Foto © Alf Berg

Malawi – Aufklärung für Jugendliche (Phase II)

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch ist die Bevölkerung in Malawi sehr jung. Rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung sind unter 30 Jahren alt. Doch trotz dieses hohen Anteils von jungen Menschen in der Bevölkerung fehlt es in Malawi an jugendfreundlichen und geschlechtssensiblen Gesundheitsangeboten. Dies wirkt sich vor allem negativ auf das Leben von Mädchen und jungen Frauen aus. Denn ohne den Zugang zu Informationen über ihre sexuellen und reproduktiven Rechte können sie keine selbstbestimmten Entscheidungen über ihren Körper treffen. Hinzu kommt, dass die malawische Gesellschaft stark durch traditionelle Rollenbilder und patriarchalische Strukturen geprägt ist, weshalb Mädchen oft bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet und früh schwanger werden.

Damit sich junge Menschen, und vor allem Mädchen und junge Frauen, im Bereich der Sexualität und Familienplanung frei und ohne Zwang entfalten können, ist es wichtig, sie über ihre Rechte aufzuklären und ihnen den Zugang zu altersgerechten und geschlechtssensiblen Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. Deshalb verbessern wir in diesem Projekt die Gesundheitsversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderungen und schaffen in den Projektgemeinden ein Bewusstsein für die sexuelle und reproduktive Gesundheit von jungen Frauen und Männern. Die Aktivitäten knüpfen an das Projekt „Aufklärung für Jugendliche in Malawi“ an, welches von Dezember 2019 bis Februar 2022 erfolgreich durchgeführt wurde.

Das Projekt unterstützt folgende Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)
Projektzeitraum

von Juli 2022
bis Juni 2025

Zielgruppe

82.130 Menschen im Projektbezirk Mzimba

Unterstützen auch Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende! Vielen Dank.

Spendenkonto
Stiftung Hilfe mit Plan
IBAN: DE60 7002 0500 0008 8757 07
BIC: BFSWDE33MUE
Stichwort: MWI101286

So hilft das Projekt

Maßnahmen auf einen Blick

  • Schulungen für 140 Jugendliche, die Gleichaltrige in den Gemeinden zu sexueller Gesundheit beraten
  • Trainings für 50 Gesundheitsfachkräfte zu jugendfreundlichen und geschlechtssensiblen Beratungsangeboten
  • Aufklärungskampagnen wie Sportveranstaltungen, Radiosendungen sowie Theateraufführungen zu
    Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit
  • Trainings für 120 Lehrkräfte und 120 Eltern zu einer altersgerechten Sexualerziehung
  • Berufliche Schulungen für 45 Jugendliche, um sie wirtschaftlich zu stärken
  • Gründung von 60 Spargruppen
  • Etablierung und Verbesserung von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Beratungsangeboten im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Ausführliche Projektbeschreibung

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR)

Der Fachausdruck „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ meint das uneingeschränkte körperliche und seelische Wohlbefinden in Bezug auf alle Bereiche der Sexualität und Fortpflanzung des Menschen. Damit ein solches Wohlbefinden erreicht werden kann, müssen bestimmte Rechte verwirklicht sein. Dazu gehören beispielsweise das Recht auf Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen im Bereich Sexualität und Fortpflanzung, das Recht auf Informationen zu Fragen der Sexualität sowie auch das Recht, selbst über eine Schwangerschaft entscheiden zu können. Diese sogenannten „sexuellen und reproduktiven Rechte“ sind Menschenrechte, die allen Menschen gleichermaßen zustehen.

 

  • Schulungen zu sexueller Gesundheit

Um die Jugendlichen in Mzimba über ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und ihre Rechte aufzuklären, bilden wir freiwillige Gemeindehelfer:innen aus, die als lokale Ansprechpersonen zu diesen Themen fungieren. In diesem Zusammenhang nehmen 70 junge Frauen und Männer an Trainings zu sexueller Aufklärung, Familienplanung, Verhütung und der Prävention von Geschlechtskrankheiten teil. Außerdem lernen sie verschiedene Beratungsmethoden, sodass sie das Gelernte beispielsweise im Rahmen von Gemeindeversammlungen oder bei Jugendclub-Treffen an Gleichaltrige weitergeben können. Zusätzlich erhalten sie Verhütungsmittel, die sie in ihren Dörfern verteilen. Zudem schulen wir 70 weitere Jugendliche zu Verhütungsmethoden und statten sie mit Aufklärungsmaterialien zum Thema Verhütung aus. So unterstützen die jungen Frauen und Männer die Arbeit der Gesundheitszentren und tragen dazu bei, den Zugang zu jugendfreundlichen Gesundheitsdiensten zu verbessern.

