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Auf der Suche nach einem besseren Leben

von Stiftung Hilfe mit Plan

Statt Lesen, Rechnen und Schreiben zu lernen, sind in Tansania viele Kinder gezwungen, in Goldminen, in der Fischerei oder auf dem Feld zu arbeiten. Unsere Afrika-Expertin Jane Zentgraf aus der Abteilung Internationale Zusammenarbeit betreut das Projekt „Mädchen und Jungen vor Kinderarbeit schützen“. Welche Auswirkungen ausbeuterische Arbeit auf Kinder hat und wie Plan International ihnen neue Perspektiven bietet, erklärt sie hier.

Knapp 68 Prozent der Gesamtbevölkerung in Tansania lebt unter der Armutsgrenze. Vor allem in ländlichen Gebieten unterliegen Kinder häufig dem Zwang, zum Familieneinkommen beitragen zu müssen“, erklärt Jane Zentgraf, Programmspezialistin für das südliche und östliche Afrika bei Plan International Deutschland, die dramatischen Zahlen und den Zusammenhang zwischen Armut und Kinderarbeit. Dabei liegt auf Mädchen eine besondere Last. „Aus Sicht einer bildungsfernen Familie ist es sinnvoller, noch eher den Jungen in die Schule zu schicken, da man glaubt, dass nur aus ihm etwas werden und er einen guten Beruf ergreifen könne. Mädchen sollen daher zu Hause bleiben, im Haushalt oder auf dem Feld helfen und möglichst früh heiraten.“ Es sind traditionelle, kulturelle Vorstellungen, die besonders in ländlichen Regionen noch vorherrschen, die das Leben von Mädchen weiter einschränken als das der Jungen.

Plan International ist seit 2012 in den Bezirken Geita, Chato und Nyangwale im Norden von Tansania tätig. Weit weg von der Hauptstadt Dodoma in der Mitte des Landes und der pulsierenden Küstenstadt Daressalam. Im Norden in der Nähe des Viktoriasees ist die Infrastruktur besonders schlecht und der Einfluss des progressiveren Stadtlebens nicht zu spüren. Hier arbeiten Kinder in Minen und in der Fischerei. Die Arbeit ist gefährlich, die Arbeitsstunden lang, der Lohn gering. Die Kinder, vor allem Mädchen, werden dort zudem leicht Opfer sexueller Übergriffe und Gewalt. Viele geraten sogar in die Prostitution.

Foto © Plan International | Die harte Arbeit in den Minen und beim Fischfang hat schwerwiegende Auswirkungen auf Körper und Geist der Kinder. Zurück in der Schule können sie wieder Kind sein, ausgelassen spielen und lachen.

Gemeinsam haben wir schon viel erreicht

„Es ist wichtig, dass wir genau da tätig sind, wo die Not am größten ist“, bestätigt Jane Zentgraf, die mittlerweile die zweite Phase des Projektes koordiniert, welches von der Stiftung Hilfe mit Plan finanziert wird.

Foto © Melanie Hammer | Jane Zentgraf, Programmspezialistin bei Plan International Deutschland, betreut das Projekt in Tansania.

„Seit Beginn des Projektes konnten wir schon viel erreichen. Über 12.000 Kinder wurden aus Kinderarbeit befreit und wieder in Schulen integriert. Außerdem wurden 80 Prozent der Minen in offizielle Unternehmen umgewandelt, sodass sie automatisch registriert und überwacht werden. Aber das Wichtigste ist, dass wir Eltern, Lehrer:innen, Gemeinde und Regierungsvertreter:innen für den Schutz von Kindern sensibilisieren und ihnen zeigen, dass Bildung für Mädchen und Jungen der Weg aus der Armut ist.“

