Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht. Auf dem Weg sind ihre seelische und körperliche Gesundheit in Gefahr, denn sie sind am verletzbarsten. ©Olmo Calvo
Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht. Auf dem Weg sind ihre seelische und körperliche Gesundheit in Gefahr, denn sie sind am verletzbarsten. ©Olmo Calvo
13.03.2020 - von Antje Schröder

Altersbegrenzung verstößt gegen Kinderrechtskonvention

Statement der Kinderrechtsorganisation Plan International zur europäischen Entscheidung über Aufnahme geflüchteter Kinder

Plan International Deutschland fordert die Bundesregierung auf, auch geflüchtete Kinder über 14 Jahre aus den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Plan-Geschäftsführerin Maike Röttger: „Laut UN-Kinderrechtskonvention gelten Mädchen und Jungen bis zum 18. vollendeten Lebensjahr als Kinder. Aus diesem Grund fordern wir eine Erweiterung des Vorhabens für alle Kinder und drängen auf eine zügige Umsetzung. Außerdem müssen bei der Unterbringung dieser Mädchen und Jungen die Mindeststandards zum Schutz geflüchteter Menschen in Flüchtlingsunterkünften eingehalten werden.“

Generell begrüßt Plan International Deutschland die Entscheidung, dass bis zu 1.600 besonders schutzbedürftige Kinder aus Griechenland aufgenommen werden. Dabei handelt es sich meist um Mädchen. 

Allerdings reicht es längst nicht aus, dass die „Koalition der Willigen“ (Deutschland, Frankreich, Irland, Finnland, Portugal, Luxemburg und Kroatien) insgesamt nur 1.600 Kinder aufnehmen wollen. Laut aktuellen Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums leben mehr als 42.500 Migranten auf den Inseln Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios; rund 5.500 von ihnen sind nach Aussage der EU-Kommission unbegleitete Minderjährige. Neun von zehn seien 14 Jahre alt oder älter, hieß es unter Berufung auf griechische Behörden. 

Wir fordern daher alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf, der „Koalition der Willigen“ beizutreten und sofort alle 5.500 minderjährigen unbegleiteten Geflüchteten aufzunehmen. Außerdem muss die Europäische Union gemeinsam mit Griechenland das Recht auf Asyl umgehend wieder gewähren und faire Asylverfahren ermöglichen. Gewalttätige Übergriffe von griechischen Grenzschützerinnen und Grenzschützer auf Asylsuchende müssen sofort eingestellt werden.

Plan-Geschäftsführerin Maike Röttger: „Darüber hinaus fordern wir, dass schutzsuchende Kinder, die mit ihren Familien geflohen sind, auch gemeinsam mit diesen aufgenommen werden. Auch das ist in der Kinderrechtskonvention, die Deutschland ratifiziert hat, festgelegt. Jedes Kind hat ein Recht darauf, mit seiner Familie vereint zu sein.

Wie wichtig es ist, dass gerade geflüchtete Mädchen nicht von ihren Familien getrennt werden, erleben wir in unserer täglichen Arbeit. Seit 2016 engagiert sich Plan International Deutschland mit Schutzprogrammen für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland. So haben wir in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend und weiteren Organisationen erarbeitet. Weltweit richtet Plan International in den Flüchtlingsunterkünften sichere Orte für Kinder ein, an denen sie Ruhe, Schutz und Ablenkung finden, um das Erlebte zu verarbeiten.“


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