Johann Schupfner und Mariama (links), umringt von neugierigen Dorfkindern.
Johann Schupfner und Mariama (links), umringt von neugierigen Dorfkindern.

Schuhplattler in Guinea-Bissau

Das Highlight seiner Afrikareise war für Johann Schupfner eindeutig der Besuch bei seinem Patenkind Mariama in Gabu, einer nordöstlichen Region in Guinea-Bissau. Mehr als 200 Leute, sogar aus den Nachbarsdörfern, waren gekommen, um den Besucher aus St. Georgen zu begrüßen.

Höhepunkt des Urlaubs

Gleich vorab: Dieser Besuch, der anschließend an meine 14-tägige Rundreise im Senegal erfolgte, war der ultimative Höhepunkt der gesamten Reise. Was das ganze Dorf, sogar mit Leuten der Umgebung, mir für einen Empfang bereitet hat, war überwältigend, ergreifend und ein einmaliges Erlebnis.

Patenbesuch bei Mariama

Montag, der 28. November war der große Tag: Um 8.00 Uhr wurde ich abgeholt und zum Büro von Plan International gefahren, dort verschiedenen Mitarbeitern vorgestellt, darunter auch Chef Jair Salman. Ich bekam eine ausführliche Einweisung zum Land selbst, zum Verhalten während des Besuchs und eine Übersicht über die konkreten Projekte von Plan International  in den Regionen Bafata und Gabu, wo Plan hauptsächlich aktiv ist. Erst dann ging es auf die lange Fahrt. Wir fuhren 4,5 Stunden circa 220 km quer durch das ganze Land nach Osten. Die Landschaft ist ganz anders als im Senegal, viel grüner, viele Ebenen mit Reisanbau, später viele Cashewnuss-Plantagen. Die letzten 25 Kilometer nach Gabu waren ziemlich holprig. Gegen Mittag erreichten wir auf einem schmalen Weg das Dorf unseres Patenkindes.

Begegnung mit dem Dorfältesten

Als die ersten Kinder unser nahendes Geländeauto erblickten, wurde es lebendig im Dorf. Von allen Seiten strömten die Leute herbei, um den ersten Europäer in diesem Jahr in ihrem Dorf zu sehen und zu begrüßen. Ich schüttelte unzählige Hände, natürlich zuerst die der mir vorgestellten Dorfältesten. Dann fragte man mich, ob ich die bescheidene an der Seite stehende junge Frau wiedererkenne. Mariama war äußerst schüchtern und sehr aufgeregt. Auch der Vater, die Mutter und die vielen Geschwister von Mariama wurden mir vorgestellt. Der Leiter des Projektbüros Gabu fungierte als mein Dolmetscher, weil auch er wie die Leute hier von den Peulh - einem westafrikanischem Hirtenvolk - ist und von allen Plan-Mitarbeitern das beste Englisch sprach. Dann gingen wir zu den uns angebotenen Stühlen, wo wir sofort von mehr als 200 Männern, Frauen und vor allem Kindern umringt waren. Auch Leute aus den Nachbarsdörfern waren gekommen. Ich zeigte Mariama auf meinem Handy einige Bilder und ein Video mit meinem Enkel Fabian, wie er mit seinem Trachtenverein D‘Auerbergler den Schuhplattler „Vogelfanger“ tanzt.

Andere Länder, andere Familienkonstellationen

Wir betraten den eingezäunten Hof der Großfamilie von Mariama. In der Zwischenzeit hatte ich auch in Erfahrung gebracht, dass sie mindestens acht Geschwister von zwei Frauen ihres circa 50-jährigen Vaters Tumango hat. Später fand ich aber heraus, dass da noch ein paar ältere Brüder sind, einer schon verheiratet. Die wahre Kinderanzahl sagt man bei den Peulh nicht, denn das bringt Unglück. Das wusste ich schon von unserem Senegal-Begleiter. Ich durfte in das gemauerte Haus schauen, wo Mariama im Doppelbett bei ihrer Mutter schläft mit einer weiteren Frau und einem Mädchen.

Mariamas Zukunft

Auf meine Fragen nach der Zukunft meines Patenkindes, erfuhr ich, dass es nur eine Elementarschule mit vier Klassen gibt, aber die Gemeinde mit Plan zusammen daran arbeitet, eine weiterführende Schule für die 5. und 6. Klasse zu bekommen. Es gibt zwar eine, aber da müsste Mariama jeden Tag circa 10 km und zum Teil bei Dunkelheit gehen. Da ist ihr Vater noch dagegen, weil es sehr gefährlich ist. Vergewaltigungen sind häufig. Die Plan-Mitarbeiter meinen, dass es sicherer ist, wenn die Kinder zusammen den Weg gehen, denn die neue Schule kommt für Mariama wahrscheinlich zu spät. Schließlich muss die Regierung die Lehrer stellen, Plan baut nur das Gebäude mit Einrichtung.


Geschenke für alle

Ich zeigte Mariama Bilder von mir und meiner Familie und gab ihr die anderen mitgebrachten Geschenke, vor allem Stifte, Blöcke, Luftballons, Täschchen und einen Fußball. Die Geschenke behielt Mariama erst einmal für sich, um sie dann später an die anderen Kinder zu verteilen. Die persönlichen Geschenke, Halsketten aus dem Senegal, blieben aber bei ihr. Der Vater freute sich ganz besonders über die islamische Gebetskette, die ich ihm aus der heiligen Stadt Touba mitgebracht hatte.


Feierlichkeiten auf dem Dorfplatz

Wir gingen zum Dorfplatz zurück, wo schon die Musik in Gestalt von 3 Trommlern spielte. In der Mitte tanzten dann abwechselnd Frauen, auch Mariama erwies sich als begabte Tänzerin. Dabei sah ich auf ihrem T-Shirt, dass sie zur Feier des Tages angezogen hatte, dass sie ein Fan von Real Madrid ist. Nach einer Weile brachten sechs Frauen in sechs Schüsseln das Essen - Reis, Couscous, Mais, Milch und obenauf überall Fleisch von der Ziege, die sie extra für mich geschlachtet hatten. Das beste Stück, einen Schlegel, erhielt ich als Geschenk mit auf den Weg. Die Frauen zogen sich dann zurück und wir Männer aßen mit den Fingern.


Großer Fortschritt dank Plan

Nach dem Essen unterhielten wir uns noch über die verschiedensten Lebensumstände in der Region. Der Dorfchef erneuerte seine Wünsche an Plan-Chef Jair Salman, der in enger Zusammenarbeit  mit der Gemeinde Verbesserungen vorantreibt, aber auch klar stellte, dass alles nur Schritt für Schritt möglich sei. Vor zehn Jahren, so betonte er, hätte Mariama zum Beispiel noch nicht zur Schule gehen können, während sie heute dank Unterstützung von Plan lesen, schreiben und rechnen kann.

Dann hieß es, Abschied nehmen. Wieder musste ich unzählige Hände schütteln, auch noch vielen, die bei der Begrüßung noch zu scheu dazu waren. Wir fuhren dem Sonnenuntergang entgegen und hielten mehrmals an, denn der Himmel wurde glutrot - ein Schauspiel.


Ja, ich möchte in Guinea-Bissau helfen!


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