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Plan International setzt sich gegen weibliche Genitalverstümmelung ein.

Mädchen vor Beschneidung schützen

Guinea gehört zu den Ländern mit der höchsten Rate weiblicher Beschneidungsopfer weltweit: Laut offizieller nationaler Erhebungen sind 97 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die nationale Gesetzgebung verbietet zwar Genitalverstümmelung, wird aber bisher nicht umgesetzt. In unserem Folgeprojekt tragen Aufklärungsarbeit, Dialogveranstaltungen und alternative Initiationsriten dazu bei, dass mehr Mädchen vor der Verstümmelung geschützt werden und dass sich mehr Gemeinden bereit erklären, mit diesem gewaltvollen Ritus zu brechen.

Infos zum Projekt

Das Projekt ist erfolgreich finanziert

Dieses Projekt wurde erfolgreich eingeworben. Wir benötigen hierfür keine weiteren Spenden. Gerne können Sie uns jedoch mit der Übernahme einer Patenschaft oder einer Spende in unseren Sonderprojekt-Fonds unterstützen.


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Das ist der Projektrahmen

Projektregionen:
Coyah, Kissidougou und Guéckédou

Projektlaufzeit:
August 2018 – Mai 2022

Ziel:
Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung in möglichst vielen Projektgemeinden.

Maßnahmen:

  • Dialog- und Informationsveranstaltungen in 80 Projektgemeinden
  • Alternative Initiationsriten für rund 2.000 Mädchen
  • Radiobeiträge zur Aufklärung über das Thema
  • Aufbau und Unterstützung von Beratungsstellen
  • Neue Einkommensquellen für ehemalige Beschneiderinnen

Was uns in Guinea erwartet

Projektgebiet in Guinea

In Guinea ist die weibliche Genitalverstümmelung landesweit verbreitet. Sie ist stark mit kulturellen Werten verbunden und dem Glauben vieler Menschen nach religiös verankert. 97 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in Guinea sind beschnitten. Die nationale Gesetzgebung verbietet die Praxis zwar, es gibt jedoch keine konsequente strafrechtliche Verfolgung. In vielen Gemeinden findet die Praxis immer noch Unterstützung und stellt einen wichtigen Teil der weiblichen Initiationsriten dar. Meist sind es ältere Frauen oder Hebammen, die die Beschneidung durchführen und sich damit ein Einkommen sichern. Für die betroffenen Mädchen und Frauen sind die körperlichen und seelischen Folgen gravierend und stellen eine schwere Kinder- und Menschenrechtsverletzung dar.

Das Projekt unterstützt folgende Ziele für nachhaltige Entwicklung:

SDG3
Gesundheit und Wohlergehen
SDG5 Geschlechtergleichheit
Geschlechtergleichheit
SDG8
Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Unsere Projektziele

Das geplante Vorhaben ist unser drittes Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung in Guinea. Bereits in den Jahren 2007 bis 2010 sowie 2013 bis 2018 haben wir Aufklärungsarbeit in den Regionen Conakry, Guéckédou und Kissidougou geleistet, um über die schweren Folgen der Genitalverstümmelung zu informieren und Mädchen vor der grausamen Praxis zu schützen. 30 Gemeinden haben im Zuge dessen eine Verzichtserklärung unterschrieben und die weibliche Genitalverstümmelung offiziell abgeschafft. 

In diesem Projekt weiten wir die Maßnahmen auf zwei weitere Bezirke in der Region Coyah und je vier Bezirke in den Regionen Guéckédou und Kissidougou aus, um auch dort zur Beendigung der Genitalverstümmelung beizutragen. Rund 2.000 Mädchen aus 80 Gemeinden sollen alternative Riten durchlaufen und so vor der Beschneidung bewahrt werden. An weiteren Projektaktivitäten nehmen Eltern und Verwandte, Beschneiderinnen sowie 90 Lehrkräfte und 180 Angehörige des Gesundheits- und Justizwesens teil.