Solange Familien um ihre Existenz kämpfen müssen, besteht für sie wenig Sinn darin, Kinder in die Schule zu schicken, für die sie auch noch Geld bezahlen müssen. Eltern werden daher in ihrer wirtschaftlichen Situation gestärkt, zum Beispiel durch Spargruppen. In 63 Gemeinden wurden Frauen und Männer ausgebildet, Spargruppen von insgesamt 4.800 Mitgliedern zu gründen und zu leiten. Um funktionierende Systeme zum Schutz der Kinder zu schaffen, hat Plan International in diesen Gemeinden zudem 82 Kinderschutzkomitees mit 2.050 Mitgliedern gegründet. Diese kommen aus den Bereichen Polizei, Justiz sowie Behörden für Soziales, Bildung und Gesundheit. In Schulungen setzen sie sich mit Kinderrechten, Kinderschutz und Gewaltprävention auseinander. Auch werden Stellen geschaffen und Personen eingesetzt, an die sich Betroffene wenden können, wenn sie mit Gewalt an Kindern, Kinderarbeit oder Kinderrechtsverletzungen konfrontiert sind.

Das Herzstück unserer Arbeit

„Das ist das Herzstück der Arbeit von Plan International“, erklärt Jane Zentgraf. „Wir Plan-Mitarbeiter:innen sitzen auf dem Beifahrersitz, aber die Familien und Gemeindemitglieder auf dem Fahrersitz. Wir bringen unsere Expertise mit ein, aber die Menschen vor Ort gestalten alles selbst mit, müssen Entscheidungen treffen und diese am Ende umsetzen.“ Die gebürtige Kölnerin hat einen ganz persönlichen Bezug zu Tansania. Ihre Mutter stammt aus dem ostafrikanischen Land. Jane Zentgraf legt großen Wert darauf, die Situation der Eltern vor Ort zu verstehen und die Gründe, warum so viele Kinder aus der Not heraus den Weg zur körperlichen Arbeit einschlagen. „Die Kinder haben in ihrer Familie eine verantwortungsvolle Rolle und sind sich ihrer Bedeutung bewusst. Um zum Einkommen beizutragen, ist der schnellere Weg zu Geld die körperliche Arbeit. Und dass sie in den Minen nach Gold und Diamanten schürfen sollen, klingt zunächst einmal verlockend. Sie sind einfach nur auf der Suche nach einem besseren Leben.“

 
 

„Wir Plan-Mitarbeiter:innen sitzen auf dem Beifahrersitz, aber die Familien und Gemeindemitglieder auf dem Fahrersitz. Wir bringen unsere Expertise mit ein, aber die Menschen vor Ort gestalten alles selbst mit, müssen Entscheidungen treffen und diese am Ende umsetzen.“

Foto © Plan International | Jugendliche, die nicht mehr zurück in die Schule können, erhalten eine Ausbildung.

Es gibt so viel Potenzial zu wecken

Da die Kinder in den Regionen oft schon sehr unabhängig organisiert sind, hat Plan International Kinderclubs gegründet, in denen 4.000 Mädchen und Jungen zusammenfinden können. Sie werden hier von Plan International über ihre Rechte aufgeklärt und dabei unterstützt, diese einzufordern. Auch sollen sie sich zusammen an ihren Schulen für Kinderschutz einsetzen können. Darüber hinaus erhalten 1.625 Jugendliche, die es aus der Kinderarbeit herausgeschafft haben, die aber nicht mehr zurück in die Schule können, eine Ausbildung.

„Mit der Arbeit, die wir in Tansania leisten, können wir so viel Potenzial wecken“, ergänzt Jane Zentgraf. „Die Bevölkerung von Tansania ist sehr jung. Über 65 Prozent ist unter 24 Jahre alt und unglaublich motiviert. Eine Motivation, die ich auf meinen zahlreichen privaten und beruflichen Reisen selbst miterleben konnte – auch wenn es in den Bereichen der Gesundheitsversorgung, der Gleichberechtigung und Bildung sowie der finanziellen Grundlage reale Stolpersteine gibt. Gemeinsam arbeiten wir jedoch daran, diese zu beseitigen und so Großartiges zu schaffen.“

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