Die siebzehnjährige Dorothy klärt andere Mädchen über die Folgen der Frühverheiratung auf. © Plan
17.11.2016

Frühe Heirat in einem Wort? Probleme!

Als junge Schülerin beneidete Dorothy aus Malawi ihre älteren Freundinnen, weil diese bereits verheiratet waren. Ihre romantisch-naive Einstellung änderte sich jedoch schlagartig, als sie mit nur 15 Jahren verheiratet wurde.
„Wir waren arm und meine Schuluniform in einem schlechten Zustand. Ich schämte mich“, erinnert sich die heute Siebzehnjährige an ihre Schulzeit. Ihre Mutter ging davon aus, dass eine Heirat die finanzielle Situation der Familie entschärfen würde - auch wenn sie ihre Tochter nicht drängte.

„Ich dachte, die Ehe wäre eine schöne Sache - besser als zur Schule zu gehen. Meine Mutter war der Meinung, ein Schwiegersohn könnte unsere Familie finanziell unterstützen. Also einigten wir uns darauf, dass ich heiraten würde.“
Der Traum vom Leben als Ehefrau wurde schnell zum Albtraum: „Wir hatten tagelang nichts zu essen. Mein Ehemann hatte viele Freundinnen und Affären. Wenn er sich mit seinen Affären traf, sperrte er mich in unserem Haus ein.“

Zurück in ein selbstbestimmtes Leben

In dieser schweren Zeit stieß Dorothy auf eine Jugendgruppe, die von Plan International unterstützt wurde. Die Mitglieder klärten sie darüber auf, welche Rechte ihr zustanden. Daraufhin zögerte sie nicht lange und beschloss, sich von ihm zu trennen.
„Mein Mann reagierte arrogant. Er ließ mich gehen und erklärte, dass ich ihm nichts bedeuten würde. Er würde sich einfach eine neue Frau suchen.“ Nach der Trennung fühlte sich Dorothy erleichtert: „Ich fühlte mich endlich wieder frei und jung.“

Doch die Freiheit währte nur kurz: Zum Zeitpunkt der Trennung, erwartete sie bereits ihr erstes Kind. „Mein Mann wollte das Kind nicht. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte ich es abtreiben müssen.“ Dorothy kümmert sich nun alleine um ihre Tochter.

Schulbildung führt zur Unabhängigkeit

Jedes 9.Mädchen in Entwicklungsländern wird bis zum 15. Lebensjahr verheiratet. Die frühe Verheiratung von Minderjährigen ist eine gravierende Kinderrechtsverletzung mit schwerwiegenden Folgen:
„Die Herausforderung für Mädchen ist groß, der Schritt vom Leben als Schülerin zu dem einer Ehefrau ist gewaltig. Plötzlich wird von ihnen erwartet, dass sie sich um den Haushalt und den Ehemann kümmern, sie haben mit materieller Not zu kämpfen und werden schwanger.“

Um weitere Mädchen vor den Folgen der Kinderheirat zu warnen, engagiert sie sich Dorothy nun auch für das Aufklärungsprogramm ihrer Jugendgruppe. Mit sichtlichem Erfolg - sie konnte bereits drei weitere Mädchen dabei unterstützen, ihre unglücklichen Ehen zu beenden.
„Zu unseren größten Herausforderungen zählt es, die Eltern davon zu überzeugen, weil wir kaum sinnvolle Alternativen bieten können. Für viele ist die Frühverheiratung der einzige Weg aus der Armut;  auch, weil sie ihren Töchtern die Schulbildung nicht finanzieren können - aber wir können ihnen das Geld auch nicht geben.“

Bildung gilt als einer der wichtigsten Faktoren, um den Kreislauf der Armut beenden und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Deswegen setzt sich Plan International unter dem Dach der Because I am a Girl - Bewegung schon jahrelang dafür ein, Mädchen den Zugang zu Bildung zu erleichtern. Auch der Einsatz gegen zu frühe Verheiratung ist ein wichtiger Teil von Because I am a Girl: Plan arbeitet daran, dass alle Mädchen lernen, leiten, selbst entscheiden und ihr volles Potenzial entfalten können. Das heißt natürlich auch, dass Mädchen selbst bestimmen können sollen, wann und wen sie heiraten.

„Geht zur Schule - das möchte ich allen Mädchen mit auf den Weg geben. Das ist die beste Möglichkeit, die eigene Zukunft positiv zu beeinflussen“, bekräftigt Dorothy.
 Plan International Deutschland stärkt unter anderem Mädchen in Simbabwe und Tansania, damit diese selbst bestimmen können, wann sie heiraten. Der Name des Programms: „18 +“. zu deutsch etwa: „Ab 18“.


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