Foto © Plan International / Andreas Wemheuer

Wir leben nicht an einem Ort, an dem wir uns sicher fühlen

von Redaktion

 

100 Millionen Gründe. Zum Beispiel: Mayra aus Guatemala. 
Ein entlegenes Dorf, ein armes Mädchen in einer Welt, in der sich junge Frauen ständig belästigt fühlen. Mayra nimmt sich vor etwas zu tun – und erzielt einen unglaublichen Erfolg.

Eine kleine Hütte mit einem Wellblechdach an einem steilen Hang. Mutter, Bruder, Schwester. Die kleine Mayra gehört zu den Q’eqchi und wächst in Alta Verapaz auf, fünf mühselige Autostunden nördlich der Hauptstadt Guatemalas. Eine grüne Region mit Kaffee-Fincas und üppigem, von Abholzung bedrohtem Nebelwald. Was kann ein Maya-Mädchen aus einer solchen Region schon erreichen?  

"Als Mädchen werden wir auf der Straße oft von Männern belästigt und können uns nicht frei bewegen. Wir leben nicht an einem Ort, an dem wir uns sicher fühlen."

#Mayra

Als 12-jährige folgt sie der Einladung zu einem Kinderclub von Plan International. Ein halbes Jahr später wird sie von 2.000 anderen Mädchen und Jungen in den Kinder- und Jugendrat zur Entwicklung des Bezirks gewählt. Sie kann es selbst kaum glauben. Mayra erfährt, welche Rechte die Kinder und Jugendlichen in ihrem Heimatland haben. Verstöße zu erkennen, Strategien zu entwickeln und mit den erwachsenen Bezirksvertretern nach Lösungen zu suchen, gehört fortan zu ihren Aufgaben.

Kein Ort nirgends

In einem der von Plan International ins Leben gerufenen Entwicklungsbeiräte erlebt Mayra, dass die anderen sie ernst nehmen. Auch die jungen Männer sind beeindruckt. Dabei ist es in Guatemala mehr als ungewöhnlich, dass junge Frauen ihre Meinung äußern. „Als Mädchen werden wir auf der Straße oft von Männern belästigt und können uns nicht frei bewegen. Wir leben nicht an einem Ort, an dem wir uns sicher fühlen.“

Mayra nimmt sich vor, das zu ändern! Ab 2012 engagiert sie sich in der Plan-Bewegung „Because I am a Girl“ für Gleichberechtigung. Acht Monate lang erwirbt sie in einem Schulungsprogramm Führungskompetenzen. Ein Mädchen, das Verantwortung übernimmt? Mayra versteht es, andere zu motivieren.

Ihr Auftritt zum Start von „Because I am a Girl“ ist ein Schlüsselerlebnis, an das sie sich gern erinnert: In einem handbestickten Huipil, der traditionellen Maya-Tracht, spricht die damals 15-Jährige selbstbewusst im Plenarsaal des Kongresses über Diskriminierungen im Alltag. Ihr Appell an die 158 Abgeordneten: Investiert mehr in Bildung, vor allem für die Mädchen aus den indigenen Volksgruppen.

2014 wird sie von der Britischen Botschafterin zum Weltgipfel gegen sexuelle Gewalt in Krisengebieten eingeladen. Es ist ihre erste Auslandsreise, und Mayra ist stolz, dass sie in London ein Projekt vorstellen darf, welches sie selbst entwickelt hat: ein Training gegen geschlechtsspezifische Gewalt. 1500 Gemeindevertreterinnen und -vertreter sowie zahlreiche Jugendliche werden so über das Thema aufgeklärt.

"Ich konnte Ideen vorschlagen, Neues lernen und mir wurde klar, dass es eine andere Welt gibt – da draußen."

#Mayra

30 Prozent der Mädchen in Guatemala sind im Alter von 18 Jahren bereits verheiratet. Auch Mayras Schwester hat als Teenager ein Baby. Gemeinsam mit Freundinnen ruft Mayra landesweit dazu auf, sich für ein Verbot von Kinderehen einzusetzen und eine Petition für eine entsprechende Gesetzesänderung zu unterschreiben. Im Mai 2017 hebt der Kongress von Guatemala das Mindestalter für Eheschließungen auf 18 Jahre an. „Als ich das hörte, fühlte ich so viel Glück“, erinnert sie sich Mayra. Glück und auch Stolz, dass sie die Veränderung mit herbeigeführt hatte.

Aus dem einst stillen Maya-Mädchen ist eine engagierte Aktivistin geworden. Mit Unterstützung von Plan kann sie die weiterführende Schule besuchen, bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung an der Universität vor. Mayra träumt davon, eine eigene Anwaltskanzlei zu eröffnen. „Meine Welt ist größer geworden“, sagt die mittlerweile 22-Jährige, die seit dem Gipfel in London Freunde in aller Welt hat.

Fotos: Andrea Aragón, Andreas Wemheuer, Antje Schöder

100 Millionen Gründe

Wir wollen, dass 100 Millionen Mädchen lernen, leiten, entscheiden und sich entfalten können.

Engagieren auch Sie sich jetzt für junge Frauen wie Mayra.

 
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