Bildung für Mädchen
Ein Gastbeitrag zum G7-Gipfel des Plan-Jugendbeirats ©Kahfy Yudha

G7-Gipfel: Forderungen des Plan-Jugendbeirats

Der Jugendbeirat von Plan International fordert konkrete Maßnahmen und finanzielle Zusagen für Gleichberechtigung. Die französische G7-Präsidentschaft im August 2019 stand unter dem Motto „Kampf gegen Ungleichheiten“. Hierbei wurde ein besonderer Fokus auf Chancenungleichheit aufgrund von Herkunft und Geschlecht gelegt. Doch statt Gleichberechtigung standen andere Themen im medialen Fokus, der Konflikt mit Iran oder aber die Brände im Amazonas. Wir haben ganz genau hingeschaut, was der G7 Gipfel für Gleichberechtigung und hier vor allem für den Zugang zu Bildung für Mädchen und junge Frauen, erreicht hat.Ein Gastbeitrag von Greta, Henrike und Jonathan.

Warum sollten sich die G7-Länder mit Bildung für Mädchen beschäftigen?

●   Die Herausforderungen sind groß. Auch wenn sich die Bildungssituation weltweit in den letzten 15 Jahren erheblich verbessert hat - 84 Millionen mehr Kinder und Jugendliche gehen zur Schule, davon sind 54 Millionen Mädchen (Quelle: Plan International) - gibt es noch viel zu tun:

●    Lediglich zwei von drei Ländern weltweit haben Parität in der Primarstufe erreicht, eines von zwei Ländern weltweit in der unteren Sekundarstufe und eines von vier in der oberen Sekundarstufe.
●    Soziale Normen hindern Mädchen immer noch daran ihr Menschenrecht auf Bildung zu verwirklichen. So sind Mädchen beispielsweise doppelt so häufig von schwerer Hausarbeit betroffen als Jungen.
●    Darüber hinaus sind geschlechtsspezifische Gewalt, frühe Schwangerschaften, Kinder-, Früh- und Zwangsverheiratung, mangelnder Schutz in den Schulen und auf den Schulwegen sowie mangelnde Sanitäreinrichtungen Bildungshürden für Mädchen.
●    Lediglich 55 Prozent der Gelder für Entwicklungszusammenarbeit der OECD-Staaten hatten Gleichberechtigung als ein Nebenziel. (Quelle: Unesco)
Wir sehen gerade die sieben größten Industrienationen in der Verantwortung, dazu beizutragen, dass das Menschenrecht auf Bildung für alle Mädchen und Jungen weltweit verwirklicht wird.

Was erwarten wir von den G7?

Plan International fordert, dass die G7-Länder entschlossene Maßnahmen ergreifen, um Mädchen und jungen Frauen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Grundbildung, zu Kenntnissen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie zu menschenwürdigen Arbeitsverhältnissen im Erwachsenenalter zu ermöglichen. Dies erfordert einen besonderen Fokus auf Mädchen, die am stärksten diskriminiert und zurückgelassen werden, auf Mädchen, die in Krisen leben und am stärksten vom Klimawandel betroffen sind.
Deshalb fordert Plan International eine Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (ODA - official development assistance), die sie speziell für Bildung ausgeben. So sollen die G7-Länder mindestens 15 Prozent ODA in Bildungsprojekte fließen lassen. Außerdem müssen auch die Mittel für Bildung in Krisen und Konflikten erhöht werden. Dazu haben sich die G7 bereits im letzten Jahr bekannt, dennoch klaffen hier weiterhin große Finanzierungslücken.
Damit die Ungleichheit im Bildungsbereich bekämpft werden kann, muss auch hier ein Fokus auf geschlechtergerechte Budgetierung gelegt werden, weshalb mindesten 85 Prozent der gesamten ODA-Mittel die Gleichstellung der Geschlechter als ein Ziel haben sollten. Hierbei fordert Plan International, dass gezielte Investitionen in geschlechtsspezifische Projekte im Bildungssektor getätigt werden.
Eine Möglichkeit dies zu tun, ist Bildungspläne und -strategien, so zu gestalten, dass sie Gleichberechtigung fördern. Gemeinsam mit Frankreich (G7 Gastgeberland), der Globalen Bildungspartnerschaft (Global Partnership for Education, GPE), der UN Girls‘ Education Initiative (UNGEI), der UNESCO und UNICEF hat Plan International die sogenannte Gender at the Center Initiative (GCI) ins Leben gerufen. Mit dem Fokus auf den Bildungssektor soll ein systematischer Ansatz zur Gleichberechtigung in der Bildung geschaffen werden. Dies geschieht beispielsweise durch gendersensible und -transformative Lehrpläne, entsprechende Budgetierung und Monitoring oder Fortbildung der Lehrkräfte. Die Partnerländer sollen bei der Umsetzung durch die GCI finanziell und technisch unterstützt werden.
Als Mitglied der Women 7, ein Bündnis von Organisationen aus den G7 Ländern, aber auch aus dem Globalen Süden, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, hat Plan International seine Forderung an die G7 bekräftigt. 