Damit auch an Schulen Maßnahmen zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen durchgeführt werden, schulen wir ebenfalls das Lehrpersonal zu diesen Themen. Dazu nehmen 120 Lehrkräfte an Trainings zu einer altersgerechten und geschlechtssensiblen Sexualbildung teil. Inhalte der Trainings sind beispielsweise Verhütungsmethoden, die Prävention von Krankheiten wie HIV/Aids, aber auch die Sensibilisierung für die negativen Folgen von schädlichen traditionellen Praktiken wie Kinderheirat oder frühe Schwangerschaften. Da die Lehrer:innen in engem Kontakt zu Jugendlichen stehen, übernehmen sie eine wichtige Rolle bei der sexuellen Aufklärung von Mädchen und Jungen.

 

  • Sensibilisierung von Gemeindeleiter:innen und Eltern

In Malawi übernehmen traditionelle und religiöse Autoritäten eine wichtige Rolle in ihren Gemeinden. Daher ist es wichtig, sie in die Projektarbeit miteinzubeziehen. In diesem Zusammenhang organisieren wir eine dreitägige Orientierungsveranstaltung für 100 Gemeindeautoritäten. Dabei klären wir sie über die sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen auf und sensibilisieren sie dafür, was sie selbst tun können, um Mädchen und Jungen vor Kinderheirat zu schützen und ihnen einen besseren Zugang zu Gesundheitsdiensten zu ermöglichen. Zudem veranstalten wir einmal im Quartal ein Forum mit 20 Gemeindeleiter:innen, in dem sie über schädliche soziale Normen und geschlechtsspezifische Gewalt diskutieren und darüber, wie man diese abschaffen kann.

Neben Gemeindevertreter:innen müssen auch die Eltern und Betreuungspersonen der Jugendlichen in die Projektaktivitäten eingebunden werden. Denn sie spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die sexuelle Aufklärung von Mädchen und Jungen geht. Daher nehmen insgesamt 120 Eltern und Betreuungspersonen an Schulungen zu Sexualerziehung teil. Dabei schaffen wir ein grundlegendes Verständnis für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen und sensibilisieren die Teilnehmer:innen dafür, wie sie ihre Kinder wertfrei und geschlechtergerecht über Sexualität informieren können. Zudem geben wir den Eltern und Betreuungspersonen die Möglichkeit, sich auszutauschen und mögliche Bedenken und Sorgen zu äußern. Auf diese Weise wollen wir Widerständen in den Gemeinden gegen eine umfassende Sexualerziehung von Mädchen und Jungen vorbeugen.

 

  • Gesundheitsversorgung für Jugendliche verbessern

Um die Angebote der lokalen Gesundheitsdienste dauerhaft zu verbessern und jugendfreundlicher zu gestalten, schulen wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium 50 Angestellte der Gesundheitszentren − von Ärzt:innen hin zum Wachpersonal − in der altersgerechten und geschlechtssensiblen Beratung von Jugendlichen zu Themen wie sexuelle Gesundheit von Jugendlichen, Familienplanung, Geschlechtskrankheiten, sexuellen Missbrauch und HIV/ Aids. Zusätzlich absolvieren 75 Angestellte von Gesundheitszentren einen Kurs in Gebärdensprache. Auf diese Weise fördern wir eine gleichberechtigte und inklusive Gesundheitsversorgung.

Gemeinsam mit den Jugendclubs und anderen bereits bestehenden Gemeindegruppen richten wir − vorzugsweise angeschlossen an die Gesundheitszentren − sichere Räume ein, in denen junge Menschen Informationen erhalten und sich austauschen können. In acht Gesundheitszentren führen wir außerdem eine partizipative Bewertung durch. Dabei überprüfen Jugendliche die Qualität und Angemessenheit der angebotenen Gesundheitsleistungen und machen Verbesserungsvorschläge, wie diese jugendfreundlicher gestaltet werden können. Gemeinsam mit den Gemeindekomitees und Gesundheitsbehörden wird anschließend die Umsetzbarkeit der Vorschläge geprüft und ein Aktionsplan erarbeitet.

 

  • Zugang zu Gesundheitsdiensten verbessern

Um junge Frauen und Männer über verfügbare Gesundheitsdienste in ihrer Nähe zu informieren und ihnen den Zugang zu erleichtern, stellen wir im Projektverlauf 14 Wegweiser in den Gemeinden auf. Daneben wollen wir, dass auch Jugendliche aus entlegenen Gemeinden die Möglichkeit haben, jugendfreundliche Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehme. Deshalb richten wir gemeinsam mit dem Bezirksgesundheitsamt mobile Kliniken in schwer zugänglichen Gebieten ein. Zu den dort angebotenen Leistungen gehören etwa HIV-Tests, Impfungen, die Betreuung von Schwangeren, Beratungen zur Familienplanung sowie die Ausgabe von Verhütungsmitteln und Medikamenten. Insgesamt planen wir 300 mobile Klinikeinsätze durchzuführen, von denen rund 12.000 junge Frauen und Männer profitieren.

