Foto © Plan International / Vivek Singh

Mädchen stärken den Klimaschutz in Indien

von Stiftung Hilfe mit Plan

Plan International ist in den ländlichen Gemeinden Telanganas in Indien aktiv, um Menschen gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu stärken. Im Mittelpunkt der ganzheitlichen Projekte stehen Mädchen und junge Frauen, die sich als Vorreiterinnen im Kampf gegen den Klimawandel erweisen.

Der südindischen Bundesstaat Telangana leben mehr als 35 Millionen Menschen, viele von ihnen von der Landwirtschaft. Doch auf den Feldern zeigen sich immer mehr Risse. Wiederkehrende Dürren gefolgt von starken Regenfällen machen dem Boden stark zu schaffen. Die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen die Lebensgrundlage der Menschen.

In besonders betroffenen Regionen, wie z.B. dem Distrikt Vikarabad, stoßen die Bauern schon jetzt an ihre Grenzen. Besonders diejenigen, die nur wenig Land besitzen, kommen kaum mehr über die Runden. Das unberechenbare Wetter führt zu schlechten Ernteerträgen und Ernteausfällen. Viele können ihre Familien nicht mehr ernähren. Sie haben zum Teil hohe Schulden angehäuft und viele wandern auf der Suche nach einem Auskommen in die Städte ab. Das hat fatale Auswirkungen auf Kinder. „Schulabbruch, schlechte Ernährung und Gesundheit, Zwangsarbeit und Kinderheirat sind einige der Folgen, mit denen Kinder, und insbesondere Mädchen, konfrontiert sind. Denn die Familien greifen zu verzweifelten Maßnahmen, wenn die Ressourcen schwinden", sagt K Abhilash, Programmkoordinator für Katastrophenvorsorge bei Plan International Indien.

Die Folgen des Klimawandels sind komplex. Plan International entwickelt deshalb nachhaltige Projekte, die den Gemeinden Wissen und Macht geben, um ihre Umwelt, ihre Grundrechte und ihre Lebensgrundlagen zu schützen. Kinder spielen dabei eine zentrale Rolle. "Wir haben ein Modell entwickelt, den Klimawandel zu bekämpfen, indem wir die Schulen, Kinder und insbesondere Mädchen in den Mittelpunkt des Handelns stellen" sagt Abhilash.

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"Wir haben seit zwei Jahren keinen Regen mehr gehabt. Ich habe einen Kredit von 70.000 Rupien (etwa 790 Euro), von dem ich nicht weiß, wann und wie ich ihn zurückzahlen kann. Ich habe meine Frau und vier Kinder zu ernähren. Ich weiß nicht, wie wir überleben sollen."

-Mahmood, Bauer aus Telanga

Kinder werden zu Klimabotschafter:innen

Im Bundesstaat Telangana ist so das Projekt "Klimafreundliche Schulen in ökologisch sensiblen Gemeinden" entstanden. Das Projekt wird in 40 Orten im Distrikt Vikarabad umgesetzt, mit besonderem Fokus auf die am stärksten marginalisierten und ausgegrenzten Gemeinden. Ziel des Projekts ist es, Modellschulen zu schaffen, in denen Kinder etwas über die Umwelt in ihrem lokalen Kontext lernen und wie sie sich für den Klimaschutz engagieren können, indem sie ihre Gemeinden widerstandsfähiger machen und für ihre eigenen Rechte eintreten.

Der Ansatz erkennt die Kinder als zukünftige Führungspersönlichkeiten und die Generation an, die sich den extremen Herausforderungen des Klimawandels stellen wird. Durch einen sorgfältig konzipierten Lehrplan − der Lesematerial, Gruppendiskussionen und kreative Workshops umfasst – werden Mädchen und Jungen zu Klimabotschafter:innen ausgebildet.

Foto © Plan International / Vivek Singh | Die Folgen des Klimawandels wirken sich negativ auf die Zukunft von Mädchen aus.

„Da Mädchen am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind − vor allem in benachteiligten Gemeinden − ist das Projekt speziell darauf ausgelegt, sie einzubeziehen und von ihnen geleitet zu werden“, sagt Abhilash. „Denn wenn es den Familien an Einkommen mangelt, sind es eher die Mädchen als die Jungen, die von der Schule genommen werden, weil die Eltern die Schulgebühren nicht zahlen können. Es sind eher die Mädchen, die gezwungen sind zu arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. Es sind die Mädchen, die von ihren Eltern verheiratet werden, um die finanzielle Last der Familie zu verringern."

