Weltweite Hilfe
© Plan International / Ilvy Njiokiktjien / Das Bild stammt aus einem ähnlichen Plan-Projekt in Mali. Es zeigt eine Familie, die ihre Tochter nicht beschneiden lässt.
© Plan International / Ilvy Njiokiktjien / Das Bild stammt aus einem ähnlichen Plan-Projekt in Mali. Es zeigt eine Familie, die ihre Tochter nicht beschneiden lässt.

Weibliche Genitalverstümmelung abschaffen

In Mali wird die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung landesweit praktiziert. Sie birgt ein hohes gesundheitliches Risiko für die Mädchen und jungen Frauen und ist oft mit schweren körperlichen und seelischen Folgen verbunden. Plan und seine Partner kämpfen bereits seit 2004 in verschiedenen Regionen Malis dafür, Mädchen vor der weiblichen Genitalverstümmelung zu schützen und die Zahl der beschnittenen Mädchen und Frauen zu senken.

Stoppt weibliche Beschneidung!Helfen auch Sie in Mali!

Das Projekt in der Übersicht

Projektregion:
Bafoulabé in der Region Kayes

Projektlaufzeit:
August 2020 – Juli 2023

Ziel:

  • Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C) in 24 Projektdörfern

    Maßnahmen:

    • Schulungen für traditionelle Autoritäten, Lehrkräfte und Eltern zu Kinderrechten, Kinderschutz und den schweren Folgen der Genitalverstümmelung
    • Gründung von Kinderschutzkomitees in 49 Dörfern
    • Ausbildung von jungen Aktivist:innen, die sich für die  Abschaffung von FGM/C und sexuelle Aufklärung einsetzen
    • Schulungen für Angestellte im Sozial- und Gesundheitswesen

      Ja, ich unterstütze dieses Projekt!

      Was uns in Mali erwartet

      Mali

      In Mali sind 83 Prozent der Mädchen und Frauen beschnitten. Die Beendigung dieser Praxis ist keine leichte Aufgabe. Die weibliche Genitalverstümmelung ist stark mit kulturellen Werten verbunden und dem Glauben vieler Menschen nach religiös verankert. Frauen, die nicht beschnitten sind, werden in der Gesellschaft oft als unrein angesehen. Sie haben Schwierigkeiten einen Ehepartner zu finden und werden sozial  ausgeschlossen. Dabei ist die weibliche Genitalverstümmelung ein Tabu-Thema und so haben betroffene Mädchen und Frauen kaum Möglichkeiten, über die gravierenden Folgen zu sprechen.

      Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegt Mali Platz 184 von insgesamt 189 Plätzen. Konflikte und Nahrungsmittelkrisen verschärfen die Lage und erhöhen den Druck auf die sozialen Grunddienste, wie Bildung und Gesundheitsversorgung. In Folge ist eine Rückkehr zu schädlichen traditionellen Praktiken zu beobachten. Selbst in Regionen, in denen Kinderheirat oder die weibliche Genitalverstümmelung bereits abgeschafft wurden, ist inzwischen wieder ein Aufleben dieser Praktiken zu beobachten.

      Auch in der Projektregion Kayes haben traditionelle Werte eine hohe Bedeutung. Die meisten Mädchen werden vor ihrem fünften Geburtstag beschnitten. Die gesundheitlichen und psychischen Folgen sind gravierend: Mentale Traumata durch weibliche Genitalverstümmelung sind mit denen von Kindesmissbrauch vergleichbar. Komplikationen durch medizinisch unzureichend ausgebildete Beschneiderinnen und Infektionen sind häufig. Hinzu kommen spätere Beschwerden während der Menstruation oder beim Wasserlassen. Viele Mädchen und Frauen sind ein Leben lang mit negativen Folgen für ihre Sexualität konfrontiert. Mali gehört zu den wenigen afrikanischen Ländern, in denen es bisher kein gesetzliches Verbot von FGM/C gibt.

      "Während meiner Tätigkeit habe ich schreckliche Dinge gesehen"

      „Früher wurden wir aus dem Dorf verbannt, wenn wir darüber sprachen, die weibliche Genitalverstümmelung zu beenden“, erzählt Kouradjei. Sie ist 60 Jahre alt und ehemalige Beschneiderin.

      „Ich habe das Messer schon vor langer Zeit niedergelegt. Während meiner Tätigkeit habe ich schreckliche Dinge gesehen. Ich kenne die Folgen der Genitalverstümmelung und bin davon überzeugt, dass sie für Frauen keine Vorteile hat.“

      Zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung müssen traditionelle Werte und Strukturen in den Gemeinden verändert werden. Deshalb arbeiten wir eng mit lokalen Behörden und Autoritäten zusammen. In diesem Zusammenhang stellten wir die geplanten Aktivitäten bereits vor dem offiziellen Projektstart lokalen  Regierungsvertreter:innen, der Koordinierungsstelle für Frauenverbände sowie staatlichen Einrichtungen vor. Um auch die Gemeindemitglieder in die Projektaktivitäten miteinzubinden, organisierten wir im Dezember 2020 in allen 49 Dörfern Gemeindeversammlungen. Neben der Vorstellung des Projekts dienten die  Versammlungen ebenfalls dazu, die Zusammenarbeit mit den Gemeindemitgliedern zu fördern. Alle Teilnehmer:innen lobten die Veranstaltungen und sicherten ihre Unterstützung  für das Projekt zu.

