Natabo, 13, lernt in einem beruflichen Training in Kapoeta wie Kleidung geschneidert wird © Plan
Natabo, 13, lernt in einem beruflichen Training in Kapoeta wie Kleidung geschneidert wird © Plan
16.07.2015

Bildungsprojekt in Südsudan

Fünf Jahrzehnte Krieg und Umbruch in Südsudan haben unvermeidliche Auswirkungen auf die Bildung von der Bevölkerung: Drei Viertel der Erwachsenen in dem afrikanischen Land können nicht lesen und schreiben. In einigen ländlichen Gebieten liegt die Analphabetenrate sogar bei über 85 Prozent.

Ein Großteil der Schulen wurde während des Krieges schwer beschädigt, sodass der Unterricht vielerorts in provisorischen Gebäuden oder unter Bäumen stattfinden muss. Oft fehlt es an grundlegender Ausstattung, Schulmaterial, sauberem Trinkwasser und Latrinen. Die Alphabetisierungsrate des Südsudan ist dadurch eine der niedrigsten weltweit. Die Hälfte der Kinder im Schulalter geht nicht zur Schule und nur wenige schaffen es in die weiterführenden Klassen. Besonders gravierend sind die geschlechterbasierten Unterschiede: Nur 600 Mädchen besuchen die Abschlussklasse.

Um diese Bildungslücken zu schließen und Jugendliche auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, hat Plan International zusammen mit UNICEF 2012 das dreijährige Projekt Plan „Youth Leadership, Empowerment, Advocacy and Development“ gestartet. Die 13jährige Natabo ist eines der Mädchen, die an dem berufsbildenden Training teilnahmen. Nun hat sie die Maßnahme erfolgreich beendet und ein Zertifikat für ihre Schneiderausbildung erhalten. „Wir lebten in einem Dorf, in dem es keine Schule gab. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mich im Nachbardorf zur Schule zu schicken und so musste ich hauptsächlich die Hausarbeit erledigen. Durch meine Ausbildung kann ich nun meine Familie unterstützen. Und ich habe erkannt, wie wichtig Bildung ist. Mein Wunsch ist es, Kunst und Modedesign zu studieren“, erzählt Natabo.

Südsudan ist der jüngste Staat auf dem afrikanischen Kontinent. Im Januar 2011 entschied sich die große Mehrheit der Südsudanesen in einem Referendum für eine Abspaltung vom Norden und damit für die Gründung eines eigenen Staates. Am 9. Juli folgte die offizielle Unabhängigkeitserklärung. Der Sezession vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg mit dem Sudan, der erst 2005 durch einen Friedensvertrag beendet werden konnte. Die Bevölkerung in Südsudan ist sehr jung: 50 Prozent sind unter 18 und 30 Prozent unter zehn Jahre alt. Über die Hälfte der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze von weniger als einem US-Dollar pro Tag.


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