Jutta Mussong-Löffler mit ihrer Tochter zu Besuch bei Patenkind Li und deren Familie.

Patenpost aufbewahrt wie einen Schatz

Jutta Mussong-Löffler aus Bensheim besuchte gemeinsam mit ihrer Tochter ihr 14-jähriges Patenkind Li in der chinesischen Provinz Shaanxi und erfuhr wahre Gastfreundschaft. Mutter und Tochter trafen dort, in der Mitte von China, viele interessante Menschen und erlebten Momente, die sie so schnell nicht vergessen werden. Lesen Sie nachfolgend ihren Bericht.

Patenbesuch bei Li

Endlich in China und unserem Ausgangspunkt Xi´an angekommen,  verabschiedeten wir uns von unserer Reisegruppe, um uns zum Bahnhof zu begeben. Pünktlich um Mitternacht setzte sich der Zug von X'ian nach Yulin im Norden der Provinz in Bewegung. Da wir Tickets für den Schlafwagen hatten, der äußerst bequem war und auch die mitreisenden Chinesen sehr zuvorkommend und interessiert an unserer Reise waren, erreichten wir unser Ziel entspannt und ausgeruht.

Begegnung mit einem erwachsenen „Plan-Kind“

Die Plan-Mitarbeiter waren bereits um sieben Uhr zum Treffpunkt bestellt, doch wir trafen leider mit einiger Verspätung ein. Nun half uns ein junger Mann, der im Büro Bescheid sagen wollte. Als er den Briefbogen von Plan mit den Telefonnummern sah, stockte er einen Moment und teilte uns mit, dass er diese Organisation kenne und wisse, sie helfe armen Kindern. Er habe früher selbst Unterstützung erfahren und seine Grundschule sei damals von Plan mit Möbeln ausgestattet worden, damit man überhaupt schreiben lernen konnte. Heute mit  21 Jahren stehe er am Beginn eines Ingenieur-Studiums. Nun war es Ehrensache, unseren Koffer bis zum Bahnhofsvorplatz zu transportieren und er übergab uns den bereits seit Stunden wartenden Plan-Mitarbeiterinnen.

Beeindruckende Landschaften

Nach einer kurzen Begrüßung erledigten wir noch Einkäufe für die Gemeindemitglieder des kleinen Ortes im Löss-Gebiet und dann ging es auf die schnurgerade Autobahn zu unserer Li, deren Patenschaft wir 2009 übernommen hatten. Während der dreistündigen Fahrt konnten wir uns mit der Landschaft vertraut machen. Links und rechts der Autobahn verliefen grüne Anbauflächen, ab und zu unterbrochen durch kleine Weiden, auf denen vereinzelt Kühe oder auch mal ein Pferd stand. Das flache Ackerland ging in eine sanfte Hügellandschaft über, immer mehr reihten sich hohe Berge mit schroff abfallenden Seiten aneinander. Die schmalen und teilweise steilen, engen Grundstücke zwischen den Berghängen waren alle mit Mais bepflanzt, das überwiegend angebaute Grundnahrungsmittel in der Region.

Man sah nun auch die typischen „Häuser“ dieser Gegend, in den Berg gehauene Höhlenwohnungen, die durch den Löss im Sommer kühl und im Winter wärmer sind als freistehende Häuser. Die Lösslandschaften sind das Ursprungsgebiet der chinesischen Kultur. Noch heute sind sie nur unter großem Einsatz zu bewirtschaften und ständig durch Starkregen bedroht.

Stürmische Begegnung und tiefe Gastfreundschaft

Wir erfuhren auf der Fahrt, dass Li’s Eltern in einem anderen Bezirk arbeiten und sich für diesen Tag frei genommen hatten. Wir wussten diese gastfreundliche Geste sehr zu schätzen, denn sie bedeuteten auch finanzielle Einbußen. Nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, ging es stets ansteigend auf ländliches Gebiet, wo vereinzelt an der staubigen Straße Kioske, Höhlenwohnungen oder einfach Kinder und Lasten tragende Bauern zu sehen waren. An einem Streckenabschnitt rollte gerade ein Bagger über die Fahrbahn, der einen durch Starkregen abgespülten Abhang entfernte. Es wurde immer heißer, die Berghänge grüner, die Häuser von der Straße aus nicht mehr zu sehen.

