Gefahr, abgehängt zu werden: Dort haben nach offiziellen Angaben nur 16 Prozent der Haushalte einen Internetzugang. Deshalb stellt Plan International gute Tarife und Guthaben für mobiles Internet zur Verfügung.

"Wir haben der Erleichterung des Internetzugangs Vorrang eingeräumt, damit Mädchen weiterhin Räume für Partizipation und Wachstum sowie zu Informationen haben. So können sie einen ständigen Dialog untereinander und mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen führen und an Unterricht und Fortbildungen teilnehmen. Vor allem machen die Plattformen es möglich, dass sie nicht isoliert sind und Hilfe suchen können, wenn sie Gewalt erfahren", erklärt Anahí Almeida, Gender-Beraterin von Plan International in Ecuador.


Die Schulungen auf den Online-Plattformen fanden statt, während sich Ecuador im Lockdown befand. Die notwendigen Corona-Eindämmungsmaßnahmen hatten die Bürgerbewegungen eingeschränkt und dazu geführt, dass Mädchen und junge Frauen nicht mehr den üblichen Unterricht von Angesicht zu Angesicht hatten und nicht an Kursen und Diskussionen teilnehmen konnten. Plan International wollte sicherstellen, dass sie trotzdem weiter in ihrerm Selbstbewusstsein und ihren Rechten gestärkt werden, um sie in die Lage zu versetzen, durchsetzungsstark auf Diskriminierung und Gewalt zu reagieren.

Gemeinsam mit anderen lateinamerikanischen Ländern hat Ecuador zwei Herausforderungen beim Kampf für die Rechte von Mädchen und jungen Frauen: die Beseitigung von geschlechtsspezifischer Gewalt und die Teilhabe von Frauen an Entscheidungspositionen.

Die angehende Gynäkologin und begeisterte Tänzerin Angie ist seit drei Jahren aktiv bei Plan International Projekten involviert. Sie hofft, dass der Kampf für Gleichberechtigung während dieser Gesundheitskrise nicht nachlässt, und dass Mädchen stark bleiben können. „Die Art, wie wir unsere Botschaft formulieren und präsentieren ist sehr wichtig. Im Workshop habe ich gelernt, wie man Benachteiligungen erkennt und sich so ausdrückt, dass man Menschen damit erreicht.“

Wir konnten während dieser Krise sehen, wie Herausforderungen in Chancen umgewandelt werden können, unter anderem durch die Möglichkeiten von Technologien für die Weiterbildung. Sie hilft, Mädchen und Frauen zu Akteurinnen des Wandels in ihren Gemeinden zu machen. „Meine Aufgabe besteht darin, meine Freundinnen über ihre Rechte aufzuklären, und ihnen zu helfen und sie zu stärken, wenn diese Rechte durch Gewalt verletzt werden“, fasst Angie es zusammen.


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