Herzliche Begrüßung im Dorf von Mariam.
Herzliche Begrüßung im Dorf von Mariam.

Großer Empfang unterm Cashew-Baum

Er verging wie im Fluge und wurde zum unvergesslichen Ereignis: Der Tag, an dem Hagen Jänicke zusammen mit seiner Frau Patenkind Mariam in Kenia besuchte. Der Neubrandenburger berichtet von seinen Erlebnissen in Mariams Dorf.

Patenbesuch bei Mariam

Im September dieses Jahres war es endlich soweit. Nach Absprachen mit dem Plan-Büro in Hamburg und einem Anruf im Büro der Organisation in Kwale wurden wir um neun Uhr von der Büroleiterin Rosemary und Dolmetscher Paul vom Hotel abgeholt. Zuerst ging es nach Kwale, der Zentrale von Plan in diesem Distrikt. Bei einer Tasse Kaffee unterhielten wir uns über die Projekte in diesem Gebiet und erfuhren, dass im Distrikt Kwale rund 10.000 Kinder in die Maßnahmen von Plan eingebunden sind. Bei den laufenden Projekten geht es vor allem um Bildung, Gesundheit, die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Wasser und landwirtschaftliche Fortbildung.

Geburt von Zwillingen

Mit Janet und Paul ging die Fahrt dann weiter zu Mariam. Janet ist die zuständige Mitarbeiterin für das Dorf. Zuerst besuchten wir ein Krankenhaus. Dieses war gerade erst mit Mitteln von Plan errichtet worden. Die Ärztin des Hauses zeigte uns die Patientenzimmer. Besonders gefreut haben wir uns über Zwillinge, die einen Tag zuvor dort geboren wurden. 

Zwischenstopp bei Mariams Schule

Vom Krankenhaus fuhren wir dann zur Schule. Von dort wollten wir Mariam abholen. Leider konnten wir uns den Schulunterricht nicht ansehen, da die Lehrer streikten. In der Schule kam uns dann ein kleines Mädchen entgegen. Es war Mariam - unser Patenkind. Sie war sehr schüchtern, was aber nicht verwundert. Sie ist erst sieben Jahre alt und hat das erste mal Menschen mit weißer Haut gesehen. Von der Schule aus ging es dann im Auto zum Dorf. Jetzt waren wir froh, in einem Geländewagen zu sitzen, denn es gab weder Weg noch Steg. Quer durch den Busch entdeckten wir bald die Hütten.

Herzlicher Empfang mit Stoffgirlanden

Wir waren sehr gespannt, was uns erwarten würde.  Großes Staunen! Plötzlich sahen wir bunte Girlanden. Alles war für den Besuch vorbereitet, sogar Girlanden aus Band und Stoffresten  waren zwischen den Hütten gespannt. Das ganze Dorf kam uns zur Begrüßung entgegen. Wir wurden unter einen großen Cashew-Nussbaum geführt. Das war wohl der Dorfplatz, denn hier fand alles Weitere statt. Nachdem man Stühle und Hocker gebracht hatte und wir uns gesetzt hatten, Mariam natürlich zwischen uns als Ehrengast, begrüßten uns alle Mädchen mit einem Lied.

Das ganze Dorf nimmt Anteil

Dann folgte die Vorstellung aller erwachsenen Dorfbewohner. Jeder Einzelne stand auf, nannte seinen Namen und in welchem Verwandtschaftsverhältnis er zu Mariam stand. Das ganze Dorf war miteinander irgendwie verwandt. Paul hatte einiges zu übersetzen. Zur Begrüßung erhielten wir dann von Mariams Mutti  frisch geöffnete Kokosnüsse. Der Saft schmeckte herrlich erfrischend. Mariams Mutti "Mwanatime" war extra aus Mombasa gekommen, (sie arbeitet dort) um diesen Tag für Mariam vorzubereiten und um bei ihr zu sein. Der Vater lebt getrennt von den beiden. So erfuhren wir, dass Mariam nun bei ihrer Tante lebt. Die Großmutter, die sich lange um Mariam gekümmert hatte, ist bereits verstorben.

Unterricht auch in Landwirtschaft

Die Tanten und Kinder saßen uns gegenüber. Alle sahen uns erwartungsvoll an. Mit Hilfe von Paul, der übersetzte, konnten wir miteinander reden. Wir sprachen auch über die Schule. Stolz wurde uns das Zeugnis gezeigt. Mariam hat in ihrem 1. Schuljahr gute Zensuren erhalten. Neben Englisch, Mathematik, Schreiben und Lesen hat sie sogar Unterricht landwirtschaftlichen Bereich. Die Zeit verging sehr schnell und dann wurde extra für uns ein Tisch eingedeckt. Wir staunten nicht schlecht. Die Dorfbewohner ließen es sich nicht nehmen uns reichlich zu bewirten. Es gab Reis, Maniok, Polenta, Kartoffeln, verschiedene Soßen und Geflügel. Es hat gut geschmeckt und auch Mariam hat es sich als Ehrengast gut schmecken lassen. Als das Mahl beendet und alles weggeräumt war, übergaben wir unsere Geschenke.

Freude über Luftballons

Natürlich hatten wir aus Deutschland einiges mitgebracht: T-Shirts, Schul- und Malsachen, einen Rucksack für Mariam und ihre Familie. Ein paar Kuscheltiere waren auch mit im Gepäck. Sie wurden von den Kindern gern angenommen, bis auf ein Plüsch-Meerschweinchen, das war ihnen wohl nicht geheuer. Natürlich waren wir vor unserer Fahrt ins Dorf mit Janet einkaufen. So z.B. Reis, Bohnen, Seife und noch manches mehr was im Dorf gut zu gebrauchen war und vielleicht für die Bewohner unerschwinglich ist.  Alles wurde auf den Tisch gelegt und bestaunt. Die gesamte Familie war versammelt, alle freuten sich riesig. Zum Schluss gab’s den Höhepunkt: Luftballons für die Kinder. Wir haben noch nie gesehen wie sich Kinder über einen Luftballon so freuen können, wenn er dann noch eine komische Form hatte, waren sie gar nicht mehr zu halten, ein Kichern und Lachen rundherum. Strahlende Kinderaugen überall. Wir hatten Gott sei dank einen kleinen Vorrat mitgebracht.

Souveniers aus Deutschland

Zum Schluss machten wir noch Fotos mit Mariam und ihrer Familie. Als es dann hieß, Abschied zu nehmen, wurden auch wir beschenkt. Meine Frau erhielt einen geflochtenen Korb und ich eine Matte. Wir haben uns riesig gefreut und auch alles heil und sicher nach Deutschland gebracht. Als wir dann zum Auto gingen, hat Mariam ihre Scheu das erste Mal abgelegt und meine Frau an die Hand genommen. Meine Frau  war sehr gerührt. Beim Abschied bat man uns wiederzukommen. Dieser Ausflug war eine aufregende Erfahrung für uns, die uns mit Menschen aus einer anderen Kultur näher gebracht hat. Uns hat es in Kenia so gut gefallen, dass wir nicht ausschließen, Mariam nochmals zu besuchen. Wir haben selten so nette und herzliche Menschen kennen gelernt wie in Kenia.

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