Nach einer Linkskurve standen plötzlich einige Menschen auf der Straße. Ich erkannte unser Patenkind und seine Mutter sofort! Endlich waren wir da. Kaum waren wir aus dem Auto geklettert, wurden wir stürmisch von den Eltern und einer ehrenamtlichen Plan-Mitarbeiterin begrüßt, die mich sofort an der Hand nahm, während Li die Hand meiner Tochter ergriff. Gerade schafften wir es noch, den Inhalt unseres Koffers mit den Geschenken in Tragetaschen umzuladen und schon ging es einen steilen Trampelpfad hinauf.

Schweißtreibender Aufstieg

Nach einem schweißtreibenden Aufstieg mit begeisterten Versuchen sich zu unterhalten, erreichten wir schließlich den Hof unserer Gastgeber, der zwei Zugänge zu den beschriebenen Höhlenwohnungen aufwies. Da es sehr heiß war, ging es gleich in das gute Zimmer, wo bereits alles für das Mittagsmahl vorbereitet war. Die Mutter von Li hatte gemeinsam mit dem Mädchen ein wunderbares Essen vorbereitet, das wir während unserer ganzen Reise nirgends sonst aufgetischt bekommen hatten. Offensichtlich waren die Plan-Mitarbeiter und die Eltern und Li gut miteinander bekannt, denn sie gingen sehr herzlich miteinander um.

Patenpost aufbewahrt wie einen Schatz

Nach dem Essen packte ich ein Fotoalbum aus, das teilweise Lachen und Schmunzeln auslöste. Nun holte Li ihre „gesammelten Werke“, die sie von Beginn unserer Patenschaft an von mir geschickt bekommen hatte. Alle Fotos, alle Postkarten, Briefe und Geschenke meiner Schülerinnen hatte sie aufbewahrt und uns stolz präsentiert. Das machte mich wirklich sehr glücklich, weil mir oft Menschen mit Vorurteilen begegnet waren, die bezweifeln, ob denn alles so ankommt wie gewünscht. Nachdem wir Geschenke an die Familie ausgeteilt hatten, bekamen wir eine wunderschöne Handarbeit der Mutter überreicht. Sicherlich hat sie sehr lange darüber gesessen. Zum Abschluss las mir Li ganz stolz aus ihrem Englischbuch vor und zeigte mir, wie ehrgeizig und fleißig sie ist.  

Besuch beim Leiter der Grundschule

Nachdem wir uns von Li und ihrer Familie verabschiedet hatten, fuhren wir in die Grundschule des Dorfes. Hier erwartete uns der Schulleiter mit seiner Ehefrau, die eigens in den Sommerferien die ganze Strecke von Yulin gekommen waren, um uns zu begrüßen. Stolz zeigte er uns seine Schule und die neuesten Anschaffungen. Beeindruckend war, dass die Grundschüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern über notwendige Veränderungen diskutiert hatten und zum Ergebnis gekommen waren, Spielgeräte für ihren Pausenhof anzuschaffen. Wenn man die wenig kindgerechte Lage in dieser Gegend betrachtet, machen abwechslungsreiche  Spielelemente durchaus Sinn, zumal der Schulhof auch in den Ferien zugänglich ist. Es herrsche Lehrermangel, so der Leiter der Schule. In jeder der neun Schulklassen befinden sich 40 Primarschülerinnen und Schüler . Mit den von Plan bewilligten Geldern für die Schule wurde nicht nur der Pausenhof aufgepeppt, sondern noch zwei Waschräume eingerichtet und kleine Geschenke für besondere Veranstaltungen angeschafft. 

Feierliche Ansprache

Der Rektor dankte mir in einer kleinen Ansprache stellvertretend für alle deutschen Spender, die ihm ermöglichen,sein Engagement seit vier Jahren umzusetzen. Von den 4.500 Kindern in diesem von Plan gefördertem Projektgebiet werden ca. 2000 von deutschen Patinnen und Paten finanziert, was Plan China eine große Planungssicherheit gibt. Wenn man bedenkt, dass es sich dabei um behinderte, verwaiste oder sehr arme Kinder und Jugendliche handelt, ist die Arbeit von Plan unerlässlich. Vom Reichtum in den großen Städten Chinas bekommen die ländlichen Gebiete wenig bzw. nichts ab. Unsere Rundreise durch China war schon bemerkenswert, doch der Besuch im Projektgebiet von Plan war der eigentliche Höhepunkt der Reise. 

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