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08.12.2016 - von Marc Tornow

Der Self-Made-Social-Media-Manager von Kampala

Als Pressereferent unterstütze ich drei Wochen lang die Kommunikationsarbeit von Plan International im Regionalbüro in Nairobi – und berichte aus Ost-Afrika. Lest hier Teil 1,Teil 2,Teil 3 und Teil 4 meiner Reise.


Berührungsängste hat der gewitzte Herod keine und das ist in seinem beruflichen Umfeld schon mehr als die halbe Miete. Als Fotograf sorgt der junge Mann aus einem Slum der ugandischen Hauptstadt Kampala inzwischen selbst für seinen Lebensunterhalt, unterstützt seine zwei jüngeren Geschwister – und hat schon große Zukunftspläne.

Kololo heißt das staubige Armenviertel nördlich der Innenstadt Kampalas, welches Heimat für Familie Rubaramira ist – drei Kindern und ihre alleinerziehende Mutter. Wer hier aufwächst, hat selten die Chance auf eine gute Ausbildung. Viele Jungen aus Herods Nachbarschaft heuern bei den Tischlereien in der Umgebung oder den zahlreichen Autowerkstätten an. Unfallwagen werden dort ausgeschlachtet und für den Gebrauchtwagenmarkt wieder hergerichtet. Das hat den wissbegierigen 19-Jährigen nie interessiert. Durch Zufall wurde er auf das „Smart-up“ genannte Haus am Rande des Slums aufmerksam.

Für jeweils drei Monate können immer 55 Jugendliche gleichzeitig hier erste Gehversuche in ihrem Wunschberuf unternehmen. Es gibt Angebote für Kunsthandwerk, Klassen für kreatives Schreiben, Nähkurse, Gruppenarbeit zum Web-Texten oder für Fotografie. Herod blickt durch den Sucher seiner Kamera und hat blitzschnell eine Klassenkameradin fokussiert – klack. „Ganz einfach, wenn man es einmal begriffen hat“, strahlt der junge Mann.

Auf Hochzeiten, feierlichen Anlässen oder auch Veranstaltungen in den benachbarten Schulen drückt er für kleines Geld auf den Auslöser. Zu seinem Service gehört die anschließende Fotoauswahl und Aufbereitung der Motive für die Auftraggeber. Das reicht allemal, um für sich und seine Geschwister den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Herod kommt wie viele andere junge Leute trotzdem immer wieder in das „Smart-up“-Haus zurück, um neu hinzukommenden Jugendlichen sein Wissen weiterzugeben. Wer erfolgreich in Lohn und Brot steht, soll etwas von diesem Gelingen an die Gruppe zurückgeben – so das Konzept.

Bei der Gelegenheit verwirklichte sich Herod seinen eigentlichen beruflichen Traum. Am liebsten hätte er studiert, um dann Computer- und IT-Fachmann zu werden. Für einen Uni-Besuch reichten die finanziellen Mittel seiner Mutter nicht aus, aber neben der Fotografie ist er jetzt über den Umweg des „Smart-up“-Hauses trotzdem seinem Berufswunsch näher gekommen. Er hat inzwischen die professionelle Betreuung von Facebook-Konten übernommen und damit sein zweites berufliches Standbein eröffnet. Unter anderem bezahlt eine ugandische Keksfabrik dem smarten Self-Made-Social-Media-Manager ein Honorar für jeden Like, den er für sie erzielt. „Ich arbeite schon daran, Websites zu entwickeln und aufzubauen“, skizziert Herod die nächsten Schritte seiner beruflichen Selbstständigkeit.


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