So stellt das Projekt die Mädchen in den Mittelpunkt der Klimaaktionen. Besonders heranwachsende Mädchen werden ermutigt und unterstützt, sich in sogenannten „Umweltclubs“ zusammenzuschließen. Hier lernen sie etwas über den Klimawandel und Umweltschutz − vom breiteren Konzept der globalen Erwärmung bis hin zu Klimaschutzmaßnahmen wie erneuerbare Energien, effektives Abfallmanagement und innovative landwirtschaftliche Praktiken. So werden sie zu Klimabotschafterinnen ausgebildet, die Möglichkeiten entwickeln, selbst aktiv zu werden und ihre Familien und Gemeinden bei der Rettung ihres lokalen Lebensraums einzubinden.

Bisher wurden ca. 1.200 Kinder, meist jugendliche Mädchen, zu Klimabotschafter:innen ausgebildet. Zusätzlich wurden mehr als 5.000 Kinder aus 40 Schulen über die Anpassung an den Klimawandel informiert und aufgeklärt.

Noorjehan: Mit einfachen Mitteln zum Erfolg

Die Erfolge sind sichtbar. Die 16-jährige Noorjehan ist leidenschaftlich bemüht, innovative Wege zu finden, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen. "Der Klimawandel ist real, und er vollzieht sich vor unseren Augen. Wir müssen über das Gewohnte hinausdenken, um zu überleben." Noorjehan überredete ihre Mutter, das ungenutzte Stück Land vor ihrem Haus in ein Gemüsebeet umzuwandeln. Als Teil des Projekts erhielten sie 12 Sorten Gemüsesamen. "Mit Mühe und Sorgfalt verwandelte sich das Brachland allmählich in einen üppig grünen Garten mit einer Fülle von Gemüse. Wir bauen jetzt genug an, um uns zu ernähren und mit unseren Nachbarn zu teilen", erzählt sie.

Der einfache Ansatz hat sich als entscheidend für die prekäre finanzielle Situation von Noorjehans Familie erwiesen. "Wir sind sieben Personen, einschließlich meiner Eltern, und wir müsseb einen großen Kredit von etwa 300.000 Rupien (ca. 3.400 Euro) abbezahlen, den wir für die Behandlung meiner Mutter aufgenommen haben. Mit meinem Vater und zwei älteren Brüdern, die als Tagelöhner arbeiten, haben wir kaum genug zum Überleben. Der Küchengarten spart uns Geld, das wir sonst jeden Tag für den Kauf von Gemüse ausgeben müssten", freut sich Noorjehan.

Foto © Plan International / Vivek Singh | Noorjehan kümmert sich um ihren Gemüsegarten.

Vishnupriya: Umweltverschmutzung verhindern!

Während Noorjehan in ihrer Gemeinde für die Vorteile des Küchengartens wirbt, will die 14-jährige Vishnupriya eine Bewegung für kollektives Handeln starten. "Es gibt einfach zu viel Umweltverschmutzung in meiner Stadt, und ich möchte dem einen Riegel vorschieben. Wir Mädchen, die Teil des Umweltclubs sind, haben Kundgebungen in unserer Gemeinde durchgeführt, Mülltonnen aufgestellt und mit den Ältesten der Gemeinde über die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung gesprochen. Der Klimawandel betrifft jeden − aber er betrifft die Mädchen am meisten. Doch wenn Mädchen die Macht und die Mittel haben, das Fortschreiten des Klimawandels zu stoppen, können sie auch selbst etwas tun. Mädchen sind von Natur aus widerstandsfähiger und verstehen besser, wie unsere Umwelt mit unserem Leben verbunden ist", sagt sie.

Foto © Plan International / Vivek Singh | Vishnupriya hat in ihrer Gemeinde Kundgebungen organisiert, um die Umweltverschmutzung zu stoppen.

Ambica: Eine Kampagne gegen Plastik

Ambica, 12, ist seit zwei Jahren aktives Mitglied im Umwelt-Club ihrer Schule. Sie bezeichnet sich selbst als Öko-Kriegerin, die gegen den übermäßigen Gebrauch von Plastik in ihrer Gegend kämpft. "Ich lebe in einer Gemeinde, die von Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung heimgesucht wird. Es gibt kein Entkommen. Die Menschen verbrennen Plastik, das giftige Dämpfe in die Luft abgibt. Kindern und sogar Erwachsenen fällt es schwer zu atmen. Die Verwendung von Plastik ist hier so weit verbreitet, dass es den Boden und die Wasserquellen völlig verseucht hat. Plastik ist in unsere Nahrungskette gelangt und verursacht Krankheiten bei Menschen und sogar bei Tieren. Ich möchte dem ein Ende setzen und habe eine Kampagne gestartet", erzählt sie.

Foto © Plan International / Vivek Singh | Ambica möchte der Verwendung von Plastik in ihrer Gemeinde ein Ende setzen.

Gemeinsames Handeln ist notwendig

Als wichtiger Teil des Projekts wurden Gemeindestrukturen wie Kinderforen und Umweltschutzkomitees gebildet, um die Kinderrechte, die Bedeutung von Bildung und den Klimawandel zu stärken. "Sie ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, zusammen mit Erwachsenen und lokalen Beamten Maßnahmen für ihre lokale Umwelt zu ergreifen. Die Beteiligung der Gemeinschaft ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg nachhaltiger Klimaschutzmaßnahmen und den Aufbau der Widerstandsfähigkeit von Gemeinden", sagt Abhilash. "Das Projekt hat lokale Regierungsbeamte und -abteilungen aktiv miteinbezogen, damit sie an Bord sind und mit Kindern und Gemeinden zusammenarbeiten, um durch Umweltschutz die Lebensbedingungen in ihren Gemeinden zu verbessern."

Foto © Plan International / Vivek Singh | Karuna Ajay Prasad plädiert für einen gemeinschaftlichen Ansatz zur Bewältigung des Klimawandels, der Gemeinden und die Zivilgesellschaft einbezieht.

Karuna Ajay Prasad, Präsident des Basheerabad Mandal Praja Parishad − ein Rat von 36 Dörfern − stimmt zu, dass gemeinsames Handeln notwendig ist, um den Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen. "Etwa 80 bis 90 Prozent der Menschen in dieser Region sind auf die Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle angewiesen. Angesichts der anhaltenden Trockenheit und des sinkenden Grundwasserspiegels raten wir den Bauern vor Ort nun, ihre Anbaumethoden anzupassen und auf den Anbau von Pflanzen umzustellen, die nicht so wasserintensiv sind." Prasad ist auch ein starker Befürworter der traditionellen organischen Anbaumethoden, die Plan International Indien im Rahmen des Projekts wiederbelebt, um die Bodendegradation durch übermäßigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden zu bekämpfen.

Die wichtigsten Erfolge des Projekts:

  • Mehr als 1.200 Kinder aus 40 Schulen in 40 Gemeinden besuchten Umwelt-Clubs und wurden als Botschafter:innen zum Thema Klimawandel ausgebildet.
  • Mehr als 5.000 Kinder aus 40 Schulen wurden über die Anpassung an den Klimawandel informiert und aufgeklärt.
  • Es wurden 40 Umweltschutzkomitees gebildet, die aktiv Umweltprobleme in der Gemeinde ansprechen und nach lokalen Lösungen suchen.
  • Fast 740 Erwachsene wurden in Umweltschutzkomitees aufgenommen, um den Wandel in den Gemeinden voranzutreiben.
  • 1.260 Familien wurden beim Anlegen von Gemüsegärten unterstützt, die organische Methoden anwenden.
  • Es wurden 6.500 Obst- und Gemüsepflanzen sowie Saatgut an Gemeindemitglieder verteilt.
  • Reaktivierung traditioneller organischer Anbaumethoden in mehreren Dörfern.

Der LEAD-Fonds fördert die Entwicklung und Durchführung von Projekten wie diesem, in dem insbesondere Mädchen gestärkt werden, führende Rollen in ihrer Gesellschaft zu übernehmen. Unterstützen auch Sie den LEAD-Fonds mit Ihrer Zustiftung.

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