 

  • Generationsübergreifende Dialoge

Um den Austausch über Themen rund um Sexualität zwischen Jung und Alt zu fördern und Tabus abzubauen, organisieren wir im Projektverlauf insgesamt 72 generationsübergreifende Dialoge. Daran nehmen neben Jugendlichen und ihren Eltern auch Gemeindeleiter:innen sowie Gesundheitsfachkräfte teil. Ziel der Dialogveranstaltungen ist es zum einen, die Teilnehmer:innen über Themen wie Familienplanung, Verhütung und sexuelle Gewalt aufzuklären und zum anderen eine Diskussion zwischen den Generationen anzuregen, sodass gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, um die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Jugendlichen zu stärken.

 

  • Beratungsangebote für Jugendliche verbessern

Damit Mädchen und Jungen bei Fällen von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt oder bei Kinderrechtsverletzungen Anlaufstellen haben, an die sie sich vertrauensvoll wenden können, stärken wir bereits bestehende zivilgesellschaftliche und staatliche Beratungsangebote oder etablieren neue. In diesem Zusammenhang nehmen 80 Mitarbeitende von Opferhilfestellen und Kinderschutzeinrichtungen an Schulungen teil, in denen sie lernen, wie sie betroffene Jugendliche beraten und an die entsprechenden Stellen weiterverweisen.

 

  • Aufklärungskampagnen in den Gemeinden

Um ein nachhaltiges Bewusstsein für Kinderrechte und den Zugang zu Informationen über sexuelle Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schaffen, organisieren wir verschiedene Aufklärungskampagnen in den Gemeinden. So nehmen 55 Jugendliche und ihre Eltern an Workshops teil, in denen sie kreative Methoden lernen, um andere Gemeindemitglieder über Themen rund um sexuelle Gesundheit und die Rechte von Mädchen und Jungen zu informieren. Dazu gehören beispielsweise Theaterstücke, Lieder oder Gedichte. Zudem nutzen wir Sportveranstaltungen und organisieren Tage der offenen Tür, um möglichst viele Gemeindemitglieder aus verschiedenen Altersgruppen zusammenzubringen und über Themen wie Verhütungsmethoden, Prävention von Geschlechtskrankheiten, Behinderungen sowie sexuelle und geschlechtsbasierte Gewalt aufzuklären und sie auf die Angebote der jungendfreundlichen Gesundheitsversorgung aufmerksam zu machen.

Weiterhin ist geplant im Laufe des Projekts 72 Radiosendungen im Projektgebiet auszustrahlen, die über verschiedene Themen rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, wie etwa Familienplanung, Verhütung oder die Prävention von Geschlechtskrankheiten informieren. Durch die große Reichweite der Radiosendungen erreichen wir so auch Jugendliche und junge Erwachsene in abgelegenen Gebieten.

 

  • Wirtschaftliche Stärkung von Jugendlichen

Neben sozialen Normen und kulturellen Praktiken sind Armut und fehlende Einkommensmöglichkeiten weitere Ursachen, die zu Frühverheiratung und ungewollten Schwangerschaften führen. Deshalb besuchen 45 Jugendliche, vorzugsweise junge Mütter, berufliche Schulungen. Dadurch sind die Frauen finanziell unabhängig, was es ihnen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die angebotenen Ausbildungsbereiche sind vielfältig. So können sich die Jugendlichen etwa in der Bäckerei, im Schneiderhandwerk oder im Bereich Kosmetik oder Elektronik schulen lassen. Zusätzlich erhalten die jungen Frauen und Männer nach Abschluss der Ausbildung ein Startkapital, das ihnen die Gründung eines eigenen Unternehmens erleichtern soll.

Weiterhin nehmen 120 Jugendliche an Trainings zur Gründung und Leitung von insgesamt 60 Spargruppen teil. Dort erlernen sie nicht nur Kenntnisse im Bereich des Sparens und Finanzierens, sondern erfahren auch, wie sie Gruppentreffen organisieren und anleiten. Die Mitgliedschaft in einer Spargruppe ermöglicht den jungen Frauen und Männern, gemeinsam Geld anzusparen und Kredite für Investitionen oder die Gründung von Kleinstunternehmen zu erhalten.

Unterstützen auch Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende, um jungen Menschen in Malawi ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

1.223 €

kostet es z.B. vier Jugendliche bzw. deren Eltern in kreativen Methoden zu schulen, damit sie in den Gemeinden im Rahmen von Theaterstücken oder Gedichten über sexuelle Gesundheit und Rechte aufklären.

2.033 €

werden für die Ausstrahlung von 40 Radiosendungen benötigt, die in den Gemeinden über Themen rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte informieren.

5.597 €

kosten z.B. berufliche Schulungen für neun Jugendliche, damit diese finanziell unabhängig sind und ein selbstbestimmtes Leben führen können.

23.500 €

brauchen wir, um vier sichere Räume einzurichten, in denen sich junge Menschen über sexuelle Gesundheit und geschlechtsbasierte Gewalt informieren können.

Spendenkonto
Stiftung Hilfe mit Plan
IBAN: DE60 7002 0500 0008 8757 07
BIC: BFSWDE33MUE
Stichwort: MWI101286

Projektbericht

Ausführliche Projektbeschreibung

Hinweis: Die Bilder stammen z.T. aus ähnlichen Plan-Projekten im Land.

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