Sicherheit für Mädchen in Hanoi

Wir informieren: Projekt aus dem Mädchen-Fonds

Sicherheit für Mädchen in Hanoi

Projektregion:
Đông Anh in der Region Hanoi

Projektstart:
Juli 2020

Ziel:

  • Mehr Sicherheit für Mädchen in ihrer Stadt
  • Partizipation für Mädchen an der Entwicklung ihrer Stadt

Maßnahmen:

  • Zusammenarbeit mit 54 Jugendclubs, in denen 3.240 Jugendliche lernen, wie sie sich für ihre Rechte einsetzen können
  • Mehr Beteiligungsmöglichkeiten und Einfluss auf Politik und Stadtplanung für Mädchen
  • Zusammenarbeit mit öffentlichen Verkehrsbetrieben für mehr Sicherheit in Bussen und Bahnen
  • „Safety Walks“, bei denen Jugendliche gefährliche Orte in ihrer Stadt dokumentieren

Die Ausgangslage

Geschlechtsspezifische Gewalt ist in Vietnam weit verbreitet – mehr als die Hälfte aller Frauen hat in ihrem Leben bereits physische, emotionale oder sexuelle Übergriffe erlebt. Mädchen haben im Vergleich zu Jungen weniger Bewegungsfreiheit und können sich seltener an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen. Dies liegt an der Besorgnis der Eltern, aber auch an ihrer eigenen Angst vor Übergriffen und Gewalt.

In Vietnam gibt es bereits verschiedene Gesetze und Programme, um Mädchen zu schützen und zu stärken. Dennoch besteht weiterhin großer Handlungsbedarf: 31 Prozent der Mädchen, die wir im Rahmen unseres Vorgängerprojekts in Vietnam befragten, gaben an, auf öffentlichen Plätzen und in Verkehrsmitteln bereits sexuell belästigt worden zu sein. Diese Räume müssen sicherer und inklusiver werden – auch für junge Menschen mit Behinderungen und Jugendliche, die sich als LGBTQI+* definieren, denn sie werden im Verhältnis noch häufiger belästigt oder erleben Gewalt.

*„LGBTQI+“ steht für „lesbian, gay, bi, trans, queer, intersex + (und weitere)“ und beschreibt Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten und Orientierungen.

Bisheriges Engagement

2019 haben wir in der Region bereits erfolgreich ein fünfjähriges Projekt abgeschlossen.

  • Wir haben Aktivitäten an 55 Schulen sowie in 24 Kommunen durchgeführt.
  • Insgesamt konnten 650.000 Jugendliche, 55.000 Eltern und Betreuer:innen, 8.000 Beschäftigte im Verkehrssektor und 1.000 Regierungsangestellte erreicht werden.
  • In fünf Bezirken kooperierten wir mit Verkehrsbetrieben und nationalen Behörden. Unser Projekt trug dazu bei, dass Sicherheitskameras in 524 Bussen installiert wurden.
  • Die Projektteilnehmer:innen arbeiteten an der „Mobile Safe Journey Application“ mit, die von Plan International Vietnam entwickelt wurde. Die App versorgt insbesondere Mädchen und junge Frauen mit Informationen, wie sie sich in ihren Städten sicher bewegen können.
  • Zusammen mit Regierungspartnern und einem Verlag wurden sechs Bücher zu Geschlechtergerechtigkeit und geschlechtsspezifischer Gewalt veröffentlicht.
  • Zusätzlich wurden eigens entwickelte Trainingsmaterialien auf verschiedene lokale Kontexte zugeschnitten und vom nationalen Gender-Büro in 63 Provinzen vertrieben.

