Mädchen sind in Krisensituationen besonders gefährdet: Von Isolation und Diskriminierung über sexuelle Gewalt bis hin zur Zwangsverheiratung, durch die sie meist dauerhaft die Schule verlassen müssen. ©Plan International
Mädchen sind in Krisensituationen besonders gefährdet: Von Isolation und Diskriminierung über sexuelle Gewalt bis hin zur Zwangsverheiratung, durch die sie meist dauerhaft die Schule verlassen müssen. ©Plan International
09.04.2020 - von Claudia Ulferts & Anabela Brandao

Corona-Krise bedroht die Zukunft von Millionen Mädchen

Kinderrechtsorganisation Plan International warnt: Risiko für Kinderehen, frühe Schwangerschaften und sexuelle Gewalt wird steigen

Die Covid-19-Pandemie könnte die Zukunft von Millionen von Mädchen auf der Welt zerstören. „Die akuten Auswirkungen dieser Krise sind für alle Kinder fatal – doch vor allem für unzählige Mädchen und junge Frauen in Entwicklungsländern wird die schon greifbare Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zunichtegemacht“, warnt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. Sie sind durch die aktuellen Ausgangsbeschränkungen einem extrem hohen Risiko ausgesetzt, Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt zu werden. Zudem steigt die Gefahr, dass sie noch minderjährig und gegen ihren Willen verheiratet werden, wodurch auch die Zahl der frühen Schwangerschaften steigen wird. „Aus der Ebola-Krise von 2014 wissen wir, dass viele Familien ihre Töchter zu früh verheiratet haben, weil sie finanziell in Not gerieten“, so Maike Röttger. In Sierra Leone beispielsweise stieg die Zahl der Kinderehen in besonders von Ebola betroffenen Gemeinden um 65 Prozent.

Schon vor der Corona-Pandemie hatten viele Mädchen in ärmeren Ländern nur geringe Chancen auf eine Schulbildung. Durch die Schließung von Schulen wird dieses Problem jetzt noch verstärkt. Mädchen müssen im Haushalt arbeiten, die Betreuung ihrer Geschwister übernehmen oder zum Einkommen der Familie beitragen. Selbst wenn Schulen wieder öffnen, werden arme Familien kein Geld mehr haben, um ihre Töchter wieder in den Unterricht zu schicken. Von den weltweit rund 743 Millionen Mädchen, die seit Ausbruch der Pandemie nicht zur Schule gehen können, wird ein großer Teil aus Ländern mit niedrigem Einkommen nicht in den Unterricht zurückkehren – vor allem, wenn es um weiterführende Schulen geht.

Maike Röttger: „Das wäre ein unvorstellbarer Rückschritt für die Gleichberechtigung. Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie müssen deshalb auch auf die besonderen Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen ausgerichtet werden. Wir müssen ihre Gesundheit, Sicherheit und ihr Wohlergehen in den Fokus rücken. Es ist sehr wichtig, dass bereits laufende Förderprojekte weiterfinanziert werden. Zudem müssen wir sie jetzt an die Corona-Krise anpassen. Dazu gehört auch, dass Finanzierungsvereinbarungen mit öffentlichen Gebern flexibilisiert und vereinfacht werden.“

Plan International veröffentlicht seit Jahren Berichte zur Situation von Mädchen in Krisenregionen, zum Beispiel in der Tschadsee-Region, in Süd Sudan oder in Beirut. In den „Girls in Crisis“-Reports beklagten Mädchen durchweg, dass sie nicht mehr zur Schule gehen konnten, sondern Aufgaben im Haushalt übernehmen mussten, in dem auf engstem Raum oft das Risiko von Gewalt höher ist. Plan hat deshalb den Schutz von Mädchen in Krisenregionen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. So ist ein Teil der Nothilfemaßnahmen speziell auf die Bedürfnisse von Mädchen ausgerichtet, zum Beispiel psychosoziale Betreuung, die Schaffung sicherer Waschgelegenheiten und Aufklärungsarbeit zu Themen wie häusliche Gewalt oder sexuelle Gesundheit.

Zahlen zu den Auswirkungen von Covid-19 auf Mädchen und Frauen
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   Rund 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche gehen derzeit nicht zur Schule oder zur Universität - darunter fast 743 Millionen Mädchen. Für Mädchen aus Ländern mit niedrigem Einkommen ist die Gefahr, nach der Corona-Krise nicht in Schulen zurückzukehren, deutlich höher als für Jungen.
•    Über 111 Millionen Mädchen leben in Ländern mit besonders niedrigen Einkommen, in denen der Zugang zu Bildung bereits jetzt ein großes Problem ist.
•    Etwa 75 Millionen Kinder lebten schon vor der Corona-Krise in von Krisen und Kriegen betroffenen Gebieten. Das Risiko, dass sie keine Sekundarschule besuchen, ist mehr als doppelt so groß wie bei Jungen.


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