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Vietnam - Zukunftsperspektiven durch Ausbildung und Mikrokredite

In der Stadt Hue siedelte die Regierung zwischen 2008 und 2010 viele Familien, die zuvor in Bootssiedlungen am Flussufer gelebt hatten, in Wohnblöcke um. Zwar konnten sie so besser vor Überflutungen geschützt werden, doch änderte sich an ihren schwierigen Lebensumständen wenig. Noch heute leben viele dieser Familien in Armut. So müssen die Kinder häufig zum Familieneinkommen beitragen, indem sie Lotteriescheine, Essen oder Souvenirs auf der Straße verkaufen. Sie können nicht zur Schule gehen und sind auf der Straße Gefahren, wie sexuellen Übergriffen und Kinderhandel, ausgesetzt.

Im Rahmen eines Vorgängerprojekts wurden in Hue bereits Schutzstrukturen und Beratungsstellen für Straßenkinder etabliert und Spargruppen für Eltern gegründet. An diese Erfolge knüpft das aktuelle Projekt an. Die Schwerpunkte liegen diesmal auf Einkommen schaffenden Maßnahmen für die Familien und Berufsausbildungen für die Jugendlichen. Ziel ist es, den Familien zu einem besseren Einkommen zu verhelfen und damit die Armutsspirale, die sich von Generation zu Generation weiter fortsetzt, zu durchbrechen.

Themenschwerpunkt

Bildung,
Arbeit,
Kinderschutz

Projektzeitraum

von August 2017
bis Juli 2020

Zielgruppe

Kinder, Jugendliche und Eltern in der Stadt Hue in der Provinz Thua Thien Hue

So hilft das Projekt

„Es war nicht gut, unsere Kinder zum Arbeiten auf die Straße zu schicken. Ich war glücklich, als meine Tochter darauf bestand, an dem Projekt teilzunehmen. Alle meine Kinder gehen heute zur Schule und müssen kein Eis mehr auf dem Markt verkaufen.“

Mrs. Tuhy, Projektteilnehmerin und Mitglied einer Spargruppe

Foto © Plan International | Das Projekt unterstützt Kinder, damit sie wieder zur Schule gehen können.

 

  • Straßenkindern den Schulabschluss ermöglichen

Häufig können sich Eltern die Schulgebühren ihrer Kinder nicht leisten und wollen, dass die Kinder zum Familieneinkommen beitragen. Infolgedessen gehen viele Kinder nicht zur Schule. Im Rahmen des Projektes erhalten deshalb 110 Mädchen und 116 Jungen ein Stipendium für den Schulbesuch. Darüber hinaus bekommen sie Schulmaterialien, wie Bücher und Hefte. Im Vorgängerprojekt hat sich eine Bücherbörse zum Schuljahresende bewährt. Dort können Kinder ihre nicht mehr benötigten Bücher tauschen und an jüngere Kinder weitergeben. Einige Jungen und Mädchen sind zu alt oder haben zu lange im Unterricht gefehlt, sodass sie nicht mehr in den Schulen aufgenommen werden. Für diese 40 Kinder werden flexible Lerngruppen eingerichtet, die von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleitet werden. So können auch Kinder außerhalb der Schule weiter in ihrer Bildung gefördert werden.

Foto © Plan International | Im Rahmen des Projekts werden u.a. Ausbildungen in der Gastronomie angeboten.

 

  • Bessere Berufsaussichten

Eine abgeschlossene Ausbildung ist ein wichtiger Schritt, um später einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen sowie verschiedenen Unternehmen werden im Rahmen des Projekts rund 350 junge Männer und Frauen dabei unterstützt, eine Berufsausbildung zu machen, unter anderem in den Bereichen Gastronomie und Marketing. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Projektkomponente sind im Alter von 18 bis 30 Jahren. Einige von ihnen haben bereits erfolgreich an dem Vorgängerprojekt teilgenommen.

Foto © Pham Thi Ngoc Mai | Bild stammt aus einem ähnlichen Plan-Projekt in Vietnam.