Projektaktivitäten: Februar 2020 - Januar 2021

Gemeinsam mit den Gemeinden wollen wir alternative Riten etablieren. Ziel ist es, FGM/C abzuschaffen, aber den positiven Wert des Ritus, den symbolischen Übergang der Mädchen in die Erwachsenenwelt und damit ihre feierliche Aufnahme in die Gesellschaft der Frauen, zu erhalten. In diesem Zusammenhang organsierten wir 36 alternative Zeremonien mit Liedern, Tänzen und Rollenspielen, an denen insgesamt 1.080 Mädchen begleitet von 180 Müttern teilnahmen. Insgesamt wurden alle 80 geplanten alternativen Riten durchgeführt, von denen 2.500 Mädchen profitierten.

14 Frauen und Mädchen suchten die Beratungsstellen in Kissidougou und Guéckédou auf und bekamen psychosoziale Unterstützung sowie rechtliche Betreuung. Sie waren von früher Heirat, Genitalbeschneidung, häuslicher Gewalt sowie Vergewaltigung betroffen. Die Fälle wegen früher Heirat und Genitalverstümmelung kamen vor Gericht und die Täter:innen wurden verurteilt. Die Vergewaltigung wird derzeit vom Justizministerium bearbeitet. Bei den Fällen von häuslicher Gewalt hat man sich außergerichtlich geeinigt und die Täter:innen wurden vom Jugendamt belehrt und verwarnt. 

In generationsübergreifenden Dialogen diskutieren Jugendliche und Erwachsene über FGM/C.
In generationsübergreifenden Dialogen diskutieren Jugendliche und Erwachsene über FGM/C.

Zur Verbesserung der Schutzstrukturen in den Gemeinden organisierten wir eine Diskussionsrunde mit verschiedenen Regierungsvertreter:innen sowie dem Präsidenten der Kinder und Jugendvertretung Guineas, die im Radio und Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Teilnehmer:innen sprachen dabei beispielsweise über die Strategien des Staates zur Beendigung von FGM/C und die Notwendigkeit, Kinder- und Jugendorganisationen bei der Umsetzung von Kinderrechten und der Bekämpfung von weiblicher Beschneidung einzubeziehen.

Um die Gemeindemitglieder dafür zu gewinnen, sich gegen alle Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt einzusetzen, fanden in einigen Gemeinden feierliche Unterzeichnungen der öffentlichen Erklärung zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung statt. Dabei wurde die Erklärung vorgelesen und anschließend von den Gemeindevertreter:innen unterschrieben.

Durch das Unterzeichnen verpflichteten sich die Gemeinden, Kinderrechte zu schützen und zu fördern sowie die Praxis von FGM/C abzuschaffen. 38 von 80 Gemeinden haben die Erklärung bereits unterschrieben. Darüber hinaus fanden in Kissidougou und Guéckédou Gerichtsverhandlungen statt, an denen je über 150 Zuschauer:innen teilnahmen. In beiden Gemeinden fand der Prozess gegen drei Täter:innen statt, die sich bezüglich der Beschneidung von Mädchen verantworten mussten. Alle Angeklagten wurden zu einer Geld- und mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die teilweise auf Bewährung ausgesprochen wurde. Die Urteile verdeutlichen die Nulltoleranz der Justiz gegenüber FGM/C und setzen ein klares Zeichen. 

Durch Informationsveranstaltungen klären wir die Gemeinden über weibliche Beschneidung und Frauenrechte auf.
Durch Informationsveranstaltungen klären wir die Gemeinden über weibliche Beschneidung und Frauenrechte auf.

Um den Austausch zwischen den Generationen zu fördern, diskutierten in der Region Kissidougou im Rahmen von vier generationsübergreifenden Dialogveranstaltungen zu FGM/C und den Rechten von Mädchen 100 Jugendliche mit 115 Erwachsenen. Damit wurden alle 80 geplanten Dialogveranstaltungen durchgeführt und insgesamt 3.400 Personen mit dieser Aktivität erreicht.

In Guéckédou produzierten wir zudem acht Radiosendungen, um die ländliche Bevölkerung über verschiedene Themen zu informieren. In den Sendungen ging es unter anderem um Kinderheirat, Unterstützungsmöglichkeiten bei geschlechterspezifischer Gewalt, Abschaffung von FGM/C sowie Covid-19. An den Produktionen beteiligten sich Vertreter:innen der Gewerkschaft, des Gesundheitsamts und religiöser Institutionen.