      Damit wir die gemeindebasierten Organisationen, die sich in der Projektregion für die Abschaffung von FGM/C einsetzen, bei ihrer Arbeit unterstützen können, führten wir zunächst eine Befragung durch. Ziel war es, die möglichen Bedarfe und Verbesserungsmöglichkeiten, aber auch die Stärken der Gemeindegruppen zu ermitteln. Im  Anschluss daran organisierten wir einen Workshop, um die Ergebnisse zu besprechen, an dem 196 Mitglieder der Organisationen teilnahmen. Ein positives Ergebnis war, dass bereits in jedem Projektdorf Gemeindegruppen existieren, die auch über eigene Räumlichkeiten verfügen. Allerdings sind viele der Gruppen nicht offiziell registriert und es fehlt ihnen an Erfahrung  beim Einsatz gegen FGM/C. Zudem nahmen 13 Projektmitarbeiter:innen an einer Schulung zum Thema Kinderschutz teil. Ziel der Schulung war es, die Teilnehmer:innen über die  geltenden Kinderschutzrichtlinien zu informieren, sodass sie mögliche Missbrauchsvorfälle melden und betroffene Kinder und Jugendliche beraten und unterstützen können. 

      Die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung erfordert die Einbindung aller Gemeindemitglieder. Insbesondere ältere Menschen wie Großmütter und Großväter genießen in den Familien und Gemeinden ein hohes Ansehen und können Veränderungen anstoßen. Da FGM/C stark mit kulturellen Werten verbunden und dem Glauben vieler Menschen nach religiös verankert ist, ist es zudem wichtig, auch die religiösen Autoritäten von den negativen Folgen der Praktik zu überzeugen.

      In diesem Zusammenhang schulten wir je 196 Großmütter und Großväter, 392 religiöse Autoritäten und Gemeindevorsteher:innen sowie 58 Leiterinnen von Frauengruppen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit,  Kinderschutz und geschlechtsspezifischer Gewalt. Ein erster Erfolg ist, dass einige der Teilnehmer:innen ihre Einstellung zur Abschaffung von FGM/C bereits geändert haben. Während sie anfangs dagegen waren, nahmen sie nach den Schulungen eine positive Haltung dazu ein.

      „Wir wussten nicht, welche negativen Auswirkungen die Beschneidung auf Mädchen und Frauen hat. Aber nun verstehen wir, wie gravierend die gesundheitlichen und psychischen Folgen für die Betroffenen sind“, berichtet ein junger Gemeindevorsteher, der die Schulungen besucht hat.

      Im Dezember 2020 organisierten wir in der Projektregion generationenübergreifende Dialoge, um die Kommunikation zwischen den Generationen zu weiblicher  Genitalverstümmelung zu fördern. Zudem wollten wir erreichen, dass sich die Teilnehmer:innen ihrer Rolle und Verantwortung bewusst werden und ihre Ansichten und  Wertvorstellungen hinterfragen. An den Versammlungen nahmen Gemeindevorsteher:innen, Lehrkräfte, Gesundheitsfachkräfte sowie Leiter:innen von Frauen- und  Jugendverbänden teil. Durch die Dialoge konnten wir eine Diskussion über schädliche Praktiken wie FBM/C, Kinderheirat und andere Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt  anstoßen und die Teilnehmer:innen dazu ermutigen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

      „Ich habe mein kleines Mädchen beschneiden lassen, als sie zwei Jahre alt war, sie wäre fast verblutet. Seitdem habe ich mir geschworen, dass keine unserer anderen Töchter beschnitten wird. Um möglichst viele Mädchen vor der Praktik zu bewahren, sensibilisiere ich die Frauen bei Versammlungen zu diesem Thema“, so eine Frau aus Soukoutaly.

      Beispielhafte Projektkosten

      114 EUR
      kostet eine Verteilungsstelle für Verhütungsmitteln in einem Dorf

      457 EUR
      brauchen wir für die medizinische und psychologische Betreuung einer von FGM/C betroffenen Frau

      763 EUR
      benötigen wir für die Schulung eines Mitarbeitenden im Sozial- oder Gesundheitswesen für die Behandlung von betroffenen Frauen

      Ja, ich unterstütze dieses Projekt!
      Ihre Hilfe kommt an!
      • Projektausgaben (82,95 %)
      • Werbeaufwendungen (12,22 %)
      • Verwaltungsaufwendungen (4,83 %)
      • DZI Spendensiegel
      • TÜV NORD
      • eKomi Kundenauszeichnung in Gold
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