Mit Gebeco und Plan International nach Nepal

Trotz der Erdbeben im Frühjahr 2015 ist das Ehepaar Ordnung im Oktober desselben Jahres mit auf die Patengruppenreise nach Nepal mitgefahren. Sie haben es nicht bereut und fanden es bereichernd in jeder Hinsicht. Lesen nachfolgend ihren spannenden Bericht:

Seit 2005 unterstützen wir Plan als Paten und haben seitdem schon einiges erlebt.

  • 2012 haben wir unser Patenkind in Vietnam besucht und gesehen, wie vor Ort gearbeitet wird,
  • 2014 waren wir mit anderen Aktionsgruppenmitgliedern in Mansa im Norden von Sambia und haben dort das Because I am a Girl –Projekt „Berufliche Perspektiven eröffnen“ besucht,
  • 2015 waren wir im Rahmen einer Plan-Patenreise in Nepal. Und das, obwohl wir kein Patenkind in Nepal haben.

Der erste Teil: die touristischen Highlights Nepals


Die Reise nach Nepal vom 18.10. bis 30.10.2015 hatten wir bereits im Januar 2015 gebucht. Im April und Mai passierten die Erdbeben, die große Zerstörungen in Nepal verursacht haben. Gerade auch im Projektgebiet Makwanpur, das wir mit Plan besuchen wollten. Natürlich haben wir überlegt, ob wir die Reise antreten sollen. Am Ende haben wir uns dafür entschieden und es nicht bereut. Gebeco, der Kieler Länderspezialist für Gruppen- und Individualreisen, hat die Rundreise durch Nepal sehr gut organisiert.
Neben Kathmandu und dem Durbar Square mit seinen nach dem Erdbeben für Touristen wieder zugänglich gemachten Palästen und Tempeln, besuchten wir die buddhistische Stupaanlage von Swayambunath und Pashupatinath, den Verbrennungsort am Bagmati-Fluss und heiligsten Tempel für die Hindus. In der ehemaligen Königsstadt Bhaktapur haben wir gesehen, welche Anstrengungen von den Nepalesen unternommen werden, die nach dem Erdbeben zerstörten Tempel und Anlagen für Besucher wieder herzustellen. Viele Einwohner leben nach wie vor in Zelten und wissen nicht, wo sie ihre Häuser wieder aufbauen können.
Über Pokhara, wo wir zum Beispiel in Sarangkot einen Sonnenaufgang über den Gipfeln des Annapurnamassivs beobachten konnten, ging es nach Bandipur, einem Bergdorf auf dem Weg in den Chitwan-Nationalpark. Dort konnten wir unter anderem ein Nashorn in freier Wildbahn beobachten, Blutegel am Körper „erleben“ und auf Elefanten reiten.

Das erste Kennenlernen von Plan Mitarbeitern


Nach unserer bis dahin schon sehr erlebnisreichen Rundreise durch Nepal ging es weiter nach Hetauda, der größten Stadt  im Distrikt Makwanpur. Hier sollte der von allen mit großer Spannung erwartete wichtigste Teil unserer Reise, der Besuch von Plan-Projekten und das Treffen mit den Patenkindern stattfinden. Zwei volle Tage waren dafür eingeplant.
Wir trafen uns am frühen Abend mit den Plan-Mitarbeitern aus Nepal und Hamburg zu einem Meeting im Hotel. Von den nepalesischen Plan-Mitarbeitern wurden wir ganz herzlich, entsprechend ihrer Tradition, begrüßt. Nach der Grußgeste „Namasté“ -„Ich grüße das Göttliche in dir“- wurde auf unsere Stirn mit roter Pulverfarbe der Segenspunkt, ein Tika, aufgebracht. Danach bekamen wir einen traditionellen Seidenschal um den Hals gelegt und einen Blumenstrauß überreicht.
Nach den einführenden Worten der Plan-Mitarbeiter aus Hamburg erfuhren wir Wissenswertes über die Arbeit von Plan in Nepal und speziell im Projektgebiet Makwanpur, das wir an den nächsten zwei Tagen besuchen sollten. Nach dem offiziellen Teil konnte man bei Kaffee und Tee miteinander ins Gespräch kommen, individuelle Fragen stellen und das Gehörte verarbeiten.

