Sport schafft sichere Schulen in Hanoi

In Hanoi in Vietnam erleben viele Kinder Gewalt – in der Familie, in der Schule oder auf dem Schulweg. Mädchen werden häufig diskriminiert. Diskriminierung hindert Mädchen auch daran, Sport zu treiben. Deshalb fördern wir in diesem Projekt Sportangebote für Mädchen und Jungen an 20 Sekundarschulen im Stadtgebiet Hanoi. Dabei stärken die Kinder ihr Selbstbewusstsein, lernen, was Gleichberechtigung bedeutet, und wie sie sich gegen Gewalt und Diskriminierung einsetzen können. Rund 20.800 Schüler:innen profitieren von diesen Aktivitäten.

Ziele:
  1. Gleichberechtigter Zugang zu Sportangeboten für Mädchen und Jungen (11-15 Jahre)
  2. Förderung der Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit an Schulen
  3. Verbesserter Kinderschutz
Maßnahmen:
  1. Gründung von Sportclubs an 20 Projektschulen
  2. Aufbau von kindgerechten und sicheren Sportstätten
  3. Schulungen für Lehrkräfte zu geschlechtersensiblen und inklusiven Lehrmethoden im Sportunterricht
  4. Sensibilisierung von Eltern für die Bedeutung von Sport und Gleichberechtigung

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Was uns in Vietnam erwartet

In der Großstadt Hanoi erfahren Kinder häufig körperliche und emotionale Gewalt. In einer Studie* sagten mehr als zwei Drittel der Kinder, dass sie Gewalt in der Familie erleben. Aber auch in den Schulen finden körperliche und seelische Verletzungen, Diskriminierung und sexuelle Übergriffe statt. Besonders Mädchen sind gefährdet. Diskriminierung hindert Mädchen auch daran, Sport zu treiben. So denken sie oft sogar selbst, dass sie nicht stark oder schnell genug sind, um beispielsweise Fußball oder Basketball zu spielen. Diese Ansichten sind auch unter Eltern und Lehrkräften verbreitet und führen dazu, dass nur wenige Mädchen an  Sportangeboten teilnehmen. Insgesamt gibt es in Hanoi nur selten gut ausgestattete Turnhallen oder Sportplätze.

Projektaktivitäten November 2021 - April 2022

Im Dezember 2021 führten wir eine zweitägige Auffrischungsschulung für 54 Schulleitungen und Lehrkräfte durch, die die Sportclubs in den Schulen leiten. Themen waren  Kinderschutz und Geschlechtergleichstellung sowie neue Online-Moderationstechniken. Die Schulungen stärkten die Fähigkeiten der Lehrkräfte, die Mädchen und Jungen zum  Sport zu motivieren und dabei auch benachteiligte oder gefährdete Schüler:innen mit einzubeziehen. 

Eine Lehrerin aus Ba Vi berichtet:

„Das Training mit den praktischen Methoden und Hilfsmitteln war wirklich nützlich. Ich bin jetzt zuversichtlich, dass ich die Projektaktivitäten durch Gruppendiskussionen und Spiele weiter voranbringen kann. Vor allem sind wir jetzt auch sicherer mit den Online- Tools und der Software.“

An eintägigen Orientierungsworkshops nahmen im Dezember und Januar 1.027 Lehrer:innen und Schulpersonal aus den 20 Projektschulen teil. In den Workshops vermittelten  wir ihnen wichtige Kenntnisse zu Kinderschutz, Gewaltprävention und Geschlechtergleichstellung. In Planung waren zum Zeitpunkt der Berichterstellung auch Schulungen  speziell für Sportlehrer:innen, um sie bei der Umsetzung eines sicheren und inklusiven Sportunterrichts zu unterstützen.

