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„Wenn die Braut noch ein Kind ist…“ Interview mit der Afrika-Expertin Monika Bihlmaier

von Redaktion

 

Frühverheiratung ist vor allem ein Stolperstein in der Biografie vieler Mädchen im Süden und Osten des afrikanischen Kontinents. Aber sie hat auch Folgen für die jeweiligen Länder. Interview mit der Afrika- und Gender-Expertin Monika Bihlmaier.

Im östlichen und südlichen Afrika gibt es schätzungsweise 7 Millionen Kinderbräute. Was heißt das für Mädchen?

Kinder, die vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet werden, sind nur sehr begrenzt dazu in der Lage, ihr persönliches Potenzial zu entfalten. Ein Grund für eine Kinderheirat ist oft eine frühe Schwangerschaft, die dazu führt, dass vor allem Mädchen die Schule abbrechen und so- mit nur sehr geringe berufliche Perspektiven haben. Je nach Länderkontext kann zudem den Mädchen sogar die Rückkehr zur Schule verweigert werden, zum Beispiel in Tansania. Wenn wir über Kinderheirat sprechen, müssen wir also immer auch das Thema frühe Schwangerschaft miteinbeziehen.Eine frühe Schwangerschaft kann in vielen Fällen negative gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind haben. Die Mütter- und Kindersterblichkeit bei Frühgebärenden ist hoch; ja sogar weitaus höher als bei Frauen, die nach ihrem 18. Lebensjahr Kinder zur Welt bringen. Und nicht zu vergessen: Die Machtverhältnisse nach der Heirat in solchen „Ehen“ sind sehr häufig von großer Ungleichheit gezeichnet – was zu Gewalt und ungleichen Besitztümern in den Haushalten führen kann. Dies birgt ein hohes Risiko für die Betroffenen, später an physischen und psychischen Folgen zu leiden.

Frühverheiratung hat auch gravierende Folgen für die Entwicklung eines Landes. Warum ist das so?

Das eine bedingt oft das andere. Ohne die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung können früh- bzw. zwangsverheiratete Mädchen auch nur wenig zur Entwicklung ihrer Gemeinden oder sogar wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitragen. In vielen Fällen sind sie – ohne Ausbildung und formale Arbeit – in einem Armutskreislauf gefangen. Die Früh- und Zwangsverheiratung ist also nicht nur ein Stolperstein für die Persönlichkeitsentwicklung der Betroffenen, sondern auch für das gesamte sozio-ökonomische Vorankommen eines Landes.

Als Sie bei der UN in New York zuletzt am Treffen der Frauenrechtskommission teilgenommen haben, ging es auch da um Frühverheiratung. Wie wichtig sind solche internationalen Meetings?

Für Plan International sind diese politischen Treffen von großer Bedeutung: Sie ermöglichen uns, den Stimmen und Meinungen der betroffenen Mädchen Gehör zu verschaffen und ihnen einen Raum zu geben. Zusammenkünfte wie diese erlauben uns außerdem, unsere Arbeit über die nationale Ebene hinaus auf das höchste politische Parkett zu bringen – dahin, wo wichtige Entscheidungen, vor allem in Bezug auf die Gesetzgebung, getroffen werden. In vielen Fällen können wir dann durch Gespräche mit Politikerinnen und Politikern sowie mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Organisationen und Länder positiv Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen.

Die 62. Frauenrechtskommission in New York war ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wir unsere Projektarbeit in den Gemeinden mit der politischen Arbeit und Lobbyarbeit verknüpfen können, um auf allen Ebenen einen Beitrag zur Beendigung von Kinderheirat zu leisten.

Wie sorgt Plan International dafür, dass Mädchen bei solchen Events für sich selber sprechen können?

Dass Mädchen für sich selber sprechen, ist für uns ein sehr wichtiger Punkt in unserer Arbeit. Die Mädchen wissen selbst am besten, was zu tun ist und welche Lösungen ein guter Weg sein können, die Abschaffung der Kinder- und Zwangsheirat voranzutreiben. Da wir leider nicht unbegrenzt vielen Mädchen die Teilnahme an solchen Treffen ermöglichen können, unterstützen wir vor allem Jugendvertreterinnen und Jugendvertreter. Diese berichten nicht nur von ihren Erfahrungen, sondern schließen sich auch in Initiativen und Netzwerken mit anderen Mädchen zusammen – und können so für die gesamte Gruppe sprechen bzw. umgekehrt das Erlebte mit anderen Mädchen teilen.

Unsere Arbeit liegt dann vor allem darin, die Mädchen in der Vorbereitung zu unterstützen, ihre Selbstsicherheit zu stärken und ihnen eine Plattform zu bieten. Bei der UN-Frauenrechtskommission zum Beispiel konnten wir einer jungen Menschenrechtsaktivistin aus Simbabwe die Teilnahme an einem hochkarätig besetzten Panel ermöglichen. Zusammen mit hochrangigen Vertreterinnen der Regierungen aus Deutschland und Sambia, der Sonderbotschafterin zur Beendigung der Kinderheirat der Afrikanischen Union, einer Repräsentantin von UN Women und der Geschäftsführerin von Plan International Deutschland sprach die junge Frau aus Simbabwe zum Thema Beendigung der Kinderheirat im östlichen und südlichen Afrika.
An einem Podium wie diesem teilzunehmen stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein – diese Aktivistin ist zugleich ein Rollenvorbild für viele andere Mädchen!

Fotos: Plan International / Erik Thallhaug, Plan International

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