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Ägypten - Mädchen vor Beschneidung schützen

Die Projektregionen Sohag und Qena gelten als die konservativsten und traditionellsten Gebiete Ägyptens. Sowohl weibliche Genitalverstümmelung/- beschneidung (FGM/C*) als auch Kinderheirat sind schädliche traditionelle Praktiken, die in den Gemeinden dort tief verwurzelt sind. Beide Praktiken stellen gravierende Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen dar, die konsequent bekämpft werden müssen. Laut einer Umfrage von USAID im Jahr 2015, bei der verheiratete Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren befragt wurden, waren in Oberägypten fast 92 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe beschnitten. Auch die Frühverheiratung ist in Ägypten weit verbreitet. Zu den Hauptgründen für Kinderheirat gehören neben Armut und dem Festhalten an sozialen Normen und Rollenbildern auch mangelnde Bildung sowie religiöse Bräuche und nicht ausreichende Gesetze.

Mit dem Projekt "Mädchen vor Beschneidung schützen" wollen wir junge Menschen darin stärken, ihre sexuellen und reproduktiven Rechte wahrzunehmen und selbstbestimmte Entscheidungen über ihr Leben und ihren Körper zu treffen. In diesem Zusammenhang organisieren wir verschiedene Aufklärungsveranstaltungen in den Gemeinden, um ein nachhaltiges Bewusstsein für die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu schaffen und um über die negativen Folgen von schädlichen Praktiken wie FGM/C und Frühverheiratung zu informieren. Ziel ist es, dass sich die Mädchen und Jungen selbst für ihre Rechte und die Abschaffung dieser Praktiken einsetzen. Gleichzeitig ist es wichtig, auch die Familien sowie einflussreiche Gemeindemitglieder in die Projektaktivitäten miteinzubeziehen, um ein unterstützendes Umfeld zu schaffen. Denn Eltern und Betreuungspersonen, vor allem die Väter und Großmütter, haben einen entscheidenden Einfluss darauf, ob Kinderheirat oder weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung (FGM/C) in ihren Familien praktiziert werden.

Das Projekt unterstützt folgende Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)
Projektzeitraum

von Juli 2022
bis Juni 2025

Zielgruppe

Junge Menschen sowie deren Familienmitglieder in den Projektregionen Sohag und Qena

Unterstützen auch Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende! Vielen Dank.

Spendenkonto
Stiftung Hilfe mit Plan
IBAN: DE12 3702 0500 0008 8757 07
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: EGY100448

So hilft das Projekt

Maßnahmen auf einen Blick

  • Trainings für 40 Gemeindeberater:innen zu Kinderrechten, Sexualerziehung und Gleichberechtigung
  • Aufklärung von Eltern, Großmüttern und traditionellen Autoritäten über sexuelle und reproduktive Rechte und die negativen Folgen von Frühverheiratung und FGM/C
  • Gründung von 32 Spargruppen
  • Aufklärungskampagnen wie Sportveranstaltungen und Theateraufführungen zu Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und schädlichen kulturellen Normen
  • Einrichtung von acht sicheren Räumen
  • 24 Gesundheitsinitiativen zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung

Ausführliche Projektbeschreibung

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  • Aufklärung von Kindern und Jugendlichen

Damit sich junge Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen, im Bereich der Sexualität und Familienplanung frei entfalten sowie selbstbestimmte Entscheidungen über ihren Körper treffen können, ist es wichtig, sie über ihre Rechte sowie Themen rund um Sexualität aufzuklären. In diesem Zusammenhang nehmen 40 Gemeindeberater:innen an mehreren Schulungen teil, in denen sie sich mit verschiedenen Themen wie etwa Kinderrechten, Schutz vor Gewalt und Missbrauch, sexuelle Aufklärung von Jugendlichensowie Gleichberechtigung beschäftigen. Zudem lernen sie verschiedene Beratungsmethoden, um Mädchen und Jungen beispielsweise mithilfe von Kunst oder dem Einsatz von Medien auf spielerische und kreative Weise über ihre sexuelleund reproduktive Gesundheit und Rechte sowie die negativen Folgen von schädlichen kulturellen Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung und Kinderheirat zu informieren. Ziel der Aufklärungsarbeit ist es, Kinder und Jugendliche dazu zu befähigen, sich selbst gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und negative Normen einzusetzen und sich für ihre Rechte starkzumachen.

Foto © Plan International | Informationsveranstaltung in Qena. Die Einbeziehung von Vätern und Großeltern ist essenziell bei der Bekämpfung von FGM/C.

  • Sensibilisierung von Eltern, Betreuungspersonen
    und Großmüttern

Eltern und Betreuungspersonen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die sexuelle Aufklärung von Mädchen und Jungen geht. Daher nehmen 600 Eltern an Trainings zu positiver Elternschaft teil. Dabei schaffen wir ein grundlegendes Verständnis für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Jugendlichen. Zudem haben Erfahrungen aus anderen Projekten gezeigt, dass besonders wirksam ist, auch speziell Väter in die Aktivitäten einzubinden. Denn als Familienoberhaupt entscheiden sie, wann und wen ihre Töchter heiraten. In diesem Zusammenhang schulen wir 80 Väter zu den negativen Auswirkungen von FGM/C und Kinderheirat und sensibilisieren sie für die Rechte von Mädchen. Weiterhin hat eine Gemeindebefragung gezeigt, dass auch die Großmütter einen entscheidenden Einfluss darauf haben, ob Frühverheiratung oder weibliche Genitalbeschneidung in ihrer Familie praktiziert wird. Da es erfahrungsgemäß schwierig ist, diese Zielgruppe zu erreichen, arbeiten wir mit einflussreichen Gemeindemitgliedern wie traditionellen und religiösen Autoritäten, Ärzt:innen oder Anwält:innen zusammen, die insgesamt 800 Großmütter über die negativen Folgen dieser schädlichen Praktiken aufklären.

 

Foto © Plan International | Kinder und ihre Eltern bei einem Familientag im Rahmen des Projekts "Girls Decide: Mein Körper, meine Rechte".

 

  • Förderung des Austausches zwischen den Generationen

Um die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern über sensible Themen zu verbessern und ein gegenseitiges Verständnis zu fördern, führen wir 40 generationsübergreifende Dialoge sowie zwei Familiencamps durch. Ziel der Veranstaltungen ist es, zum einen Mütter, Väter und ihre Kinder auf interaktive Weise über Themen wie Verhütung, Familienplanung und geschlechtsspezifische Gewalt zu informieren und zum anderen in einem geschützten Rahmen Diskussionen zwischen den Generationen anzuregen, sodass gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, um die sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte von Jugendlichen zu stärken.

Foto © Plan International | Die Mitgliedschaft in einer Spargruppe ermöglicht Frauen finanzielle Unabhängigkeit.

 

  • Wirtschaftliche Stärkung von Frauen

Neben sozialen Normen und kulturellen Praktiken sind Armut und fehlende Einkommensmöglichkeiten weitere Ursachen, die zu Frühverheiratung und anderen Formen von Geschlechterdiskriminierung beitragen. Deshalb fördern wir im Rahmen des Projekts die Gründung von 32 Spargruppen. Dadurch wollen wir insgesamt 320 Frauen ermöglichen, gemeinsam Geld anzusparen und Kredite für Investitionen oder die Gründung von Kleinstunternehmen zu erhalten. Zusätzlich werden die Gruppentreffen auch dazu genutzt, um die Mitglieder über Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie die negativen Auswirkungen von FGM/C und Frühverheiratung aufzuklären und einen Austausch darüber zu fördern.

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR)

Der Fachausdruck „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ meint das uneingeschränkte körperliche und seelische Wohlbefinden in Bezug auf alle Bereiche der Sexualität und Fortpflanzung des Menschen. Damit ein solches Wohlbefinden erreicht werden kann, müssen bestimmte Rechte verwirklicht sein. Dazu gehören beispielsweise das Recht auf Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen im Bereich Sexualität und Fortpflanzung, das Recht auf Informationen zu Fragen der Sexualität sowie auch das Recht, selbst über eine Schwangerschaft entscheiden zu können. Diese sogenannten „sexuellen und reproduktiven Rechte“ sind Menschenrechte, die allen Menschen gleichermaßen zustehen.

Foto © Plan International

 

  • Sichere Räume für Jugendliche schaffen

Im Rahmen des Projekts richten wir acht sichere Räume in den Gemeinden ein, in denen junge Menschen Informationen zu Fragen der sexuellen Gesundheit und geschlechtsbasierter Gewalt erhalten. Dort können sich Mädchen und Jungen aus verschiedenen Altersgruppen in einem geschützen Rahmen über sensible Themen wie Familienplanung, Verhütung und Geschlechtskrankheiten austauschen. Zudem wollen wir die Jugendlichen mithilfe von Spielen und anderen Aktivitäten für die negativen Konsequenzen von FGM/C und Frühverheiratung sensibilisieren und mit sozialen Stigmata, die vor allem Mädchen in ihren Rechten einschränken, aufräumen.

 

Foto © Plan International

 

  • Gesundheitsversorgung verbessern

Aus den Erfahrungen früherer Projekte geht klar hervor, dass es besonders in ländlichen Gemeinden in Oberägypten an jugendfreundlichen und geschlechtssensiblen Gesundheitsangeboten sowie an qualifiziertem Gesundheitspersonal fehlt. Dies wirkt sich vor allem negativ auf das Leben von Mädchen und jungen Frauen aus, beispielsweise bei Themen wie Familienplanung und Menstruationshygiene. Um den jungen Menschen dort, vor allem Mädchen und jungen Frauen, Zugang zu altersgerechten Gesundheitsleistungen sowie Informationen über ihre sexuellen und reproduktiven Rechte zu ermöglichen, führen wir insgesamt 24 Gesundheitsinitiativen durch, mit denen wir ca. 7.200 Mädchen, Jungen, Frauen und Männer erreichen wollen. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise geplant, dass Gesundheitsfachkräfte in den Gemeinden kostenlose Untersuchungen durchführen.

