10 Fakten über Cholera
Die Lage in El Obeid, der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaats Nord-Kordofan, ist alarmierend. Nach Monaten anhaltender Kämpfe verschärft ein tödlicher Cholera-Ausbruch die humanitäre Not weiter. Gesundheitszentren und Sanitärinfrastruktur wurden stark beschädigt. Gleichzeitig verschlimmern Regen, Wassermangel und schlechte hygienische Bedingungen in Unterkünften für vertriebene Menschen die Situation.
Besonders gefährdet sind Kinder: Sie sind anfälliger für Krankheiten, leiden stärker an Hunger und sind zusätzlichen Risiken wie Vertreibung, Gewalt und psychischer Belastung ausgesetzt.
Hinzu kommt: In Sudan sind schätzungsweise 8,6 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Viele leben in behelfsmäßigen Unterkünften und Camps, oft ohne sicheren Zugang zu sauberem Wasser, Sanitärversorgung oder medizinischer Hilfe. Bedingungen, die die Ausbreitung von Cholera stark begünstigen.
Was sollte man über Cholera wissen? Hier finden Sie sieben Fakten.
1. Was ist Cholera und warum kann die Krankheit so gefährlich werden?
Cholera ist eine bakterielle Durchfallerkrankung. Sie wird durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht. Die typischen Symptome sind starker wässriger Durchfall und Erbrechen, meist ohne Fieber. Dabei verliert der Körper in kurzer Zeit sehr viel Flüssigkeit und wichtige Salze. Die Krankheit kann innerhalb weniger Stunden lebensgefährlich werden, wenn sie nicht behandelt wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont deshalb, dass schneller Zugang zu Behandlung entscheidend ist. Menschen mit schweren Verläufen brauchen sofort Flüssigkeit, Elektrolyte und oft weitere medizinische Hilfe.
2. Wie wird Cholera übertragen und warum breitet sie sich in Krisen so schnell aus?
Cholera wird meist über verunreinigtes Trinkwasser übertragen. In selteneren Fällen kann auch eine Übertragung über kontaminierte Lebensmittel stattfinden. Besonders groß ist das Risiko dort, wo Menschen keinen sicheren Zugang zu sauberem Wasser, Toiletten und Hygiene haben. Daher sind häufig auch Krisen- und Katastrophengebiete von Cholera-Ausbrüchen betroffen. Konflikte, Vertreibung, beschädigte Wasserleitungen, überfüllte Notunterkünfte und starke Regenfälle schaffen Bedingungen, unter denen sich die Krankheit leicht ausbreiten und zu einer Epidemie entwickeln kann.
Cholera-Bakterien sind gegen Umwelteinflüsse gut gewappnet. Sie können etwa auf Speisen überleben, selbst, wenn diese eingefroren wurden. Selbst gechlortes Wasser schützt nicht vor einer Übertragung.
3. Warum bleiben viele Infektionen zunächst unbemerkt?
Viele Menschen, die sich mit Cholera infizieren, haben keine oder nur leichte Symptome. Trotzdem können sie die Bakterien bis zu zehn Tage nach der Infektion ausscheiden und andere anstecken. Laut WHO ist dies einer der Gründe, warum sich Cholera-Ausbrüche oft schwer eindämmen lassen. Wenn Symptome auftreten, dann meist innerhalb von 12 Stunden bist fünf Tagen nach der Infektion. Leichte und mittlere Verläufe können mit einer oralen Rehydrierungslösung (Flüssigkeit, Zucker und Elektrolyte) behandelt werden.
4. Warum sind Kinder besonders gefährdet?
Kinder können durch Erbrechen und Durchfall besonders schnell dehydrieren. Wenn sie zusätzlich unterernährt sind oder geschwächt leben, steigt ihr Risiko weiter. Das gilt besonders in Krisengebieten, in denen sauberes Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe fehlen.
Plan International warnt davor, dass in El Obeid in Sudan derzeit ohne eine schnelle Ausweitung der humanitären Hilfe viele Kinder an Krankheit und Hunger leiden oder sterben könnten.
5. Wie groß ist die Cholera-Belastung weltweit?
Cholera ist eine vermeidbare und behandelbare Krankheit. Trotzdem bleibt sie weltweit eine große Bedrohung. Die gemeldeten Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist. Im Jahr 2025 wurden der WHO 614.828 Fälle und 7.598 Todesfälle aus 33 Ländern gemeldet. Die WHO weist allerdings darauf hin, dass diese Zahlen wahrscheinlich zu niedrig sind, und schätzt die Tatsächlichen jährlichen Cholera-Fälle auf etwa 1,3 bis 4 Millionen. Ein Grund für die hohe Differenz ist, dass Ausbrüche in vielen Ländern nicht vollständig erfasst werden oder Infektionen unbemerkt bleiben.
6. Welche Rolle spielen Impfungen bei Cholera-Ausbrüchen?
Orale Cholera-Impfungen können helfen, Menschen kurzfristig zu schützen und Ausbrüche einzudämmen. Eine Dosis bietet einen kurzfristigen Schutz von mindestens sechs Monaten. Zwei Dosen schützen in der Regel länger, meist bis zu drei Jahre. Gleichzeitig reicht Impfen allein nicht aus, sondern muss immer auch mit sicherem Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene, Aufklärung, Überwachung und schneller Behandlung verbunden werden.
7. Warum ist Cholera auch in Deutschland meldepflichtig?
In Deutschland ist der Verdacht auf Cholera, eine bestätigte Erkrankung sowie auch ein Todesfall meldepflichtig. Bei der letzten großen Cholera-Epidemie hierzulande (1892 in Hamburg) infizierten sich 17.000 Menschen, 8.600 starben. Heute gibt es keine solche Epidemien in Deutschland mehr, was vor allem an sauberem Trinkwasser, funktionierender Abwasserentsorgung und guter medizinische Versorgung liegt. Der Blick nach Deutschland zeigt deshalb auch: Cholera ist vermeidbar, wenn grundlegende Infrastruktur vorhanden ist.
WASH – Wichtiger Arbeitsbereich bei Plan International
Bei Plan International gehört der Arbeitsbereich WASH (Wasser, Sanitär und Hygiene) zu einem wichtigen Teil der weltweiten Programmarbeit. Zum WASH-Bereich zählen die Einrichtung von Sanitäranlagen und mobilen Handwaschstationen, der Zugang zu sauberem Trinkwasser, zum Beispiel durch den Bau oder die Sanierung von Brunnen, aber auch die Aufklärung über Hygiene, die Schulung von medizinischem Personal sowie etwa im Katastrophenfall die Verteilung von Hygiene-Kits, die beispielsweise auch Wasseraufbereitungstabletten beinhalten. Ziel ist es, Menschen langfristig Zugang zu sicherem Wasser, Sanitäranalgen und Hygiene zu ermöglichen und so auch Krankheiten wie Cholera vorzubeugen.
Plan International unterstützt Kinder und ihre Familien in El Obeid weiterhin mit lebensrettender Hilfe. Gleichzeitig verschärfen Ausfälle bei Wasser-, Strom- und Lebensmittelversorgung sowie Beschränkungen für humanitäre Hilfe die Lage weiter.