 

  • Praktisches Training

Im Rahmen des Projekts wird ein Trainingsrestaurant eröffnet, in dem die Auszubildenden praktische Erfahrungen in der Gastronomie sowie im Verkauf und Marketing sammeln. So erhöhen sie ihre Chancen, später eine Festanstellung zu bekommen. Gleichzeitig dient das Restaurant als Einnahmequelle, um die Ausbildungskosten zu decken. Auf diese Weise trägt es zur Nachhaltigkeit des Projektes bei. Nach Abschluss der Ausbildung werden alle Absolventen dabei unterstützt, eine Anstellung zu finden oder ein eigenes kleines Unternehmen zu gründen.

Foto © Plan International | Mit Kleinkrediten können die Projektteilnehmenden eigene Unternehmen eröffnen.

 

  • Einkommen schaffende Maßnahmen

Um die Arbeit von Kindern auf der Straße zu verhindern, ist es wichtig, die Einkommen der Eltern zu verbessern. Daher werden in diesem Projekt 160 Eltern zu unternehmerischen Themen geschult, wie Sparen und Finanzplanung, Kreditmöglichkeiten, Verhandlungsgeschick und Verkaufsstrategien. Im Anschluss wird die Gründung von Spargruppen unterstützt, in denen Eltern gemeinsam Geld ansparen und dadurch die Möglichkeit erhalten, Kleinkredite zu nutzen. So können sie gewinnbringende Investitionen tätigen, zum Beispiel in den Aufbau eigener kleiner Unternehmen. In den Spargruppen können die Teilnehmenden zudem regelmäßig Erfahrungen und Tipps austauschen.

„Ich habe niemals gedacht, dass ich einen eigenen Imbiss besitzen werde, aber es ist wirklich wahr geworden. Ich werde mein Bestes geben, um die Qualität meines Geschäftes zu steigern, Stammkunden zu halten und hoffe, dass wir unser Familiengeschäft in den nächsten Monaten erweitern können. Heute kann ich auf eigenen Beinen stehen und meine Geschwister unterstützen, ein besseres Leben zu führen.“

Yen, 23-jährige Teilnehmerin des Projekts

Aktuelles

Foto © Plan International | Eine Plan-Mitarbeiterin verteilt Reis.

Unterstützung in der Corona-Krise

Covid-19 hat das Leben vieler Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer erschwert. Aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen und Beschränkungen können viele nicht arbeiten und sich deswegen auch keine Nahrungsmittel mehr leisten. Doch sie erhalten schnell Hilfe: Im Rahmen des Projekts wurden rund 430 Familien in Vietnam, die unter der Corona-Krise leiden, mit Grundnahrungsmitteln, wiederverwendbaren Gesichtsmasken und Seife unterstützt. Dazu gehören auch Ha Thi und ihre Familie.

Lesen Sie hier ihre Geschichte.

Weitere Maßnahmen im Überblick

  • Verteilung von Nothilfe-Paketen an besonders gefährdete Familien. Diese beinhalten unter anderem Reis, Nudeln, Öl und Seife
  • Aussetzung von Zinsen für erhaltene Mikrokredite Bargeldauszahlungen an Teilnehmende der Ausbildungsprogramme
  • Übernahme von drei Monatsmieten für das Ausbildungsrestaurant, das aufgrund von Corona zeitweise schließen muss.

Lesen Sie außerdem einen kurzen Bericht (Stand 27.03.20) von Lan Le Quynh, Projektmanagerin bei Plan International Vietnam. Sie berichtet von der aktuellen Situation und den Auswirkungen auf Plans Arbeit in den Projektregionen.

>> zum Bericht (pdf)

 


Sie möchten sich gerne für dieses Projekt engagieren? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne: 040/607 716-260, info@stiftung-hilfe-mit-plan.de

Projektberichte

Erfahren Sie mehr über die Fortschritte des Projekts.

Zwischenbericht Oktober 2019

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