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Die 32jährige Lehrerin Gladys versucht die traditionellen Einstellungen in ihrem Dorf zu ändern. © Plan
25.07.2016 - von Janina Schümann

Respekt

Ein Beitrag von Jane Labous

Es war mitten an einem sambischen Nachmittag, unter einem Mangobaum vor der trüben Sonne geschützt, als ich Gladys Phiri kennenlernte:


32 Jahre alt, Geschichtslehrerin, alleinerziehende Mutter. Sie ist eine fröhliche und offene Feministin hier in einem Land, in dem wie auch an anderen Orten in Afrika, die Regeln von Männern für Männer gemacht werden.

Geschieden (unüblich in Sambia) und alleinstehend (was ihre verzweifelte Mutter sehr verwirrt), unterstützt sie ihren Sohn erfolgreich mit ihrer Vollzeit-Lehrstelle und ist entschlossen, ihre Schülerinnen zu inspirieren, sich auf die Schule und nicht auf Jungs zu konzentrieren. Aber ihre Mission – in den Dörfer tief verwurzelte Einstellungen zu verändern, die vorgeben, dass Mädchen so schnell wie möglich einen Ehemann finden sollen - ist keine einfache.

„Du kannst Arzt oder Anwalt werden und so viele Universitäts-Abschlüsse haben, wie du willst, aber wenn du nicht verheiratet bist, bist du hier nichts“, sagt Gladys und schüttelt den Kopf, betrübt über die Absurdität des Ganzen. „Wenn du nicht verheiratet bist, bist du als Frau immer noch ein Niemand in Sambia.“

Für sambische Mädchen, sowie für viele Mädchen im Westen, ist die Heirat alles. „Sogar meine Mutter ist nicht stolz auf mich, weil ich nicht verheiratet bin“, sagt Gladys. „Ein Zuhause ist hier erst ein Zuhause, und nicht nur ein Haus, wenn du einen Mann und Kinder darin hast. Auch Männer, die nicht verheiratet sind, werden gebrandmarkt.“

Wie Gladys ausführt, werden Mädchen in ländlichen Gegenden, die ihre Zeit nicht mit aufgeklärten Freunden verbringen, als sonderbar angesehen, wenn sie lieber zur Schule gehen wollen als zu heiraten. Es ist letztendlich kein großer Unterschied zwischen Mädchen in entwickelten Ländern, die eine weiße Hochzeit wollen und einen schönen Prinzen, der ihnen einen Ring an den Finger steckt. Es ist nichts Verwerfliches an so einer Sehnsucht – aber die meisten der Mädchen in den entwickelten Ländern gehen sicher, dass sie zuerst eine Ausbildung erhalten.

Plan International veranstaltet deswegen Workshops, in denen Mädchen ihre Rechte lernen. Es ist ein Teil des globalen Young Health Programmes, das in 12 Ländern jungen Menschen dabei hilft, ihre Chancen auf ein besseres Leben zu erhöhen.

In Workshops und Theatergruppen lernen die Mädchen alles über sexuelle und reproduktive Gesundheit. Zudem beinhalten die Workshops Bildungsarbeit mit den Gemeinden. Es geht darum, schädliche Initiationsriten zu streichen und die Familien zu ermutigen, mit der Zeremonie zu warten, bis die Mädchen älter sind.

An Gladys Schule treffe ich vier Teenager-Mütter. Alle wurden schwanger, ohne die Konsequenzen ihrer Handlungen zu begreifen. Jetzt gehen alle vier wieder zur Schule, ihre Freunde und Familien unterstützen größtenteils ihr Bestreben nach Bildung.

„Es gibt viele Sticheleien“, gibt eine von ihnen, die 19-Jährige Elizabeth mit einer drei Jahre alten Tochter, zu. „Viele Leute lachen über mich, weil ich ein Kind habe und immer noch zur Schule gehe. Aber es ist mir egal – ich mache einfach weiter!“ Gladys sagt: „Wir arbeitenden Frauen reden mit den Mädchen über die Wichtigkeit der Schule und ich versuche meine eigenen Erfahrungen als Beispiel zu präsentieren. Ich bin eine alleinerziehende Mutter und ich arbeite, um mich zu unterstützen. Ich sage ihnen, dass es besser ist, eine Ausbildung zu haben, sodass man sich in der Zukunft, falls man eine alleinerziehende Mutter wird, um die eigene Zukunft und die seiner Familie, Kinder und Eltern kümmern kann. Stell dir vor, ich wäre nicht verheiratet und hätte keine Ausbildung. Ich hätte ein gefährliches Leben, nur um meine Kinder zu ernähren. Aber schau mich an! Ich bin so glücklich, so wie ich bin.“

Wie Aretha sagen würde: Respekt…


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