Foto © Plan International I Eine Gruppe von Mädchen macht Rollenspiele zum Thema Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte.

 

  • Aufklärungskampagnen in den Gemeinden

Wir möchten im Projektbezirk ein nachhaltiges Bewusstsein für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Kindern und Jugendlichen schaffen und über die Folgen von schädlichen Praktiken wie Kinderheirat und weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung informieren. Damit wollen wir erreichen, dass sich die Gemeinschaft insgesamt stärker engagiert, um sich für die Beendigung dieser Praktiken einzusetzen und die Rechte von Mädchen und Jungen zu fördern. In diesem Zusammenhang setzen wir verschiedene Aufklärungskampagnen in den Gemeinden um. Beispielsweise organisieren zuvor geschulte Jugendliche selbstständig 16 Gemeinschafts­initiativen, in denen sie auf kreative Weise, also etwa mithilfe von Theaterstücken, Plakaten oder inspirierenden Gruppenvorträgen positive Botschaften über sexuelle und reproduktive Gesundheit in den Gemeinden verbreiten. Zudem veranstalten wir Freizeittage wie Sportveranstaltungen und nutzen internationale Feiertage wie etwa den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, um möglichst viele Gemeinde­mitglieder aus verschiedenen Altersgruppen zusammenzubringen und über Themen wie Verhütungsmethoden, Prävention von Geschlechtskrankheiten sowie sexuelle und geschlechtsbasierte Gewalt aufzuklären. Darüber hinaus nehmen 40 Kinder und Jugendliche an einer Schulung zur Entwicklung von Social-Media-Kampagnen teil. Dort lernen sie unter anderem, wie sie Menschen interviewen, die sich für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Mädchen und Jungen starkmachen und wie sie deren Geschichten und Botschaften für verschiedene Social-Media-Kanäle aufbereiten.

Foto © Plan International | Mädchen werden dabei unterstützt, selbst für ihre Rechte einzutreten.

 

  • Nachhaltigkeit

Um die Nachhaltigkeit der durchgeführten Aktivitäten auch über das Projektende hinaus zu gewährleisten, verfolgen wir beispielsweise den Ansatz „Akteur:innen des Wandels“, bei dem verschiedene Personengruppen geschult werden, um in Trainings erworbene Wissen an andere Gemeindemitglieder weiterzugeben und sie für Themen wie etwa sexuelle und reproduktive Rechte, Gleichberechtigung und die negativen Folgen von FGM/C und Frühverheiratung zu sensibilisieren. Auf diese Weise wird nicht nur die Reichweite der verschiedenen Aufklärungsmaßnahmen vergrößert, sondern ebenso sichergestellt, dass auch nach Beendigung des Projekts noch Informationen zu relevanten Projektthemen innerhalb der Gemeinden weitergegeben werden. Weiterhin wenden wir auch Methoden an, die sich in anderen Projekten gegen weibliche Genitalverstümmelung als wirksam erwiesen haben. So beziehen wir etwa auch speziell Männer und Jungen in die Projektaktivitäten ein, sodass sie lernen stereotype Rollenbilder und ungleiche Machtdynamiken in ihrem Umfeld zu hinterfragen und zu bekämpfen. Dadurch sollen bestehende soziale Normen, die zu Geschlechterdiskriminierung beitragen nachhaltig verändert und die Ablehnung von schädlichen traditionellen Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung und Kinderheirat gefördert werden. Die Gründung von Spargruppen bietet jungen Frauen zudem eine nachhaltige Möglichkeit, um gemeinsam Geld anzusparen. Durch die finanzielle Unabhängigkeit können sie ein selbstbestimmtes Leben führen und müssen beispielsweise nicht aufgrund von wirtschaftlicher Not heiraten.

Unterstützen auch Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende, um Mädchen in Ägypten vor Beschneidung und Frühverheiratung zu schützen.

1.011 €

kostet es eine Aufklärungskampagne durchzuführen, bei der Jugendliche andere Mädchen und Jungen über die Folgen von schädlichen Praktiken wie FGM/C und Kinderheirat informieren

1.263 €

benötigen wir, um 50 Kindern von zuvor geschulten Gemeindeberater:innen eine umfassende Sexualerziehung zu ermöglichen

5.255 €

kosten z.B. acht Aufklärungsgespräche mit 160 einflussreichen Gemeindemitgliedern, damit sie die Abschaffung von weiblicher Genital­verstümmelung unterstützen.

8.084 €

brauchen wir für die Organisation von generationsübergreifenden Dialogen mit 800 Teilnehmer:innen.

Spendenkonto
Stiftung Hilfe mit Plan
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BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: EGY100448

Projektbericht

Erfahren Sie mehr über die Fortschritte des Projekts.

 

Weitere Berichte

Ausführliche Projektbeschreibung

* FGM/C = Female Genitale Mutilation/Cutting

Hinweis: Die Bilder stammen z.T. aus ähnlichen Plan-Projekten im Land.