Neugierig betrachten die Kinder die Digital-Aufnahmen des Paten aus Deutschland.

Ein Tika auf der Stirn

Vor fünf Jahren hatten Erika und Cristoph Knoche aus Dortmund die Patenschaft für die heute zehnjährige Jina-Kumari in Nepal übernommen. Im Rahmen einer Projektreise besuchten die beiden Stifter ihr Patenkind im Sunsari-Gebiet. Lesen Sie nachfolgend ihren Bericht.

Patenbesuch bei Jina-Kumari

Am Flughafen in Biratnagar werden wir von den Plan-Mitarbeitern in Empfang genommen. Nach kurzer Erfrischungspause und gemeinsamen Mittagessen ging es in das Plan Büro für den Sunsari-Distrikt, wo sich die Plan-Mitarbeiter Frau Kalyani, Herr Yogesh und Herr Om vorstellten und uns einen kurzen  Über- und Einblick in die Projektarbeit gaben.

Per Jeep ging es auf die rund 25 Kilometer lange Fahrt in den  Bezirk unseres Patenkindes. Zunächst  noch über Straßen, dann eher Pisten und zuletzt Feldwege. Wir hielten an einem Dorfweiher mit vielen Enten, umgeben von Lehmhütten. Von den bunt bekleideten Dorfbewohnern wurden wir schon neugierig erwartet.

Zu Hause bei Jina-Kumari

Wir begrüßen die Dorfbewohner mit „Namaste“. Ein immer wieder sehr bewegender Augenblick für uns, mit welcher Herzlichkeit wir begrüßt wurden. Vom strahlenden Vater unseres Patenkindes wurden wir auf den Hof geführt. Hier erwartete uns gespannt der Rest der Familie: Mutter, Patenkind Jina-Kumari, Schwester Kabita- Kumari, Bruder Pankaj Kumar sowie einige Nachbarn. Bis auf Jina-Kumari und ihre Mutter, die beide sehr ernst und verschüchtert dreinblickten, schauten alle erwartungsvoll und vergnügt.

Die offizielle Begrüßung begann: Meine Frau bekam von der Mutter zunächst mit rotem Pulver einen Tupfer auf die Stirn, der so genannte „Tika“ als hinduistisches Segenszeichen, anschließend wurde ihr eine Tagetes-Blumenkette umgehängt. Jina-Kumari - immer noch sehr ernst - vollzog die gleiche Zeremonie bei mir, indem sie zum Größenausgleich auf ein Bettgestell stieg. Anschließend zeigte sie mir stolz ihre Schulhefte mit Schreibübungen und Bildern. Jina- Kumari besucht eine Privatschule, da sie sehr gute Leistungen zeigt und hier Englisch lernen kann.

Staunen über Aufnahmen von Schnee

Anschließend verteilten wir unsere Mitbringsel an die Familie: T-Shirts, Polo-Shirts, Hefte, Buntstifte usw.. Vater und die Kinder zogen sich schnell um und präsentierten glücklich ihre neuen Kleidungsstücke. Bruder Pankaj zeigte uns stolz die Räumlichkeiten der Familie: ein „Universalraum“, genutzt als Schlafzimmer mit einem Bettgestell für drei Personen, einem kleinen Tisch für die Hausaufgaben, gespannten Leinen als Ersatz für einen Kleiderschrank sowie einer Funzelbirne mit langem Kabel. Abgetrennt daneben ein Vorratsraum für Reis. Im gegenüberliegenden Lehmbau befindet sich die Küche, in der gerade unser Essen zubereitet wurde. Etwas abseits eine gut funktionierende Wasserpumpe. Eine Latrine gibt es nicht, dafür geht man auf das angrenzende Feld mit Büschen.

Auf besonders großes Interesse bei allen stießen die Fotos von unserem Garten zu verschiedenen Jahreszeiten. Sie zeigen Blumen, Sträucher und Bäume, die ihnen zum großen Teil unbekannt sind. Besonders wurden die Winteraufnahmen mit Schnee bestaunt.  Das Gastgeschenk der Familie bestand aus einem gemeinsamen Essen: Reis, Mais und Fleisch. Zum Nachtisch gab es eine Art Dickmilch mit kandierten Früchten. Und natürlich durfte der sehr gute Tee danach nicht fehlen.