Unsere nächsten Ziele

Unsere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen auf Stadt-, Distrikt- und Landesebene, die uns bei der Umsetzung und Durchführung von Aktivitäten unterstützen, führen wir fort. An unseren aktuellen Maßnahmen nehmen 1.620 Mädchen und 1.620 Jungen aus insgesamt 54 Jugendclubs teil. Außerdem erreichen wir 650 Lehrer:innen aus 26 Schulen,  25 Journalist:innen, 16.000 Eltern, 945 Bedienstete im öffentlichen Verkehrssektor sowie 150 Regierungsbeamt:innen. Hunderttausende Kinder, Jugendliche und Eltern in der Region Hanoi werden so sensibilisiert.

Geplant ist nun auch, die entwickelte App „Mobile Safe Journey Application“ an die Vietnam Youth Union zu übergeben, damit sie auch landesweit stärker vertrieben werden kann.

Wie wir vorgehen

Kampagnen tragen das Thema weiter in die Öffentlichkeit. So wurden im Vorgängerprojekt beispielsweise Busse und Bushaltestellen mit Slogans bedruckt. So werden Gemeinden mobilisiert, sich ebenfalls für mehr Sicherheit in ihrem Stadtteil und den Schutz von Mädchen und Frauen einzusetzen.

Während Sicherheitsrundgängen dokumentieren die Jugendlichen – schriftlich und mit Kameras – Orte in ihrem Stadtteil, die sie als unsicher oder gefährlich einstufen, und melden der Polizei wichtige Brennpunkte. Mit Bewertungsbogen dokumentieren die Jugendlichen und andere Gemeindemitglieder außerdem regelmäßig die Qualität der städtischen Dienste im Hinblick auf den Schutz und die Sicherheit von Mädchen. So kann das Projektteam Fortschritte beobachten und Vorschläge für weitere Verbesserungen machen. Die so gesammelten Daten fließen in einen Bericht für öffentliche Entscheidungsträger:innen.

So wirkt das Projekt

Schweigen hilft keinem Mädchen weiter

„Wenn ich von der Schule nach Hause komme, werde ich meistens von Jungen und Männern auf Motorrädern angemacht. Manchmal versuchen sie auch, mich anzufassen. Wenn ich allein bin, habe ich sehr große Angst“,

sagt Lan, 16, aus Hanoi. Bis zu drei oder vier Mal die Woche wird Lan belästigt. Wenn sie mit dem Bus fährt, nimmt sie zu ihrem Schutz einen Freund mit. Eines Tages folgte ein Mann Lan von der Schule nach Hause.

„Er versuchte, mich zu berühren. Ich wusste, dass er schlechte Absichten hatte. Ich fing an, mich zu fürchten. Ich habe geschrien und versucht, so schnell wie möglich zu gehen, um ihm zu entkommen.“

Die Mitgliedschaft in der Gruppe "Champions of Change“ von Plan International hilft Mädchen, sich in ihrer Stadt sicherer zu fühlen. Der Club hat Lan Selbstvertrauen gegeben, und sie weiß jetzt, welches Verhalten inakzeptabel ist – und wie sie es vermeiden kann.

„Bevor ich dem ‚Champions of Change‘-Club beitrat, hatte ich Angst oder weinte, wenn ich belästigt wurde. Ich habe niemandem davon erzählt und meine Sorgen nicht geteilt. Jetzt weiß ich, dass ich anderen gegenüber offen sein und Hilfe bekommen kann. Ich bin selbstbewusst, glaube an mich und mir ist bewusst, dass Männer nicht das Recht haben, mich einzuschüchtern oder mich zu belästigen“, erklärt Lan.

Mit Comics gegen sexuelle Belästigung

Tra (19) ist eine Studentin aus Hanoi. Während ihrer Schulzeit war sie eine der Hauptverantwortlichen für die Erstellung von vier Comic-Heften im Taschenformat, die im gesamten Busnetz von Hanoi verteilt wurden, um gegen sexuelle Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln vorzugehen.

„Als junges Mädchen sagten mir die Leute, dass ich wie ein Junge aussehe, und kritisierten mich dafür. Das hat mich sehr geärgert. Sie wollten, dass ich lange Haare habe und mich wie ein Mädchen verhalte, aber das habe ich gehasst. So bin ich nicht. Deshalb mache ich mich für die Selbstbestimmung von Mädchen stark.“

In Tras Stadtteil ist es ziemlich sicher, aber ihre Freund:innen hatten oft einen sehr schwierigen Schulweg. Manchmal waren sie regelrecht panisch. Sie brachen in Tränen aus, weil ihnen etwas zugestoßen war.

„Als ich sie so sah, wurde mir klar, dass die Sicherheit von Mädchen hier ein großes Problem ist und dass ich etwas dagegen tun wollte.“

Zusammen mit anderen Schüler:innen hat Tra Geschichten entwickelt, die verschiedene Situationen von Übergriffen veranschaulichen und den Leuten zeigen, was sie tun können, wenn sie oder andere belästigt werden.

„In einem unserer Comics gibt es Ratschläge, was man tun kann, wenn man im Bus unangemessen berührt wird. Wir weisen auch darauf hin, dass es in der Nähe der Busfahrer:innen am sichersten ist, da sie geschult sind und gezielt auf Mädchen achten.“

Die Comics zeigen auch, dass man nicht schweigen sollte, wenn man solch einen Vorfall beobachtet.

„Es ist nicht nur die Verantwortung des Mädchens, sich selbst zu schützen. Es liegt in der Verantwortung aller, Mädchen zu schützen.“

Die Comics sind im Manga-Stil gehalten und wurden von Mitgliedern der Jugendclubs gezeichnet. Mangas sind in Vietnam sehr beliebt, sodass die Darstellung auf großes Interesse stößt und mehr Menschen zum Lesen motiviert.

„Obwohl die Geschichten recht einfach sind, bringen sie die Botschaft sehr gut rüber. Die Mädchen haben dadurch mehr Selbstvertrauen gewonnen, um sich zu schützen. Sie haben die Kraft, aufzustehen und sich zu wehren. Die Gesellschaft ist sich der Probleme ebenfalls stärker bewusst. In der Öffentlichkeit schaut kaum noch jemand einfach still weg. Mitmenschen kümmern sich mehr um Mädchen und ergreifen Maßnahmen zu ihrem Schutz.“

Safer Cities: Zusammen für Veränderung

Dieses Projekt ist Teil unseres Programms „Safer Cities for Girls“ (dt.: Sichere Städte für Mädchen), das mehr Sicherheit für Mädchen in ihrem Wohnumfeld sowie an öffentlichen Orten und in öffentlichen Verkehrsmitteln schafft. Dabei fördern wir die politische Beteiligung von Mädchen und jungen Frauen, die aktiv in die Gestaltung und Entwicklung ihres Stadtteils mit eingebunden werden. Plan International Deutschland unterstützt auch Projektaktivitäten in den ägyptischen Städten Assiut und Alexandria. In der indischen Metropole Delhi sowie in Lima, Peru, haben wir „Safer Cities for Girls“ bereits erfolgreich abgeschlossen.

Nachhaltige Hilfe, die ankommt

Spendenverwendung

Ihre Hilfe kommt an

Für uns als Kinderhilfsorganisation Plan International Deutschland e.V. ist Transparenz besonders wichtig: Pat:innen, Förder:innen, Spender:innen sollen erfahren, was mit ihrer Spende geschieht. Um dies zu garantieren, hält sich Plan International an verbindliche Regularien.

Geprüfte Transparenz

Geprüfte Transparenz

Unter anderem verpflichten wir uns dazu, transparent zu arbeiten, sparsam zu wirtschaften und sachlich zu informieren. Dafür bekommen wir vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) das Spendensiegel zuerkannt.

Unsere Unterstützer:innen sprechen für uns

Wir sind ausgezeichnet

Bei der Prüfung der Kundenzufriedenheit von TÜV NORD erhält Plan International eine Weiterempfehlungsquote von 97%.

Zudem ist Plan International Deutschland mit dem eKomi Siegel ausgezeichnet mit einer Bewertung von 4,9 von 5 Sternen.