Herzlicher Empfang: Pooja mit Paten Tobias Frenzel und Freund Jens Hinze.

Empfang mit Blumenketten

Tobias Frenzel, Pate aus Berlin, und Jens Hinze aus Heidelberg beschlossen, ihre Reise nach Indien mit einem Besuch bei Tobias‘ Patenkind Pooja zu verbinden. Gesagt, getan - im Oktober 2015 war es soweit. Die beiden Freunde und Familienväter ahnten, dass dieser Besuch im Norden Indiens ein besonders Erlebnis werden würde. Nachfolgend berichtet Herr Frenzel von der spannenden Reise.

Patenbesuch bei Pooja

Im Oktober 2015 waren unsere Planungen abgeschlossen, alle Reise-Dokumente zum Besuch bei Pooja lagen vor und mich beschäftigen zunehmend eine Reihe von Fragen: „Wie wird der Tag ablaufen? In welcher Umgebung werden wir Pooja treffen? Welche Mitbringsel sind geeignet? Können wir uns verständigen, wenn sie kein Englisch spricht? Und wie finden wir die Plan-Mitarbeiter?“ Eine Woche vor Abflug rufe ich in Indien an, die einzelnen Fragen klären sich. Weitere Antworten finde ich in dem Merkblatt von Plan, andere müssen warten, bis wir vor Ort sind.

Ankunft in Delhi

In Delhi angekommen, rufen wir im Plan-Büro vor Ort an, um Treffpunkt und Zeit zu vereinbaren. Es ist alles einfacher als gedacht. Am Montagmorgen werden wir von den Plan-Mitarbeitern mit einem Jeep im Hotel abgeholt und fahren circa eine Stunde durch den dichten Verkehr der Hauptstadt in Richtung Süden. Poonam stellt sich uns als Paten-Betreuerin vor und gibt uns im Auto ein paar zusätzliche Informationen zum Tag. Im Bezirk Sarita Vihar halten wir vor dem Plan-Büro und treffen Ashok, den Leiter des ganzen Projekts.

Vom Plan-Büro ins „Field“

In seinem Büro erklärt Ashok uns bei indischem Tee die Struktur des Programmgebietes und die Schwerpunkte der Arbeit von Plan vor Ort. Alle diese Maßnahmen sind sehr durchdacht, geschickt kombiniert und nachhaltig. Er spricht über bisherige Erfolge, aber auch über die sehr klaren Ziele, die noch vor ihnen liegen. Wir würden alles zu sehen bekommen, wenn wir später „into the field“ fahren, sagt Ashok. Unter „the field“ können wir uns noch nichts vorstellen, aber es klingt sehr groß und unübersichtlich.

Ein paar Türen weiter lernen wir die Mitarbeiter kennen, die Informationen über die betreuten Kinder für das Familienprofil und den jährlichen Bericht zusammenstellen. Anschließend steigen wir wieder in den Jeep und fahren weiter in Richtung der Gemeinde von Pooja. Dorthin wurden verschiedene Slums der Stadt umgesiedelt und es leben nun Tausende Familien hier. Das muss dann wohl „the field“ sein.

Empfang mit Blumenketten

Die Häuser sind auf engstem Raum gebaut, manche haben wohl integrierte Toiletten, andere Familien wiederum sind bei Tag und Nacht auf sanitäre Anlagen im Gebiet angewiesen. Vor einem kleinen Backsteinhaus in einer der unzähligen Gassen bleiben wir stehen und unsere Begleiter klopfen an. Die Holztür öffnet sich und da steht sie: Pooja! Genauso wie ich sie von den Fotos kenne. Endlich lernen wir uns persönlich kennen. Lächelnd bittet sie uns in das untere Zimmer herein, welches als Koch-, Schlaf-, und Wohnraum dient. Dort empfängt uns die Familie ganz nach Tradition mit Blumenketten und gefalteten Händen. „Namaste!“ Poonam und Ashok bleiben bei uns und übersetzen, wenn nötig. Poojas Mutter bietet kleine Knabbereien und Tee an. Sie ist sehr stolz, Gäste aus dem Ausland in ihrem Haus zu haben.

Unterhaltung mit der Familie

Zusammen mit Pooja und ihrer kleinen Schwester sitzen wir nun auf der Kante des großen Familienbettes und überreichen unsere Geschenke. Wir sprechen über die Herausforderungen im Alltag und über ihre Träume für die Zukunft. Poonam macht dankenswerterweise Fotos, so dass ich mich auf die Kinder und das Gespräch konzentrieren kann. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen leider wieder aufbrechen. Die Frage nach einer angemessenen Verabschiedung, wird im Merkblatt nicht beantwortet. Sie ergibt sich aber aus der Situation heraus, ist sehr bewegend und unvergesslich.

Die Gemeinde stellt ihre Arbeit vor

Wieder zurück im Auto, laden uns Poonam und Ashok zu einer „Community Mela“ ein. Natürlich nur, wenn wir wollen. Die Mela ist eine Art Messe in einem riesigen bunten Zelt, in dem viele Mütter mit Kindern auf der Erde sitzen und Rednern lauschen. Um sie herum besuchen wir viele Informationsstände, an denen Plan und Partner ihre Hilfsangebote vorstellen. Viele Stände werden von Kindern betreut, sie unterstreichen damit, wie sehr sie selbst hinter ihren Projekten stehen. Im Mittelpunkt stehen Filter zur Wasseraufbereitung, Hygiene-Maßnahmen, Verhaltensregeln, Schulbesuch, Kinderrechte und ganz besonders die Situation der Mädchen. Als Gäste dürfen wir dann rechts vom Redner auf Stühlen Platz nehmen und dem weiteren Verlauf der Messe folgen.

Unterricht in zwei Schichten

Die nächste Pause nutzen wir, um die nahe Grundschule zu besuchen und dort die Zeremonie zu verfolgen, wie Mädchen die Schule verlassen und Jungen sich vor dem Gebäude zur Nachmittagsschicht sammeln. Sie alle stehen da in blauer Schul-Uniform und begeistern uns mit konzentriertem Gebet, laut gesungener Nationalhymne und dem ein oder anderen Zwinkern aus ihren wachen Augen. Die Kinder gehen zum Unterricht in die Räume und Ashok führt uns zu den neu errichteten Anlagen rund um die Schule. Er zeigt uns die Regenwassersammlung, die Solaranlage, den Schulgarten und sogar eine Bühne -  draußen im Freien. Erstaunlich was hier alles auf die Beine gestellt wurde! Dann geht es zurück in das Plan-Büro. Der Besuch endet mit intensiven Gesprächen und einer in Indien eher untypischen Verabschiedung. Wir umarmen uns. Jeder wünscht sich vom anderen, dass er sich weiterhin engagiert. Versprochen.

Fazit

Ich möchte andere Paten gerne ermutigen, ihr Patenkind ebenfalls zu besuchen. Für mich war dieser Besuch eines meiner eindrucksvollsten Erlebnisse, die ich gern mit anderen teile. Die Antworten auf die vielen Fragen, die mir vorher durch den Kopf gingen, haben sich während
des Besuches von ganz allein ergeben. Rückblickend bin ich sehr froh, dass vorher nicht alles
im Detail klar war. Gelegentlich werde ich skeptisch gefragt, ob es die Plan-Patenkinder denn wirklich gibt oder ob die Hilfe auch vor Ort ankommt. Jens und ich können nun bestätigen, dass dies so ist. Wir waren vor Ort, haben es mit unseren Augen gesehen und denken oft daran zurück.

Tobias Frenzel, Dezember 2015

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