Zeit, Abschied zu nehmen

Die Zeit verging wie im Fluge. Nach knapp drei Stunden hieß es, Abschied nehmen, auch wenn es noch so viel zu fragen gegeben hätte. Vater und Mutter nahmen uns herzlich in ihre Arme, für uns eine überraschende Geste, mit der sie ihre Freude und Dankbarkeit über unseren Besuch zum Ausdruck brachten. „Kommt bald wieder“ gaben sie uns mit auf den Weg. Auch die Kinder verabschiedeten sich nicht nur mit „Namaste“, sondern gaben uns die Hand! Viele begleiteten uns zu unserem Fahrzeug und winkten uns bei unserer Abfahrt nach. Noch ganz überwältigt von dem Erlebten, fuhren wir in unser Hotel zurück.

Besuch eines Geburtszentrums

Für den nächsten Tag waren Projektbesichtigungen im Bezirk Chimdi geplant. Das  Plan-Trio wurde noch durch Frau Changbang ergänzt. Sie koordiniert die verschiedenen Gesundheitsprogramme im Sunsari Distrikt.

Besonders beeindruckend für uns verwöhnte Europäer war die Ausstattung einer von Plan aufgebauten Krankenstation mit Geburtenzentrum.  Zum Beispiel diente ein Fahrrad mit Anhänger als Krankenwagen, mit dem im Bedarfsfall der Patient ins rund 20 Kilometer  entfernte Biratnagar transportiert wird.  Der Erfolg dieser Einrichtung ist bemerkenswert: Die Geburtensterblichkeitsrate lag vor Errichtung des Geburtenzentrums bei ca. 33/1000 Geburten und liegt jetzt bei nur noch ca. 13/1000 Geburten. Weiterer positiver Effekt: Praktisch alle Mütter aus dem Einzugsbereich entbinden hier und nicht mehr zu Hause.

Veränderungen mit großer Wirkung

Beispielhaft auch ein von Plan initiiertes Schwangerschaft-Betreuungszentrum, in dem für werdende Mütter alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft durchgeführt werden.

Gravierend waren die Unterschiede zwischen den üblichen staatlichen Dorfschulen und denen, die von Plan errichtet oder mit betreut werden. Die Kinder sitzen hier nicht auf gestampften Lehmböden, sondern auf Stühlen oder Bänken an Tischen! Trinkwasserstellen und Latrinen bieten die nötige Infrastruktur.

Die finanzielle, organisatorische und technische Hilfestellung bei der Existenzgründung und Einkommen schaffenden Maßnahmen sind hervorragende Beispiele, wie die miserable ökonomische Situation der Landbevölkerung verbessert werden kann.

Hilfe bei Ausbau einer Fischzucht

So besuchten wir eine Dorfgemeinschaft, die von Plan beim Aufbau einer Fischzucht und der Vermarktung überzähligen Fanggutes Unterstützung bekam. In einem anderen Fall wurde jungen Frauen, ehemaligen Patenkindern, bei der Gründung einer eigenen Existenz geholfen. Nach ca. 15-monatiger Weiterbildung eröffneten sie ein kleines Geschäft für Tiermedizin mit 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.

Viele Maßnamen sind nur in partnerschaftlicher Gemeinschaftsarbeit mit anderen privaten oder staatlichen Organisationen realisierbar. Wir hatten den Eindruck, dass diese Zusammenarbeit gut funktioniert.

Unser Fazit

Nach anfänglichem Zweifel, ob wir den Patenkindbesuch emotional verkraften würden, waren wir im Nachhinein überglücklich, diesen Schritt getan zu haben. Der persönliche Kontakt hilft sehr, ein Vertrauensverhältnis zum Patenkind und seiner Umgebung aufzubauen. Die Projektarbeit von Plan vor Ort hat uns überzeugt, wie auch die Freude und Motivation der Mitarbeiter, die ihre Aufgaben in einem schwierigen Umfeld meistern.

Interessant? Weitersagen: