Kim (Mitte) trifft erstmals auf „Langnasen“ und ihre Paten: die Familie Körner.
Kim (Mitte) trifft erstmals auf „Langnasen“ und ihre Paten: die Familie Körner. © Jette Schultz-Süchting

Erste Plan Patenreise führt nach Vietnam

Kulturen ferner Länder kennenlernen und nachhaltige Entwicklungsprojekte erleben – das ist eine besondere Kombination, die Plan International Deutschland mit seinen Patenreisen eröffnet. In Kooperation mit dem Reiseveranstalter Gebeco machen die Touren auf behutsame Weise das Leben außerhalb typischer Routen erlebbar und führen transparent Entwicklungserfolge vor Augen. Die erste Patenreise führte nach Vietnam. Jette Schultz-Süchting und Frank Schättiger begleiteten für das Kinderhilfswerk diese Visite in Südostasien – und hielten ihre Eindrücke in einem Bericht fest. Lesen nachfolgend ihren spannenden Bericht:

Neue Wege gehen – andere Welten kennenlernen


Das Haus ist kein Haus. Vielmehr ist es ein Unterschlupf, eine Art Gerüst aus Bambus mit einer einzigen Ebene, auf der sich das ganze Leben abspielt. Die Konstruktion wirkt wackelig und bei Nachttemperaturen, die im Winter auf nur +5°C fallen, ist sie auch kein Ort, um Kinder gesund aufwachsen zu sehen. Drinnen gibt es weder Betten noch Decken und die Frage steht im zugigen Raum, wo und wie dort die Familie schläft. Die Antwort ist verstörend – wie auch die Hoffnung,dass dies eigentlich nicht wahr sein kann: Es gibt weder das eine noch das andere. Die weitgereiste Gruppe ist bewegt von der offensichtlichen Armut, der Dunkelheit, die der Behausung etwas Beklemmendes verleiht, und der Vorstellung vom Winter-Monsun, der mit seinem Regennass jeden Winkel im Norden Vietnams erfasst.

13 interessierte Patinnen und Paten aus Deutschland sind zu Gast in den Plan-Projektgebieten Phú Tho und Bác Giang. Als Teil einer Rundreise, die sie vom Süden bis hierher in den Norden Vietnams geführt hat, erleben sie nun drei Tage lang, wie die Menschen abseits der Ballungszentren Ho Chi Minh-Stadt und Hanoi mit ihrem Alltag zurechtkommen. Haushaltsbücher sind beispielsweise in diesem schönen, aber oft lebensfeindlichen Umfeld eine nützliche Neuerung, die Plan International im Rahmen seiner Projektaktivitäten einführt. Mit den Büchern schmieden die Menschen Pläne für die Zukunft und halten diese schriftlich fest. Das unterstützt die Gründung kleiner Unternehmungen – wie auch die Anschubfinanzierungen durch Plan International.

Start in ein neues Leben


Für 1.050 besonders arme Familien bedeutet das Startkapital von 125 Euro den Beginn eines neuen Lebens, in dem nicht nur kurzfristige Hilfe vergeben wird. Die Plan-Paten erfahren quasi auf dem Bauernhof, wie das Kinderhilfswerk hier Hilfe zur Selbsthilfe organisiert. Etwa zum Aufbau einer Schweinezucht. Die nötigen Schritte für eine dauerhafte Verbesserung der Lebensumstände begleitet Plan, sodass die Familien wirtschaftlich bald auf eigenen Füßen stehen können. Und damit steigen auch die Erwartungen, dass ihre Kinder bald ein festes Dach über dem Kopf bekommen – zusammen mit besserer Hygiene, Ernährung und Gesundheit.

Die Aussichten auf ein geschütztes Lebensumfeld setzen sich in den Schulen fort. In den Dörfern der Provinz Phú Tho wird die Entwicklung junger Menschen unterstützt durch eine nun selbstverständliche frühkindliche Bildung. Weit oben auf Plans Entwicklungsagenda stehen die Kinderrechte und der Schutz Minderjähriger, weshalb bereits 9.500 Menschen entsprechende Schulungen erhielten. Viele Mädchen und Jungen profitierten nun von Lehrkräften, die wissen, dass Schläge keine Unterrichtsmethode sind. „Ich war beeindruckt, wie eben noch zurückhaltende Schüler plötzlich aufstehen und dich ansprechen – ganz offen und natürlich“, sagt die mitreisende Plan-Patin Gaby Holler. „Ich hatte das Gefühl, hier wachsen Kinder heran, deren Selbstbewusstsein gestärkt wird und die auch später für ihre Rechte einstehen werden.“

Kochschulen fördern die Gesundheit


Die Fahrt geht weiter durch eine Kulturlandschaft, die im Einzugsgebiet des Roten Flusses liegt, der diese Region prägt. Beim Besuch eines Kochkurses zeigen sich selbst langjährige Paten überrascht: Mit den regelmäßigen Treffen verbessert Plan International sowohl die Ernährungs- als auch die Hygienesituation. Einmal im Monat finden sich Mütter mit ihren Neugeborenen und schwangere Frauen zusammen. Im Rahmen der Treffen erörtern sie Gesundheitsprobleme, ergänzen ihr Wissen und hinterfragen scheinbar bewährte Gewohnheiten. Darunter auch gesundheitsschädliche Praktiken, wie das inzwischen beendete Füttern von Babys nur mit Wasser oder die Tradition, dass sich Frauen nach der Entbindung wochenlang nicht waschen durften. Die Stimmung ist gelöst und die Bühne bereit für den praktischen Teil: den Mutter-Kind-Kochkurs. Von Plan ausgebildete Trainerinnen gehen den Müttern zur Hand und präsentieren, wie ein abwechslungsreicher Speiseplan aus den oft nur saisonal zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln bereitet wird. Heute filetieren sie einen Karpfen und die Trainerin zeigt, wie sich auch vermeintliche Reste für eine ausgewogene Ernährung eignen. Nahrhafte Suppen und Breis entstehen im kleinen Küchenraum. Mit Angeboten wie diesen erreichte Plan seit 2010 insgesamt 4.150 Mütter, erfahren die deutschen Gäste. Dies alles mit dem Ziel, die Zahl der mangelernährten Kinder, die noch bei 17 Prozent liegt, weiter zu reduzieren.

Plan-Patin Sonja Schlüter ist selbst Ernährungscoach und an dem Projekt besonders interessiert: „Mich hat die gelungene Umsetzung von fundiertem Ernährungswissen in Theorie und Praxis beeindruckt. Insgesamt positiv überrascht war ich von der guten Strukturierung und der hohen Effektivität der Arbeit im Plan-Gebiet – das hatte ich in dieser Form nicht erwartet.“

Besuch beim Patenkind


Zur transparenten Struktur seiner Projekte zählen für Plan International auch Besuche bei den Kindern und in ihrem Lebensumfeld. Eine Visite, die schnell zum Höhepunkt der drei Tage wird. Besucher und Besuchte sollen dabei Einblicke in die jeweils andere Lebenssituation gewähren und so die andere Seite ein bisschen besser verstehen. „Man muss es erlebt haben, um für andere Menschen weitergehendes Mitgefühl zu entwickeln“, sagt Plan-Patin Simone Vosshage, die mit ihrem Mann und ihrer 13-jährigen Tochter reiste. „Worte können unsere Gefühle kaum wiedergeben“, schrieb das zehnjährige Patenkind Kim nach der Zusammenkunft auf. „Wir fühlen uns so dankbar, dass Sie eine so weite Reise gewagt haben, um uns zu sehen.“ – Eine Reise, die erstmals Patenkind und Paten, die Familie Körner aus Hessen, zusammenbrachte. Heike Körner notierte nach der Zusammenkunft: „Die kleine Kim hat heute zum ersten Mal ,Langnasen‘ – fremde Ausländer – getroffen und war sehr schüchtern. Ich hatte ein Fotobuch von unserer Familie gemacht und Sandalen mitgebracht, die gefielen ihr – das sah man. Langsam taute sie auf und fragte, ob unsere Familie gesund sei. Das entspricht unserem ,Wie geht´s?‘.“

Gemeinsam weit gekommen


Die Frage nach guter Gesundheit wird besser verständlich, wenn man weiß, welchen weiten Weg die Familien zusammen mit Behörden und dem Plan-Team hier im Projektgebiet Bác Giang gegangen sind. Heute nehmen 98 Prozent der Frauen an Schwangerschaftsuntersuchungen teil, 1997 war es nur etwa die Hälfte. Untergewicht ist nur noch bei 1,7 Prozent der Kinder festzustellen. Gab es 1997 nirgendwo Gesundheitsclubs im Projektgebiet, so sind es jetzt 133. Und mit ihnen verbesserten sich die Möglichkeiten, im Krankheitsfall versorgt zu werden. Mit dem letzten Tag im Plan-Programmgebiet endet auch die rund 2.000 Kilometer weite Rundreise mit Gebeco. Während der Kleinbus mit den ersten Vororten der Hauptstadt Hanoi auch wieder geschäftiges Treiben inmitten immer höher aufragender Wohnblocks erreicht, bleiben der Gruppe einmalige Eindrücke von einem Land – so vielfältig wie Vietnam selbst. „Ich bin nachhaltig beeindruckt“, bringt es Plan-Patin Irene Krell auf den Punkt. „Die Tour hat einen Einblick in das Leben und die Lebensbedingungen von Kindern und ihren Familien vermittelt, der ohne das Vertrauen der Patenkindfamilien sowie die kompetente und einfühlsame Begleitung durch das örtliche Plan-Team nicht möglich gewesen wäre. Für all diese Erfahrungen bin ich sehr dankbar.“

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