Von Februar 2020 bis Januar 2021 führten wir 50 Sensibilisierungskurse zu weiblicher Beschneidung an Schulen durch. Ziel war es, die negativen Folgen von FGM/C aufzuzeigen und die Schüler:innen über die Gesetzeslage zu informieren. 2.693 Mädchen und 2.849 Jungen nahmen an den Kursen teil. Darüber hinaus veranstalteten wir 20 Sensibilisierungstouren in Form von partizipativen Theateraufführungen und Fokusgruppengesprächen, um die Gemeinden über weibliche Genitalverstümmelung aufzuklären. Insgesamt nahmen über 8.000 Personen daran teil.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar und des Internationalen Frauentags am 8. März organisierten wir Informationsveranstaltungen in den Gemeinden. In allen drei Projektregionen fanden daher an diesen Tagen viele Aktionen wie Podiumsdiskussionen, Kundgebungen oder Dialogveranstaltungen zu Frauenrechten und FGM/C statt, an denen 1.873 Personen teilnahmen. Neben hochrangigen Politiker:innen und wichtigen Persönlichkeiten waren auch Frauen- und Jugendverbände sowie NGOs anwesend.

Um die finanzielle Situation der Familien, vor allem der Frauen und ehemaligen Beschneiderinnen, zu verbessern, gründeten wir seit Projektbeginn 78 Spargruppen mit insgesamt 2.340 Mitgliedern, darunter 1.689 Frauen. Die dadurch entstehenden Fonds ermöglichen die Auszahlung kleiner Kredite, welche die Frauen beispielsweise zur  Gründung von Kleinstunternehmen nutzen können.

Um die Gemeinden bestmöglich vor Covid-19 zu schützen, setzten wir Maßnahmen zur Eindämmung des Virus um. Neben der Ausstrahlung von Radiosendungen führten wir Fokusgruppengespräche durch, um der Bevölkerung die Gefahr des Virus zu verdeutlichen und ihnen Schutzmöglichkeiten aufzuzeigen. Zudem verteilten wir in allen 80 Gemeinden Masken, Flüssigseife und Seifenspender sowie Infomaterial zu Corona.

"Eltern beschneiden ihre Töchter damit sie tugendhaft bleiben"

©Plan International / Johanna de Tessières
©Plan International / Johanna de Tessières

Madame Jeanne war sechs Jahre lang Beschneiderin. Im Gegensatz zu vielen anderen hat sie niemals die Mädchen im Wald beschnitten. „Ich bin eine geschulte Krankenschwester. Deshalb konnte ich chirurgische Ausrüstung benutzen und die Mädchen mit sterilen Instrumenten unter Narkose zu Hause beschneiden. Das hat viele Eltern beruhigt.“

Auch die Mutter von Madame Jeanne war Beschneiderin. „ Als ich gefragt wurde, ob ich auch Beschneiderin werden will, musste ich nicht lange überlegen. Es ist eine angestammte familiäre Tradition und die Menschen hier haben viele Gründe das zu tun. Aber eigentlich beschneiden die meisten Eltern ihre Töchter, damit sie tugendhaft bleiben und nicht den Jungen hinterherlaufen."

„Die Aufklärungsaktivitäten in meinem Dorf starteten 2007. Da ich medizinisch geschult bin, verstand ich sofort, dass das, was man uns erzählte, stimmte. Aber die Leute waren nicht glücklich damit und als ich anfing, mich zu weigern, die Mädchen zu beschneiden, kamen die Nachbarn zu mir und beschwerten sich. Aber ich blieb standhaft.“ Heute ist Madame Jeanne Aktivistin im Kampf gegen FGM und nimmt an vielen Aktivitäten von Plan International teil, um Mädchen vor der Beschneidung zu schützen.

Exemplarische Projektkosten

48 EUR:
kostet die Teilnahme von drei Gemeindemitgliedern an einer Dialogveranstaltung

64 EUR:
pro Person kosten die Schulungen für Gesundheits-, Bildungs-, Polizei- und Justizbehörden zur Aufklärung über FGM

181 EUR:
brauchen wir monatlich für den Betrieb einer Beratungsstelle für betroffene Mädchen und Frauen

Ihre Hilfe kommt an!
  • Projektausgaben (82,95 %)
  • Werbeaufwendungen (12,22 %)
  • Verwaltungsaufwendungen (4,83 %)
  • DZI Spendensiegel
  • TÜV NORD
  • eKomi Kundenauszeichnung in Gold
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