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Weibliche Beschneidung weltweit stoppen
Plan International setzt sich sowohl in den Herkunftsländern als auch in Deutschland für die Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung ein. © Plan

Gemeinsam gegen weibliche Genitalverstümmelung

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten. Die meisten von ihnen leben in Afrika und im Mittleren Osten sowie in Indonesien. Obwohl Beschneidung in einigen Ländern bereits verboten ist, wird sie trotzdem noch durchgeführt. Das Verfahren stellt eine gravierende Menschenrechtsverletzung mit schlimmen Folgen dar.

Erklärung zum Begriff

Wir von Plan International  Deutschland verwenden sowohl den Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ als auch „weibliche Genitalbeschneidung“. Im Rahmen der Programmarbeit und in der Kommunikation mit den betroffenen beschnittenen Frauen verwenden wir den Begriff der "Beschneidung". Für uns stellt diese Praxis jedoch eine gravierende Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen dar, die konsequent bekämpft werden muss. Um das Schweigen über dieses gewaltsame Ritual zu brechen und auf politischer Ebene Unterstützung für die Beendigung dieser Praktik zu finden, sprechen wir in diesem Zusammenhang bewusst von „Verstümmelung“.

Was ist weibliche Genitalverstümmleung?

Die weibliche Genitalverstümmelung (englisch: Female Genital Mutilation/ FGM) umfasst alle Verfahren, bei denen die weiblichen äußeren Genitalien entfernt oder verletzt werden. Meist sind junge Mädchen von der Verstümmelung betroffen. Das Alter der Mädchen variiert stark. Die meisten sind zwischen sechs und 13 Jahren alt, aber auch Säuglinge und erwachsene Frauen werden beschnitten.

FGM ist hauptsächlich in Afrika verbreitet. In Somalia und Guinea sind mehr als 95 Prozent der 15- bis 29-jährigen Mädchen und Frauen beschnitten. Auch in Sierra Leone, Mali, Ägypten, Sudan und Eritrea sind mehr als 80 Prozent der Frauen beschnitten.

In geringem Umfang kommt die Genitalverstümmelung auch in Asien vor. Aufgrund von Migration leben Betroffene und Gefährdete mittlerweile auch in der Europäischen Union, den USA, Kanada und anderen Einwanderungsländern.

Gründe für weibliche Beschneidung

Es gibt zahlreiche Gründe, mit denen weibliche Genitalverstümmelung gerechtfertig wird.

Für viele praktizierenden Gemeinden ist es eine Tradition, die tief in der Gesellschaft verankert ist. Häufig wird sie schon über 5.000 Jahre praktiziert, doch der genaue Ursprung der Beschneidung ist unklar. Für viele hat die Beschneidung eine kulturelle Bedeutung, da sie unter anderem als ein Symbol für den Eintritt der Mädchen in das Erwachsenenalter symbolisiert. Daher ist sie eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Anerkennung als erwachsene Frau.

Vielfach gilt nur eine beschnittene Frau als heiratsfähig, da sie als "rein" angesehen wird. Ein korrektes moralisches Verhalten und die Treue zum Mann sollen mit der Beschneidung gewährleistet werden. Daher wird die Beschneidung auch als ein Symbol der Weiblichkeit und ethnischen Zugehörigkeit gesehen. Für die Eltern stellt die Beschneidung auch eine Form der Absicherung ihres Kindes dar.

Es gibt noch weitere Gründe, mit denen Mütter und Beschneiderinnen eine Beschneidung der Mädchen in der Gesellschaft erklären. In Ägypten zum Beispiel ist die Entfernung des äußeren Genitals ein Zeichen für Schönheit. Die Klitoris dagegen gilt beispielsweise in MaliBurkina Faso und Westafrika als ein Symbol für Männlichkeit und wird deswegen entfernt.

Folgen von weiblicher Genitalverstümmelung

Auch wenn sich Verbreitung, Ausmaß und sozio-kulturelle Bedeutung der Praktik erheblich unterscheiden: Alle Formen von FGM sind irreversibel und für Kinder langfristig mit seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen verbunden. Die weibliche Genitalverstümmelung wird in der Regel ohne Narkose durchgeführt, sodass die Betroffenen während der Praktik alle Schmerzen spüren.

Einige Mädchen und Frauen verbluten während der Beschneidung oder sterben später an den gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel Tetanus. Aber auch erhöhte Gefahr einer HIV-Infektion, vermindertes sexuelles Empfinden, psychische Störungen, vernarbtes Gewebe, Unfruchtbarkeit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und einer späteren Geburt sind unmittelbare Folgen der Genitalverstümmelung.

Für Eltern ist der soziale Druck, ihre Töchter beschneiden zu lassen, oft immens groß. Nicht beschnittene Mädchen werden in den Gemeinden stark stigmatisiert. Sie gelten als unrein, werden häufig nicht geheiratet und manchmal sogar von der Gemeinschaft verstoßen. 

Die Mütter wissen zwar durch eigene leidvolle Erfahrung, welchen Qualen ihre Töchter ausgesetzt sein werden. Doch nehmen sie diese in Kauf, um ihre Töchter vor einer Stigmatisierung zu schützen. Viele Frauen sehen die Genitalverstümmelung auch als Initiationsritus, um die Mädchen auf das Leiden im Leben einer Frau vorzubereiten.

Die weibliche Genitalverstümmelung wird in der Regel von Frauen durchgeführt. In einigen Ländern wie Benin oder Ägypten gibt es jedoch auch männliche Beschneider. Die Beschneiderinnen sind zumeist ältere Frauen oder Hebammen. Sie geben seit Generationen ihr Wissen mündlich weiter. Dazu gehören auch Kenntnisse über heilende Kräuter oder überlieferte Geschichten und Mythen. Beschneiderinnen genießen meist ein hohes soziales Ansehen in ihrem Umfeld.
Als Beschneidungsinstrumente werden verschiedenste Utensilien wie Scheren, Skalpelle, Glasscherben, Rasierklingen, spezielle Messer oder Deckel von Konservendosen verwendet. Da die hygienischen Bedingungen, die Lichtverhältnisse und vor allem das medizinische Wissen der Beschneiderinnen vielfach schlecht sind, werden mittlerweile mehr als 18 Prozent aller Beschneidungen von Gesundheitspersonal durchgeführt.



Ja, ich möchte weibliche Genitalbeschneidung stoppen!



Wie ist die Rechtslage?

Internationale Abkommen

FGM verletzt das Recht von Mädchen und Frauen auf körperliche Unversehrtheit, auf sexuelle Selbstbestimmung, auf Schutz vor Gewalt und Diskriminierung. Damit verstößt sie gegen verschiedene internationale Abkommen, die von den meisten Staaten unterschrieben wurden.

Im Rahmen der „Afrikanischen Charta der Rechte der Menschen und Völker“ haben sich 37 von 54 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union zur Abschaffung von weiblicher Beschneidung bekannt.

Situation in Deutschland

Genaue Zahlen, wie viele von Genitalverstümmelung betroffene Mädchen und Frauen in Deutschland leben, liegen nicht vor. Terre des Femmes führt eine Dunkelzifferstatistik zu FGM in Deutschland. Demnach sind über 35.000 Mädchen und Frauen betroffen und weitere 6.000 gefährdet. Für Hamburg konnte eine von uns beauftragte Studie zeigen, dass mindestens 30 Prozent der Migrantinnen aus praktizierenden Ländern von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass Mädchen in Hamburg beschnitten werden. Für einige von ihnen besteht jedoch die Gefahr, während eines Aufenthalts im Heimatland der Eltern dem Ritual ausgesetzt zu werden.

Typen weiblicher Genitalverstümmelung

  • Typ I: Bei den Mädchen wird in diesem Fall die Klitoris teilweise oder komplett abgetrennt. 
  • Typ II: In diesem Fall wird die Klitoris teilweise oder komplett entfernt und die inneren Schamlippen abgeschnitten, sowie in einigen Fällen auch die äußeren Schamlippen.
  • Typ III: Bei den Frauen wird die Vagina zugenäht, sodass nur eine kleine Öffnung bleibt. Um die Vagina zuzunähen, werden häufig Teile der äußeren Geschlechtsorgane abgetrennt und als Haut-Verschluss genutzt. Hierbei wird auch oft die Klitoris entfernt.
  • Typ IV: Hierunter werden alle anderen Eingriffe gesehen, die die weiblichen Genitalien verletzen und keinem medizinischen Zweck dienen, zum Beispiel: Einstechen, Durchbohren, Einschneiden, Ausschaben, Ausbrennen oder Verätzen, Dehnen

Was tut Plan International gegen Genitalverstümmelung?