Im Zeitraum von November bis April trafen sich die 20 Champions-of-Change-Sportclubs weiterhin wöchentlich, allerdings fanden die Zusammenkünfte wegen der Corona-Pandemie zunächst online statt. Ab April konnten sich die insgesamt 1.508 Schüler:innen aber wieder in Präsenz an ihren Schulen treffen. In den 60- bis 90-minütigen Veranstaltungen beschäftigten sich die Jugendlichen mit Themen wie Gleichberechtigung, geschlechtsspezifischer Gewalt, Kinderschutz und Lebenskompetenzen. Außerdem  stärkten sie ihre Kommunikationsfähigkeiten im Rahmen von Gruppenarbeiten, Spielen, Vorträgen und Diskussionen.

Die 14-jährige Nguyen sagt:

„Ich hoffe, dass sich das Projekt auf das ganze Land ausweitet, damit Mädchen nicht mehr durch Geschlechterstereotype  eingeschränkt werden und Männer und Frauen die gleichen Rechte haben. Ich möchte eine Botschaft an alle senden: Frauen und  Mädchen haben die gleichen Möglichkeiten zu lernen und ihr Wissen zu verbessern – genauso wie Männer und Jungen.“

Im April veranstalteten wir im Distrikt Ba Vi Sportfeste an neun Schulen. 6.434 Schüler:innen, darunter 3.002 Mädchen, nahmen daran teil. Bei den Veranstaltung legten wir besonderen Wert auf die Gleichstellung der Geschlechter und darauf, Schüler:innen mit Behinderungen und Jugendliche aus ethnischen Minderheiten mit einzubeziehen. Außer Kindern und Jugendlichen nahmen 334 Eltern und 405 Lehrkräfte an den Veranstaltungen teil. Neben Theateraufführungen und Quizspielen, die für Geschlechtergerechtigkeit, Gewaltprävention und Kinderschutz sensibilisierten, fanden Sportspiele, wie Fußball, Tauziehen und Sackhüpfen statt. Auch dabei achteten wir auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Mädchen und Jungen, mit dem Ziel, die Beteiligung von Mädchen bei allen sportlichen Aktivitäten weiter zu fördern.

Im Zeitraum Januar bis März organisierten wir in 54 Schulen der Distrikte Ba Vi und Ha Dong fünf dreitägige Online-Kurse für insgesamt 108 Schulberater:innen (85 Frauen, 23 Männer). Ziel der Kurse war es, die Fähigkeiten der Berater:innen zu stärken und ihr Verständnis für die Aufgaben und Verantwortung zu fördern. In den Kursen lernten die Teilnehmer:innen, wie sie bei Fällen von Gewalt richtig reagieren und wie sie Schüler:innen bei verschiedenen Problemen unterstützen. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind aktives Zuhören, das Formulieren der richtigen Fragen, Feedback geben, mitfühlende Kommunikation und das Bereitstellen von Informationen und Hilfe. Diese Fähigkeiten trainierten die Teilnehmer:innen während der Schulung in verschiedenen Situationen der Einzel- und Gruppenberatung.

In Folge der intensiven Zusammenarbeit mit dem vietnamesischen Bildungsministerium traf dieses im April die Entscheidung, dass in den Schulen sichere und inklusive Sportstätten etabliert werden sollen und dass der Sportunterricht gemäß Lehrplan die Gleichberechtigung fördern und Schüler: innen mit Behinderungen und Kinder aus ethnischen Minderheiten mit einbinden soll. Dieser Beschluss hat eine positive und nachhaltige Bedeutung für den Projekterfolg.

Exemplarische Projektkosten

Kinder im Sportunterricht
Kinder im Sportunterricht ©Plan International

120 EUR:
kosten zehn Handtücher für den Sportunterricht an Schulen

610 EUR:
werden für ein zehntägiges Training für eine Sportlehrkraft benötigt

1.500 EUR:
kostet die Organisation eines Sportevents an einer Schule

3.050 EUR:
brauchen wir für die Errichtung eines Sportplatzes an einer Schule


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