Der Besuch im Projektgebiet in der Nähe von Namtar


Am ersten Tag besuchten wir drei Dörfer. Interessant und für uns ganz ungewohnt war schon die Anreise zum ersten der Dörfer – nach der gut ausgebauten Passstraße ging es über eine  enge, teilweise nur einspurig befahrbare, unbefestigte Straße weiter. Im Dorf angekommen sahen wir uns zuerst die von Plan gebaute Wasserversorgung an. Für jeweils sieben Familien gab es eine Wasserstelle. Alle Wasserstellen befanden sich entlang der Dorfstraße. Weiter ging es dann zur Gesundheits- und  Geburtsstation.  Hier wurden wir ganz herzlich von Mitarbeitern und dem Schulleiter der örtlichen höheren Schule begrüßt. Es gab wieder Blütenketten, rote Punkte und Blumensträuße. Der Schulleiter gab uns einen kurzen Überblick über das Konzept der Gesundheitsstation und die zunehmende Akzeptanz durch die Bevölkerung in den letzten Jahren. 22,4 Prozent der Entbindungen fanden 2014 in der Geburtsstation statt. 2010 waren es nur neun Prozent. Dadurch ist zum Beispiel die Kinder- und Müttersterblichkeit in den letzten Jahren stark gesunken. Wir sahen uns die Räumlichkeiten an und übergaben zum Abschluss unseres Besuches unser mitgebrachtes Geschenk, einen Wasserfilter, der dringend benötigt wurde. Herzlich wurden wir verabschiedet.

Die Spargruppe war wirklich beeindruckend


Weiter ging es die Dorfstraße entlang zum nächsten Projekt, einer Spargruppe. Die Frauen der Gruppe begrüßten uns ebenfalls traditionell. Wir hatten den Hals voller Blumenketten.
Voller Stolz wurde uns die Bankfiliale mit dem Tresor gezeigt, die die Spargruppe mit Unterstützung von Plan gebaut hat. Im an die Bank angrenzenden Raum versammelten wir uns dann alle und die Sprecherin der Spargruppe berichtete uns von der Arbeit der Gruppe und ihren Erfolgen. So wurden Kredite zum Beispiel ursprünglich nur an Frauen vergeben. Heute nehmen viele junge Männer Kredite auf, um dann ins Ausland zu gehen und dort zu arbeiten. Nachdem noch unsere Fragen beantwortet worden waren, mussten wir uns leider auch schon wieder verabschieden..

Auf dem Weg zu den Autos kamen wir an kleinen Geschäften neben der Bank vorbei. Die Schneiderei und einige kleine Läden konnten mit Hilfe von Krediten der Spargruppe aufgebaut werden. In einem der Läden kauften wir dann noch ein paar Kleinigkeiten ein.

Trotz Notunterkunft bunter Tanz


Wir fuhren wieder zurück durch das Flussbett und dann über die etwas abenteuerliche Straße bis zur Weggabelung. Auf der Asphaltstraße ging es dann über Serpentinen hinauf zum Pass auf 2500 m Höhe.

Kurz vor der Passhöhe besuchten wir das zweite Dorf. Durch das Erdbeben im April waren die Häuser zerstört worden und nun lebten die Bewohner in Zelten und Wellblechbaracken. Die Regierung hatte zwar versprochen, die Erdbebenopfer zu unterstützen, aber bis zum Zeitpunkt unseres Besuches hatte sich noch nichts getan.

An einer der ersten Baracken befand sich ein großes Plakat. Auf ihm wurde mitgeteilt, dass es sich hier um eine Notunterkunft handelt und wie man sich untereinander verhalten sollte. Da sich das „provisorische Dorf“ abseits der Zivilisation befand, gab es Strom über eine Photovoltaikanlage und Wasser über einen Schlauch. Trotz der widrigen Umstände unter denen die Bewohner hier lebten, wurden wir auch hier ganz herzlich begrüßt und mit Blumen geschmückt.

Nach der Begrüßung stellten sich die Kinder des Dorfes in Reih’ und Glied auf. Auch die Erwachsenen waren versammelt und standen etwas abseits. Einige Mädchen in farbenfrohen Kleidern führten uns einen Tanz vor. Alle, auch die Zuschauer, waren mit Begeisterung dabei. Am Ende, das etwas abrupt war, da die Batterien des CD-Players entladen waren, gab es riesigen Applaus.

Anschließend sahen wir uns etwas um. Plan hat in diesem Dorf ein „Child Friendly Space“ eingerichtet. In dem kinderfreundlichen Bereich können die Kinder die Ereignisse der Vergangenheit mit Liedern, Tänzen und Spielen aufarbeiten. Es gibt Bereiche, in denen Kinder, deren Schulen zerstört oder beschädigt worden sind, dennoch  lernen können. Damit wird weiterhin ein geregeltes Leben gewährleistet.
Nach einem kleinen Fußballspiel verabschiedeten wir uns mit Süßigkeiten, Stiften und Luftballons von den Kindern des Dorfes.

Da es in Nepal gegen 18 Uhr dunkel wird und wir noch ein Dorf besuchen wollten, machten wir uns nach dem Mittagessen und einem Kaffee schnell wieder auf den Weg.

Wir besuchten eine weitere Notunterkunft, die  nur über einen kleinen Aufstieg über einen kleinen Berg zu erreichen war. Auch hier wurden uns „die Child Friendly Spaces“ gezeigt, die Plan für die Betreuung der Kinder eingerichtet hatte. Sehr emotional und bewegend waren die Tänze und das Willkommen der Bewohner, die uns mit selbst gebranntem Reisschnaps versorgten.
Beim Abendessen in einem Lokal außerhalb von Hetauda ließen wir den Tag Revue passieren. Das heutige Besuchsprogramm hat uns alle stark beeindruckt. Zum einen die herzliche Begrüßung durch die Dorfbewohner, als auch die Arbeit, die Plan vor Ort leistet.

Der Besuch in der Schule


Nach dem Frühstück ging es los. In den großen Taschen und Beuteln waren  Geschenke für die Patenkinder und deren Eltern und natürlich auch für die Schule. Auf der Dorfstraße vor der Schule wurden wir bereits erwartet. Das ganze Dorf schien da zu sein.  Vom Schulleiter erhielten  wir ein Tika, dann einen Seidenschal und von jungen Mädchen die  Kette aus Tagetesblüten. Dann ging es zur Schule. Auf dem Weg von der Straße zum Schulgelände standen die Schüler in einercirca 200 Meter langen Reihe Spalier. Dort mussten wir hindurch. Das alles war schon sehr beeindruckend und ging einem sehr nah.

Die Schüler aus allen Altersklassen in ihrer Schulkleidung hatten kleine Blumensträuße in den Händen, die sie uns übergeben wollten. Natürlich  griffen wir gern zu. Aber irgendwann  konnte man nichts mehr annehmen. Die Hände konnten die Blumen kaum fassen. Man schaute in diese beeindruckenden Kinderaugen und war einfach nur noch gerührt.

Die Schule bestand aus mehreren Gebäuden, in denen sich jeweils ein Klassenraum befand. Die Gebäude hatten durch die Erdbeben Schaden genommen und wurden jetzt erdbebensicherer gemacht.

Es folgte die offizielle Begrüßung. Die Vertreter der Schule wurden vorgestellt. Anschließend führte eine Mädchengruppe einen Tanz vor. In einem kurzen Bericht erfuhren wir vom Schulleiter Wissenswertes über die Schule.
Nach dem Vortrag hatten wir Gelegenheit, uns auf dem Schulgelände umzusehen. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, wurden hier erst in den letzten Jahren realisiert: zum Beispiel getrennte Toiletten für Jungen und Mädchen oder die Möglichkeit für die Schüler, sich die Hände zu waschen. Dabei wurde auch daran gedacht, dass Schüler unterschiedlicher Altersklassen hier lernen und die Dinge benutzen müssen. An der Waschrinne wareine Schautafel angebracht, auf der das richtige Vorgehen beim Händewaschen demonstriert wird.

Über den kleinen Spielplatz für die Vorschulkinder mit Wippe, Schaukel und Rutsche ging es in den Raum der Vorschulklasse und dann weiter durch Räume, die gerade wieder instand gesetzt wurden Inzwischen hatten sich die Schüler auf dem Schulhof versammelt und warteten auf uns. Sie hatten in den letzten Monaten gelernt, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten müssen und wollten es uns zeigen. Mit Tragen wurden „verletzte“ Schüler aus dem Gebäude gebracht und vor unseren Augen „verarztet“. Alles ging sehr diszipliniert zu.

Das Treffen mit den Patenkindern


Und dann waren sie endlich da, die Patenkinder mit ihren Eltern bzw. Betreuern. Für einige war der Weg von zu Hause so weit, dass sie schon am Tag vorher angereist waren und in der Nähe übernachtet hatten. Die Patenkinder waren unterschiedlich alt. Das Jüngste hatte gerade seinen sechsten Geburtstag gefeiert, das Älteste wurde bald achtzehn Jahre alt. Dann wird diese Patenschaft beendet werden. Eine Stunde war für das Treffen geplant. Für den ersten Moment eine kurze Zeitspanne, aber die Zeit musste erst einmal ausgefüllt werden.

In den Klassenräumen trafen die Paten mit ihren Patenkindern zusammen. Man begrüßte sich, setzte sich auf den Boden und fing an, Fragen zu stellen, die zunächst noch von den Eltern beantwortet wurden. .. Die Patenkinder hielten sich zurück. Um sich näher zu kommen, wurden Geschenke überreicht und gemeinsam ausgepackt.  