Was wurde für den Kampf gegen Ungleichheiten erreicht?

Wir als Plan-Jugendbeirat begrüßen die Erklärung der G7-Staats- und Regierungschefs zur Gleichstellung der Geschlechter nach ihrem Treffen am vergangenen Wochenende in Frankreich. Das sind die Hauptergebnisse des Gipfels in Biarritz:
●    Die G7 bekennen sich zur Pariser Erklärung zur Gleichstellung der Geschlechter, sowie zur Dinard Declaration on Women, Peace and Security. Beides wichtige Erklärungen in Bezug auf Gleichberechtigung, die im Vorlauf des G7-Gipfels verabschiedet wurden.
●    Die Abschlusserklärung bringt die Besorgnis der G7 zum Ausdruck, dass viele Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt von diskriminierenden Gesetzen und dem Mangel an Rechtsschutz betroffen sind. Die Staaten sind dazu aufgerufen, diskriminierende Gesetze abzuschaffen. In diesem Zusammenhang hat Senegal beispielsweise angekündigt, Vergewaltigungen endlich als Straftatbestand anzuerkennen. 
●    Die französische Regierung hat zusammen mit der Afrikanischen Entwicklungsbank einen Fonds in Höhe von 120 Mio. € zur Förderung unternehmerischer Initiativen von Frauen eingerichtet. Auch Deutschland will für Unternehmerinnen in Afrika den Zugang zu Krediten verbessern, indem es der Afrikanischen Entwicklungsbank zusätzliche Mittel für die AFAWA-Initiative (Affirmative Finance Action for Women in Africa) versprach. 
●    Das G7-Ministertreffen für Entwicklung und Bildung im Juli führte bereits zu der ersten gemeinsamen Erklärung der G7- und Sahel-Länder, die Bildung als „Menschenrecht und Schlüsselfaktor für eine nachhaltige Entwicklung" anerkennen. Im Anschluss hat die britische Regierung nun 90 Millionen Pfund für Education Cannot Wait, den globalen Fonds für Bildung in Krisen, bereitgestellt.
●    Auch in Bezug auf die Gender at the Center Initiative (GCI) sicherten die G7-Staaten ihre Unterstützung zu. 
Auch wenn wir die Erklärung der Staats- und Regierungschefs der G7 zur Gleichstellung der Geschlechter begrüßen, fordern wir alle zukünftigen G7-Präsidentschaften auf, den Rechten von Mädchen und Frauen eine höhere Bedeutung zukommen zu lassen und ihre Versprechen in Taten umzusetzen. In unseren Augen zeigte sich Biarritz somit ganz in bekannter G7-Tradition: große Worte, aber zur Tat schreiten muss keiner der sieben Staaten. Warum stellte Gastgeber Macron überhaupt dieses Thema in den Vordergrund, wenn er doch mit dem Iran-Deal einen ganz anderen Fokus für den Gipfel legte? Somit bleibt für uns nur Enttäuschung: Das Leitthema des Gipfels, die Beseitigung von Ungleichheiten, verschwand vollkommen zwischen aktuellen Themen und tagespolitischen Debatten. Wenn es um einen besseren Zugang zu Bildung für Mädchen und junge Frauen geht, war der G7-Gipfel aus unserer Sicht kein Erfolg.

Über die Autorinnen und Autoren

Greta, Henrike und Jonathan sind Mitglieder des Jugendbeirats von Plan International. Sie engagieren sind insbesondere zum Thema Bildung.

Dieser Beitrag wurde von den oben genannten Mitgliedern des Jugendbeirats verfasst und gibt die Meinung der Autorinnen und des Autors wieder. Die Inhalte entsprechen nicht zwangsläufig den Standpunkten von Plan International Deutschland e.V.

Greta

Greta ist 20 Jahre alt und studiert internationale Beziehungen in Den Haag.

Henrike

Die 19-jährige Henrike geht in Magdeburg zur Schule.

Jonathan

Jonathan, 21 Jahre alt, studiert BWL in Mannheim.