Gute Neuigkeiten März 2021

Wir informieren: Projekt aus dem Sonderprojekt-Fonds

Mädchen vor Beschneidung schützen

Projektregion:

Guinea: Coyah, Kissidougou und Guéckédou

Projektstart

August 2018

 

Ziel:
  • Aufklärung über die negativen Folgen weiblicher Beschneidung
  • Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung in den Projektgemeinden
  • Schaffung neuer Einkommensquellen für ehemalige Beschneiderinnen 
Massnahmen:
  • Dialog- und Informationsveranstaltungen in 80 Projektgemeinden
  • Alternative Initiationsriten für rund 2.000 Mädchen
  • Radiobeiträge zu dem Thema
  • Aufbau und Unterstützung von Beratungsstellen
  • Aufklärungsarbeit durch Jugendclubs an Schulen  

Die Situation vor Ort

In Guinea ist die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) landesweit verbreitet. 97 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind beschnitten.* Laut der nationalen Gesetzgebung ist dies zwar verboten, wird aber kaum strafrechtlich verfolgt. Für viele Gemeinden ist die Beschneidung immer noch ein wichtiger Teil des Initiationsritus an der Schwelle vom Mädchen zur Frau und wird daher weiter praktiziert. Meist sind es ältere Frauen oder Hebammen, die die Praxis durchführen und sich damit ein Einkommen sichern. Für die betroffenen Mädchen und Frauen sind die körperlichen und seelischen Folgen gravierend und stellen eine schwere Kinder- und Menschenrechtsverletzung dar.

Bereits seit 2007 gehen wir gegen weibliche Genitalverstümmelung in Guinea vor. 30 Gemeinden haben im Zuge dessen eine Verzichtserklärung unterschrieben und die weibliche Genitalverstümmelung offiziell abgeschafft.

Im aktuellen Projekt weiten wir die Maßnahmen auf sechs weitere Bezirke in den Regionen Coyah, Kissidougou und Guéckédou aus. Rund 2.000 Mädchen aus 80 Gemeinden sollen alternative Riten durchlaufen und so vor der Beschneidung bewahrt werden.

Was wir gezielt tun

Die weibliche Genitalverstümmelung als Zeremonie steht für die feierliche Aufnahme der Mädchen in die Gesellschaft der Frauen und Erwachsenen. Um diesen Wert des Ritus zu erhalten, unterstützen wir alternative Initiationsriten ohne Beschneidung, die die Mädchen gemeinsam mit den Frauen ihrer Gemeinde erleben und die ihnen viel über ihre kulturelleIdentität vermitteln. Zur Entwicklung von Aktivitäten wie Tänzen, Gesang und Rollenspielen als Teil des Ritus und für einen generationsübergreifenden Austausch zu diesem Thema fanden bereits 62 Schulungen mit 1.870 Mädchen und 310 Müttern statt. Weitere folgen.

 Die Aufklärung über das Radio hat sich bereits als sehr erfolgreich erwiesen. Deshalb produzieren wir Radiobeiträge zum Thema Genitalverstümmelung und ihre Folgen sowie zu Alternativen in mehreren lokalen Sprachen und erreichen so einen großen Teil der Bevölkerung in den Projektregionen. Auch im Rahmen von moderierten Dialogveranstaltungen tauschen sich Erwachsene und Jugendliche in den Gemeinden zu diesen Themen aus.

Zwar ist die weibliche Genitalverstümmelung in Guinea per Gesetz verboten, Verstöße werden jedoch nur sehr selten geahndet. Unser Ziel ist es, dass sich möglichst viele Gemeinden offiziell zur Abschaffung der Praxis bekennen. Deshalb sensibilisieren wir lokale Autoritäten für die schweren Folgen der Beschneidung, die Rechte von Mädchen und Kindern und die Gesetzeslage. Ebenso unterstützen wir Jugendclubs, damit diese sich für die Abschaffung der Praxis und die Durchsetzung der Verbote starkmachen.

Traditionelle und professionelle Beschneiderinnen bieten ihre Dienste auch aus wirtschaftlichen Gründen an. Die Beschneidung sichert ihnen ein Einkommen, oft in Form von Sachspenden. Deshalb bieten wir ehemaligen Beschneiderinnen Zugang zu alternativen Einkommensmöglichkeiten. Sie schließen sich zu Spargruppen zusammen und lernen in Schulungen, wie sie Kleinstunternehmen gründen und mit dem Verkauf von selbst produzierten Waren ein Einkommen erwirtschaften.

Als Anlaufpunkt für betroffene Mädchen und Frauen richten wir weitere Beratungsstellen in den Projektregionen ein. Hier bekommen Betroffene Unterstützung bei drohenden oder bereits vollzogenen Beschneidungen oder auch strafrechtlichen Prozessen und finden einen geschützten Raum, um über ihre Erlebnisse zu sprechen.

Danke, dass Sie diese Hilfe möglich machen!


Persönliche Geschichten aus unserem Projekt

„Ich brauchte zwei Jahre, um aufzuhören."

Jacqueline

Das Messer ist Teil der Familiengeschichte von Jacqueline. Bereits ihre Großmutter war die örtliche Beschneiderin und vermachte Jacqueline dieses Amt an ihrem Sterbebett. „Um anerkannt zu werden, musste ich zuerst meine eigene Tochter beschneiden.“

Danach war sie 20 Jahre lang als Beschneiderin in der Region unterwegs und führte zeremonielle Gruppenbeschneidungen mit 10 bis 15 Mädchen durch. „Man erzählte ihnen, dass sie in den Wald gehen würden, um dort von einem Baum zu springen und in die Geheimnisse des Erwachsenwerdens eingeweiht zu werden. Was auch immer geschehe, sie sollten nicht weinen und alles akzeptieren, wie ihre Mütter und Großmütter vor ihnen.“

Zu ihrer Zeit als Beschneiderin genoss sie ein besonderes Ansehen in der Gemeinde, sagt Jacqueline. „Alle respektierten und fürchteten mich. Bei jeder Beschneidung erhielt ich Gaben wie Geld, Öl, Reis oder einen Hahn.“

Durch intensive Aufklärungsarbeit konnte Plan International Jacqueline zum Umdenken bewegen, denn auch ihr Ansehen in der Gemeinde war davon betroffen. „Zuerst machte ich heimlich weiter, Mädchen zu beschneiden. Doch nach und nach verstand ich, dass ich damit aufhören musste, und immer mehr Gemeindemitgliedern ging es genauso.“

Der entscheidende Wendepunkt, der Jacqueline schließlich zum Aufhören bewegte: Ihre eigene Tochter musste aufgrund von Komplikationen wegen ihrer Verstümmelungen Jacquelines erstes Enkelkind per Kaiserschnitt entbinden. „Danach war meine Tochter sehr wütend auf mich, nannte mich eine schlechte Mutter und ließ mich im Stich.“

Daraufhin beendete Jacqueline ihre Arbeit als Beschneiderin. Heute ist sie beruflich als Trainerin des Projekts „Save girls from FGM“ für Plan International tätig. „Ich bin froh, diese Praxis aufgegeben zu haben. Ich habe es nicht besser gewusst.“

Zwei Mädchen, zwei Schicksale, gemeinsam stark für eine Sache

„Man erzählte mir, ich solle bloß von einem Baum springen, das gehöre zum Ritual. Kaum dort angekommen, beschnitten sie mich.“ Nanfadima (18)

Bintou und Nanfadima (13 und 18 Jahre alt) sind beide Mitglieder des Projekts „Save girls from FGM“ in Kissidougou. Ihre Geschichten und Erfahrungen sind verschieden, doch beide kämpfen für mehr Aufklärung und die Abschaffung von Beschneidungen in ihrem Land.

Nanfadima erklärt, warum sie dem Projekt beitreten wollte: „Die Leute sagen, dass ich keine echte Guineerin mehr bin, weil ich die Tradition infrage stelle. Das ist falsch. Ich bin sehr stolz darauf, Teil des Rituals gewesen zu sein. Aber ich war erst 5 Jahre alt, als ich beschnitten wurde, und habe immer noch sehr oft Schmerzen, die mich wohl mein restliches Leben begleiten werden. Ich bin froh, dass einige hier der Beschneidung entkommen sind.“

Bintou erzählt, dass ihr Vater ihre Beschneidung verhinderte. „Er erhob Einspruch, weil er wusste, dass ich in Gefahr war. Aber er hat damit einen großen Teil der Familie gegen sich aufgebracht. Viele sind der Meinung, ich solle beschnitten werden. Als unbeschnittenes Mädchen wird man oft von anderen Mädchen, den Nachbarn oder der Familie ausgeschlossen oder geärgert. Das ist nicht fair. Aber trotzdem weiß ich, dass ich Glück habe, FGM entkommen zu sein.“

Ihre Hilfe kommt an - Garantiert!

Ihre Hilfe kommt an!
  • Projektausgaben (82,95 %)
  • Werbeaufwendungen (12,22 %)
  • Verwaltungsaufwendungen (4,83 %)
  • DZI Spendensiegel
  • TÜV NORD
  • eKomi Kundenauszeichnung in Gold

Ihr Geld kommt garantiert an! Denn das Geld unserer Patinnen und Paten setzen wir zielgerichtet und effektiv ein. Dieser wirtschaftliche Ansatz stellt sicher, dass über 80 Prozent der Einnahmen als Projektausgaben zur Verfügung gestellt werden und unser Verwaltungsaufwand so gering wie möglich gehalten wird.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat Plan International Deutschland das DZI Spendensiegel zuerkannt und bestätigt damit die geprüfte Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Spendenwesen. Das verschafft Ihnen die Sicherheit, dass Ihr Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird!

Der TÜV NORD hat Plan International Deutschland 2020 im Geltungsbereich „Zufriedenheit der Paten und Spender mit dem Service und Leistungsangebot der Hilfsorganisation“ geprüft. Plan erzielte bei den Servicefaktoren eine Gesamtzufriedenheit von 1,41 sowie eine Weiterempfehlungsquote von 98 Prozent.

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