201504-NPL-537_Sanju_5_Schnitt
In the province of Rauthahat, is a group of the Mali caste, one of the lowest in the system. Sanju, father of four girls, says three of them are already married. One of them is Asa, 5, who clings onto her fatherâs hand. She was given in marriage when she was two years old. Sanju says, "They do not realise it. How could they? They were much too small. It has always been this way, we were doing it at the time of my grandfather. We are only a very small group, and it is not easy to find a suitable man for my daughters. God granted me girls. It's my destiny, but I love them a lot."
08.03.2016 - von Janina Schümann

Frühverheiratung in Nepal

„Ich verspreche, dass ich es bei meiner jüngsten Tochter anders mache!“

 

Kinderheirat ist in Nepal keine Seltenheit. Über 42 Prozent aller Nepalesen sind verheiratet, bevor sie das legale Alter von 18 Jahren erreicht haben.


Die flämische Fotojournalistin Lieve Blancuart reiste mit Plan International nach Nepal, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Wie sehr die Menschen vor Ort mit ihren Jahrhundert alten Traditionen verhaftet sind, erlebt Blancuar, als sie auf Familienvater Sanju tritt: Drei seiner vier minderjährigen Töchter sind bereits verheiratet. Ihr Bericht:

In der Provinz Rauthathata treffe ich auf eine Gruppe der Mali Kaste, eine der niedrigsten in der nepalesischen Gesellschaft. Sanju, Vater von vier Mädchen, erzählt mir, dass drei seiner Töchter schon einem Ehemann versprochen sind. Er stellt mir Puja vor, ein hübsches Mädchen im Alter von 14 Jahren, das bereits mit eineinhalb Jahren verheiratet wurde. Asa, fünf Jahre, die sich an die Hand ihres Vaters klammert, wurde versprochen, als sie zwei Jahre alt war. Und schließlich Ruby, erst vier Jahre alt, die ebenfalls mit zwei Jahren verheiratet wurde.

„Sie wissen nicht, was sie erwartet! Wie sollten sie? Sie sind viel zu jung. Schon mein Großvater hat es so gehandhabt. Wir sind nur eine kleine Gruppe und es ist nicht einfach, einen geeigneten Mann für meine Töchter zu finden. Gott bescherte mir Töchter. Das ist mein Schicksal, aber ich liebe sie trotzdem sehr.“

Ich schaue in Sanjus Augen und spürte, dass da nichts Böswilliges in ihnen ist. Liebevoll nimmt er seine kleine Tochter auf den Schoß und lacht freundlich. „Meine Schwiegersöhne kommen aus anderen Städten und ich habe sie besonders sorgfältig ausgesucht, um für meine Töchter ein gutes Zuhause zu finden. Das ist sehr wichtig. Ich habe mit den Vätern der Jungen gesprochen, um einen Termin und die Mitgift zu vereinbaren. Natürlich werden unsere Töchter weinen, wenn sie uns verlassen. Auch wir werden weinen. Die Mädchen werden bei uns bleiben, bis sie vierzehn sind, aber sie wissen vom ersten Tag ihres Lebens an, dass sie uns verlassen müssen.“

Zuhause in Rauthathata : Puja und ihre jüngste Schwester, die Einzige, die noch nicht verheiratet ist.

Devi, seine Frau, sitzt während unserer Unterhaltung etwas weiter weg unter einem großen Baum und amüsiert sich über meine Verwunderung. Dann erzählt mir Sanju ihre eigene Geschichte: „Ich wurde verheiratet, als ich zwei Jahre alt war, aber ich verliebte mich in diese Frau, als ich vierzehn war.“ Mit einer Kopfbewegung deutet er auf Debi. „Schließlich entschied ich mich, dem Mädchen, mit dem ich verheiratet war, ein Bußgeld zu bezahlen. So war ich frei und in der Lage, Debi als Frau zu wählen. Wenn es notwendig ist, werden meine Kinder das Gleiche tun, aber es wird sehr teuer.“

Wir setzten unsere Unterhaltung fort, trotz unserer Differenzen in Kultur und Sprache. Niemand kann hier lesen oder schreiben. Kein Kind geht zur Schule. „Was nutzt uns Bildung oder Wissen?“ überlegt Sanju. „Die Mädchen kümmern sich um Vieh und um das Essen.“

Die Plan-Mitarbeiter, die uns begleiten, erklären Sanju, dass es verboten ist, seine Kinder nicht zu Schule zu schicken. Er denkt nach, dann antwortet er: „ Was passiert ist, ist passiert. Ich kann es nicht rückgängig machen. Aber ich will nicht ins Gefängnis gehen. Ich verspreche, dass ich es bei meiner jüngsten Tochter anders machen werde.“


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