Katharina Witkowski ist Leiterin der Nothilfe in Afrika bei Plan und fährt seit acht Jahren immer wieder in die großen Krisengebiete der Welt, um dort humanitäre Hilfe zu leisten und zu koordinieren. © Plan International/ Hartmut Schwarzbach
Katharina Witkowski ist Leiterin der Nothilfe in Afrika bei Plan und fährt seit acht Jahren immer wieder in die großen Krisengebiete der Welt, um dort humanitäre Hilfe zu leisten und zu koordinieren. © Plan International/ Hartmut Schwarzbach
19.08.2019 - von Claudia Ulferts

Humanitäre Helferinnen sind vielen Risiken ausgesetzt

Am 19. August ist Welttag der Humanitären Hilfe. In diesem Jahr liegt der Fokus auf weiblichen Helferinnen. Katharina Witkowski von Plan International ist schon in vielen Krisengebieten der Welt unterwegs gewesen und erklärt im Interview, mit welchen Herausforderungen es Frauen dort zu tun haben.

Heute ist Welttag der humanitären Hilfe! Da geht es ausnahmsweise nicht um die Menschen, die darauf angewiesen sind - durch Naturkatastrophen oder Kriege, Hungersnöte oder Gewalt - sondern um die Menschen, die Hilfe leisten. In diesem Jahr stehen speziell humanitäre Helferinnen im Fokus. Eine davon ist Katharina Witkowski, die schon seit acht Jahren immer wieder in die großen Krisengebiete der Welt fährt, um dort humanitäre Hilfe zu leisten und zu koordinieren - Katharina ist nämlich nicht nur Helferin, sondern sogar Leiterin der Nothilfe! 

Dass Frauen in vielen Ländern der Welt immer noch als Menschen zweiter Klasse angesehen werden, erschwert ihren Job oft zusätzlich. Insbesondere für die einheimischen Helferinnen vor Ort ist Katharina aber ein großes Vorbild. Sie fühlen sich von ihr besser verstanden und unterstützt, motiviert und inspiriert. Katharina zeigt ihnen, dass Frauen sehr wohl stark sein, mitreden und Führungspositionen übernehmen können.

Wie ist es, als Frau in Krisengebieten humanitäre Hilfe zu leisten? 

Wenn ich in ein Krisengebiet gehe, bin ich meist eine der wenigen Frauen unter den internationalen Mitarbeitenden. Das liegt auch daran, dass viele Frauen aufgrund der Sicherheitslage nicht gerne in solche Gebiete reisen möchten - gerade wenn sie Familie haben.  

Sind humanitäre Helferinnen anderen Risiken ausgesetzt, als ihre männlichen Kollegen?

Das glaube ich schon. Es kommt sehr oft zu sexuellen Übergriffen auf Frauen in Krisenregionen. Wir können uns deshalb in der Dunkelheit in der Regel nicht mehr auf der Straße bewegen, sind also wesentlich eingeschränkter vor Ort.  

Mit welchen anderen Schwierigkeiten kämpfen humanitäre Helferinnen? 

In vielen Ländern haben Frauen keinen hohen Stellenwert. Das gilt natürlich auch für mich als westliche Frau. Gerade in einer führenden Position ist es für mich oft sehr schwierig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die lieber einen Mann als Gesprächspartner hätten. Mir ist es schon passiert, dass einheimische Männer mich bei Gesprächen nicht mal anschauten und meinen männlichen Kollegen auf Fragen antworteten, die an mich gerichtet waren. 

Auch für meine Kolleginnen vor Ort ist es schwer: Sie fahren oft stundenlang auf ganz schlechten Wegen in Gemeinden rein, verbringen den ganzen Tag dort, kommen abends zurück und haben dann noch ihre Familien, um die sie sich kümmern müssen. Im Gegensatz zu mir, die ich mich völlig auf meine Rolle als Helferin vor Ort konzentrieren kann. Die Frauen, mit denen wir dort arbeiten, finde ich absolut beeindruckend. Sie leisten ganz tolle Arbeit. 

Gibt es auch positive Aspekte, die Frau in der humanitären Hilfe erlebt? 

Ich habe in Nigeria von unseren weiblichen Mitarbeiterinnen ganz viel positives Feedback bekommen. Sie fanden es unglaublich motivierend und inspirierend, eine Frau als Leiterin der Nothilfe vor Ort zu haben. In Nigeria hat eine Kollegin an meinem letzten Arbeitstag zu mir gesagt: „Katharina, in Deutschland bist du eine Frau, aber in Nigeria bist du ein Mann! Was du hier erreicht hast, das schaffen nicht einmal die Männer.“  Noch heute bekomme ich Nachrichten von meinen Mitarbeiterinnen aus Nigeria. Sie sagen, dass ich ihnen  beigebracht habe, stark zu sein und mitbestimmen zu dürfen. Ich finde es unglaublich schön, wenn ich als Frau andere Frauen inspirieren und motivieren kann. 


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