Mehrere Paten hatten ein Fotoalbum mitgebracht. Anhand der Fotos erklärten sie, wo und wie sie leben, welche Sehenswürdigkeiten es in der Nähe ihres Wohnortes gibt und vieles mehr. Mit den jüngeren Kindern wurde gemeinsam gespielt und gemalt.
Bei jeder Gruppe war ein Plan-Mitarbeiter dabei, der als Dolmetscher von Nepali ins Englische zur Verfügung  stand. Einige der älteren Patenkinder sprachen Englisch. Durch die Gespräche untereinander ergaben sich auch Anfragen, die aber von den Mitarbeitern aus Hamburg bzw. aus Kathmandu geklärt werden konnten.

Das Memory Spiel


Wir trafen auch das Patenkind einer Leipziger Patin, die selbst nicht nach Nepal reisen konnte. Sie hatte uns für das Mädchen Geschenke und einen Brief mitgegeben und wir hatten auch noch ein paar Kleinigkeiten mitgenommen. Da ich kein Englisch spreche und mein Mann unterwegs war, um die Paten mit ihren Patenkindern zu fotografieren, hatte ich unseren Reiseleiter Ohm gebeten, mich bei dem Gespräch zu unterstützen. So übersetzte er meine Fragen und natürlich auch die Antworten. Leider war das junge Mädchen sehr schüchtern, so dass kaum ein Gespräch in Gang kam. Zum Glück hatte ich noch ein Memory-Spiel dabei. Um die Zeit bis zum Mittagessen zu überbrücken, spielten wir dann alle gemeinsam. Dabei entwickelten auch die Erwachsenen Ehrgeiz und so hatten wir viel Spaß.
 
Nach einem gemeinsamen Mittagessen, das aus Vorspeise, Buffet und Nachtisch bestand und sehr reichlich ausfiel, verabschiedeten sich die Patenkinder, ihre Eltern und Betreuer. Sie traten den Heimweg an, der für einige noch sehr lang war. Für uns blieb noch etwas Zeit für ein kleines Fußballspiel zwischen Schülern und Gästen, ehe das Besuchsprogramm weiterging.

Bewegende Momente


Nach und nach fanden sich alle am „Festplatz“ ein. Es sollte nun ein „kultureller Austausch“ stattfinden. Von Schülern und Lehrern wurden  uns verschiedene Tänze vorgeführt, die sehr schön waren. Und dann waren wir an der Reihe. Wir gingen nach vorn und sangen unsere einstudierten Kanons und Lieder, die wir gemeinsam am Vorabend geprobt hatten. Eine aus Sicht der Nepalesen andere Art von Musik, die mit Beifall belohnt wurde.

Über sechs Stunden waren wir in der Schule. Nun mussten wir Abschied nehmen, denn wir wollten noch das Plan-Büro in Hetauda besuchen.

Es war schon 17 Uhr, als wir dort ankamen. Wir konnten uns im Büro umsehen. An einer Wand hing neben einer Karte von Nepal mit den Gebieten, in denen Plan arbeitet, eine große Aufstellung mit den Projekten in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Sanitär, Hygiene und Basisversorgung. An einer anderen Wand waren Bilder von den Zerstörungen durch die Erdbeben zu sehen, auf denen Patenkinder vor ihren eingestürzten Häusern stehen und Plan Mitarbeiter die ersten Hilfsgüter übergeben.. Im Gespräch bei einer Tasse Tee wurden die zwei gemeinsamen Tage ausgewertet. Zur Ruhe gekommen, merkte man erst einmal, wie anstrengend der Tag gewesen war. Wir wurden von den Plan-Mitarbeitern herzlich verabschiedet und stellten uns noch für ein gemeinsames Foto auf.

Zwei Tage später flogen wir wieder nach Hause und hatten eine sehr bewegte Reise hinter uns.

Karola Ordnung / Leipzig

Als Pate bekommen Sie viel Freude zurück

  • Mit nur 28 € im Monat unterstützen Sie Ihr Patenkind und seine ganze Gemeinde. Sie können die Zahlung mit einer formlosen Mitteilung jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden.
  • Zu Beginn der Patenschaft für ein Kind erhalten Sie Unterlagen mit Fotos Ihres Patenkindes und seiner Familie sowie Informationen über ihre Situation und das Land.
  • Sie erhalten jährlich aktuelle Fotos und Informationen von Ihrem Patenkind und über Projekte im Umfeld der Familie.
  • Sie können Ihrem Patenkind Briefe schreiben und es besuchen.
  • Wir senden Ihnen pro Jahr vier Ausgaben des Patenmagazins Plan Post, einen Rechenschaftsbericht und eine Spendenbescheinigung zu.
Ja, ich möchte helfen!
Ihre Hilfe kommt an!
  • Projektausgaben (81,8%)
  • Werbeausgaben und Öffentlichkeitsarbeit (12,8%)
  • Verwaltungsausgaben (5,4%)
Interessant? Weitersagen: