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Ein Schwarzes Mädchen hält einen kleinen Globus in der Hand und schaut darauf
08.10.2026

Erster Weltmädchenindex: Gesundheit von Mädchen verbessert sich in 178 Ländern

Hamburg, 08.10.2026 – 

Mädchen leben heute gesünder als zu Beginn des Jahrtausends. In 178 von 192 untersuchten Ländern hat sich die Mädchengesundheit zwischen 2000 und 2023 verbessert. Das ist ein zentrales Ergebnis des ersten Weltmädchenindex, entwickelt von Plan International Deutschland und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum. Erstmals macht ein globaler Index die gesundheitliche Situation von rund einer Milliarde Mädchen (gut 971 Millionen) im Alter zwischen fünf und 19 Jahren über Länder und Jahrzehnte hinweg vergleichbar.

Die Sterblichkeit von Mädchen hat sich im gleichen Zeitraum weltweit mehr als halbiert. So starb im Jahr 2000 weltweit im Durchschnitt fast jedes 800. Mädchen. Im Jahr 2023 war es durchschnittlich noch jedes 1.700. Mädchen. Ebenfalls positiv: Weltweit ist die Wahrscheinlichkeit für Mädchen, ein Kind zu bekommen, in den vergangenen gut 20 Jahren um ein Drittel gesunken. Während im Jahr 2000 noch durchschnittlich jedes 31. Mädchen weltweit ein Kind bekam, war es im Jahr 2023 durchschnittlich noch jedes 48. Mädchen.

Dennoch erreicht der Fortschritt längst nicht alle. Aus dem Weltmädchenindex, der sich in seiner ersten Ausgabe ausschließlich mit Mädchengesundheit beschäftigt, geht hervor, dass rund 290 Millionen Mädchen – fast jedes dritte weltweit – in Ländern mit niedriger oder sehr niedriger Mädchengesundheit leben. Besonders alarmierend: Jede Stunde sterben durchschnittlich fast fünf Mädchen infolge von Schwangerschaft oder Geburt. Zudem wächst die gesundheitliche Ungleichheit zwischen Ländern seit der Coronapandemie wieder. So war 2020 und 2021 der Abstand zwischen den höchsten und niedrigsten Mädchengesundheitswerten im betrachteten Zeitraum am kleinsten. Bereits 2022 nahm er wieder deutlich zu.

Besonders stark hat sich die Mädchengesundheit im regionalen Durchschnitt in Sub-Sahara Afrika und Südasien verbessert. Die Ergebnisse zeigen: Internationale Zusammenarbeit wirkt. Dennoch leben weniger als zehn Prozent der Mädchen in den 51 Ländern mit sehr hoher Mädchengesundheit. Rund 30 Prozent wachsen dagegen in den 66 Ländern mit niedrigen oder sehr niedrigen Gesundheitswerten auf. 

Petra Berner, Vorstandsvorsitzende von Plan International Deutschland, sagt: „Die Ergebnisse des Weltmädchenindex zeigen, dass Investitionen wirken, dass politischer Wille etwas bewegt und dass Fortschritt möglich ist. Jetzt kommt es darauf an, die erreichten Fortschritte zu sichern und diejenigen Mädchen zu erreichen, die bislang nicht ausreichend von ihnen profitieren. Ihre Chancen auf ein gesundes und selbstbestimmtes Leben dürfen nicht davon abhängen, wo sie geboren wurden.“ Der Zugang zu qualifizierter Gesundheitsversorgung, Aufklärung und selbstbestimmter Familienplanung bleibe damit eine Frage von Leben und Tod.

Prof. Dr. Pierre Thielbörger, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum sagt: „Der diesjährige Schwerpunkt Gesundheit zeigt besonders deutlich, welches Potenzial in dem Weltmädchenindex liegen kann. Fortschritte werden ebenso klar sichtbar wie besorgniserregende Defizite. Für Wissenschaft und Gesellschaft eröffnet dies die Möglichkeit, genauer danach zu fragen, wo und warum die Lebenswirklichkeit hinter menschenrechtlichen Gewährleistungen und staatlichen Verpflichtungen zurückbleibt – gerade auch für Mädchen.“

Der Weltmädchenindex zur Mädchengesundheit bündelt fünf Indikatoren: die Sterblichkeit von Mädchen, adoleszente Fertilität, Müttersterblichkeit, Anämie sowie sexuell übertragbare Infektionen. Die Ergebnisse legen zugleich gravierende Wissenslücken offen. Daten sind häufig nicht nach Alter, Geschlecht, Behinderung, Herkunft oder sozialer Lage aufgeschlüsselt. Dadurch bleiben besonders benachteiligte Mädchen in politischen Entscheidungen unsichtbar.

Plan International fordert daher:

  • Mädchengesundheit politisch zu priorisieren
  • einen besseren Zugang für Mädchen zu Gesundheitsversorgung und Aufklärung 
  • Investitionen in Mädchengesundheit
  • Klimakrise, Konflikte und Vertreibung in Gesundheitsstrategien einzubeziehen
  • aktuelle und differenzierte Daten über Mädchen zu erheben

Mädchenrechte seien kein Nischenthema, so Petra Berner weiter. „Wie es Mädchen geht, zeigt, wie stabil und zukunftsfähig eine Gesellschaft ist. Jedes Mädchen, das nicht gesund aufwachsen kann, ist eine Ärztin, die fehlt, eine Ingenieurin, die nichts baut, eine Bürgermeisterin, die nie gewählt wird. Umgekehrt gilt: Wer in Mädchen investiert, investiert in die Zukunft ganzer Länder.“

Der jetzt veröffentlichte Prototyp ist der Auftakt des Weltmädchenindex und konzentriert sich auf Gesundheit. Der vollständige Index ist für 2028 geplant und soll zusätzlich die Bereiche Bildung, Schutz sowie Chancen und Teilhabe abdecken.

Der Report Weltmädchenindex - Mädchengesundheit weltweit steht zum Download zur Verfügung: www.plan.de/weltmaedchenindex-2026


Interviews sowie weitere Informationen:
Plan International Deutschland e.V., Kommunikation, Bramfelder Str. 70, 22305 Hamburg

  • Sascha Balasko, Referent Media Relations, Tel. 0171 – 473 91 67, E-Mail: presse@plan.de