Plan International Deutschland hat bereits einige Projekte gegen weibliche Genitalverstümmelung in Ägypten, Äthiopien, Burkina Faso, Guinea, Guinea-Bissau, Mali und Sierra Leone finanziert. All diese Projekte führen wir als Kinderhilfsorganisation in Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden und Behörden durch, da sie die regionalen Besonderheiten kennen und Methoden daran anpassen können. Unterstützt werden wir hierbei auch von der Europäischen Union.

Um nachhaltige Erfolge zu sichern, integrieren wir das Thema Beschneidung in umfassende Programme zu Gesundheit, Bildung, Familienplanung und Stärkung der Frauen. Auch gefährdete Mädchen und Frauen werden über die schweren Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung aufgeklärt.

Wir sind davon überzeugt, dass wir der Tradition der Beschneidung eine wichtige Grundlage nehmen können, wenn Frauen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen, ihr eigenes Einkommen verdienen und somit finanziell unabhängig sind.

Wir setzen in unserer Arbeit auf Aufklärung, Diskussionen und Weiterbildungen der Gemeinden über Menschen-, Frauen- und Kinderrechte. In Schulungen erfahren Lehrkräfte, Hebammen, Gesundheitspersonal und Angehörige der Justiz, wie sie sich in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen für die Abschaffung der Genitalverstümmelung einsetzen können. So entwickeln sie Aktionspläne, wie beispielsweise Lehrkräfte das Thema kindgerecht in den Unterricht integrieren oder Schwangere und Mütter im Rahmen ihrer Gesundheitsvorsorge aufgeklärt werden können. Weiterhin machen wir auf vorhandene Gesetze aufmerksam und setzen uns dafür ein, dass diese in der Praxis auch umgesetzt werden.

Außerdem sprechen wir mit den Beschneiderinnen über die Konsequenzen der Beschneidung und zeigen ihnen alternative Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten. Mit unseren Projekten möchten wir erreichen, dass sich ehemalige Beschneiderinnen gegen das grausame Ritual einsetzen und ein Leben ohne die Tradition von FGM führen und an zukünftige Generationen und Frauen weitergeben können.

Von 2011 bis 2016 setzten wir deshalb das von der EU kofinanzierte Projekt "CHANGE" in Hamburg um. Hier wurden Schlüsselpersonen aus betroffenen afrikanischen Communities zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. Diese klärten anschließend die Mitglieder ihrer Communities über die rechtlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und gesundheitlichen Dimensionen von FGM auf und setzten sich dafür ein, dass diejenigen, die FGM befürworten, ihre Einstellungen und ihr Verhalten ändern. Sie überzeugten Entscheidungsträgerinnen und -träger, wie religiöse Autoritäten, dass es sich lohnt, die Rechte der Mädchen und Frauen zu stärken. Über Netzwerkarbeit und den politischen Dialog verbesserten sie das thematische Verständnis und die Rahmenbedingungen, die Mädchen und Frauen nachhaltig vor weiblicher Genitalverstümmelung schützen.

Seit Januar 2016 läuft die zweite Phase des Projekts unter dem Namen „CHANGE Plus“. Bis 2018 soll das Multiplikatoren-System weiter gefestigt und in seiner Nachhaltigkeit gestärkt werden. Auf lokaler und nationaler Ebene wird verstärkt mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger gearbeitet. Zudem werden sich die CHANGE-Agents mit Teilnehmenden aus Projekten in Mali und Burkina Faso austauschen.

Wir von Plan International Deutschland engagieren uns zudem beim "Hamburger Runden Tisch gegen weibliche Genitalverstümmelung" und im bundesweiten Netzwerk gegen Genitalverstümmelung INTEGRA, dem über 30 Nichtregierungsorganisationen angehören.

Mit einer Patenschaft helfen

Mit der Übernahme einer Patenschaft unterstützen Sie Plans Arbeit zur Umsetzung der Kinderrechte und für die Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Mädchen und Jungen weltweit. Hierzu gehört auch der Schutz vor Gewalt und vor Kinderrechtsverletzungen wie die Genitalverstümmelung. Trotzdem kann Plan nicht garantieren, dass jedes Patenkind in vollem Umfang seine Rechte wahrnehmen kann. Da weiterhin die Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind, können sie trotz Plans Aufklärung entsprechende Entscheidungen – wie eine Beschneidung – treffen.

Um die Würde und die Privatsphäre der Mädchen und Frauen zu wahren, werden Fragen zu einem möglichen Eingriff beim Patenkind nicht an die Familien weitergeleitet, und können daher auch nicht beantwortet werden.



Ja, ich möchte Kinder schützen!



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