Vergewaltigung als Kriegswaffe in Sudan stoppen
Dieser Artikel beschreibt die Entstehung der Petition #SilentSuffering – und enthält Berichte über sexualisierte Gewalt im Kontext bewaffneter Konflikte.
Herbst 2025: In der Auslandsberichterstattung dreht sich fast alles nur um die Kriege in Nahost und der Ukraine. Die Vorstandsvorsitzende von Plan International Deutschland, Petra Berner, kommt zurück von einer Reise in den Sudan. Die Geschichten, die Mädchen und Frauen ihr dort erzählt haben, sind erschütternd, denn das ostafrikanische Land ist von der größten humanitären Krise der Welt betroffen – und seit über zwei Jahren im Krieg.
Vergewaltigung ist zur Kriegswaffe geworden. Und das Schlimmste: Die betroffenen Mädchen und Frauen können kaum über das ihnen widerfahrene Leid sprechen, weil sie in der streng patriarchalischen Gesellschaft sonst Gefahr laufen, von ihren Familien ausgestoßen zu werden.
Die größte humanitäre Krise der Welt.
Dafür interessiert sich im Herbst 2025 kaum jemand, auch nicht für den Schauplatz Sudan. Der Krieg dort ist nicht vergessen, wie vielfach behauptet wird. Er findet nur einfach keine Beachtung – vielleicht auch, weil es andere Krisenherde gibt, die uns näher sind.
Um etwas an der fehlenden Aufmerksamkeit zu verändern, rufen wir von Plan International die Kampagne #SilentSuffering ins Leben und wollen damit das Leid von Kindern, Mädchen und Frauen in Sudan endlich sichtbar machen!
Wieder sind es die Frauen, die einen besonders hohen Preis zahlen müssen.
Die Hölle von El Fasher
Als Ende Oktober 2025 die über ein Jahr umlagerte Stadt El Fasher in Darfur im Westen des Landes in die Hände der RSF-Miliz fällt, kommt es zu unfassbaren Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Wieder sind es die Frauen, die einen besonders hohen Preis zahlen müssen: Auf ihrer Flucht aus El Fasher werden Mütter vor den Augen ihrer Kinder geschändet oder sie müssen tatenlos mit ansehen, wie ihre Töchter verschleppt und vergewaltigt werden.
Eine 15-Jährige, die einen sicheren Schutzraum von Plan International im etwa 70 Kilometer entfernt gelegenen Camp Tawila nach Tagen erreicht, berichtet, dass sie nach einer Gruppenvergewaltigung wie ein Stück Müll bewusstlos am Straßenrand liegen gelassen wurde. Es sind Geschichten wie diese, die uns überzeugen, dass alle Augen auf den Sudan gerichtet sein sollten, um das Leid der Betroffenen sichtbar zu machen und Hilfe schaffen zu können.
Eine Petition gegen Vergewaltigung als Kriegswaffe
Am 8. März 2026 – dem Weltfrauentag – startet Plan International Deutschland zusammen mit der Kampagnenorganisation change.org die Petition „Stoppt Vergewaltigung als Kriegswaffe in Sudan“. In einem Video erzählen Mädchen und Frauen, was ihnen angetan wurde. Es ist erschreckend, verstörend, unerträglich. In weniger als zwei Wochen erreichen wir über 50.000 Stimmen für unsere Petition – das Schweigen wird gebrochen.
Prominente wie die Schauspielerin Pheline Roggan, der Arzt Dr. Mertci und weitere bekannte Influencer:innen rufen in ihren sozialen Kanälen dazu auf, diese Petition zu unterzeichnen. Beinahe atemlos schauen wir auf die täglich steigende Zahl jener Personen, die uns und damit den Mädchen und Frauen in Sudan ihre Stimme geben.
Staatsministerin nimmt die Petition entgegen
Wir gewinnen Serap Güler, Staatsministerin im Bundesaußenministerium, dafür, die Petitionsstimmen am 14. April 2026 in Berlin entgegenzunehmen. Am Vortag einer großen Sudan-Konferenz überreichen Plan-Vorstandsvorsitzende Petra Berner und Mohamed Kamal, Länderdirektor bei Plan International Sudan, am Spreeufer symbolisch 61.332 Stimmen an Staatsministerin Güler. Sie fordert, dass die internationale Gemeinschaft endlich „laut werden muss“, um gegen sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe in Sudan vorzugehen.
Vor dem Paul-Löbe-Haus gibt es auch für andere Bundestagsabgeordnete die Möglichkeit, sich solidarisch mit sudanesischen Frauen und Mädchen zu zeigen. Sie können sich mit Schildern wie „Sexualisierte Gewalt ist ein Kriegsverbrechen“ oder „Kinder in Sudan schützen“ vor einem schwarzen Bilderrahmen fotografieren lassen. Der Bilderrahmen bleibt bewusst leer, denn die zentrale Botschaft lautet: „Kein Bild kann dem gerecht werden, was Mädchen und Frauen tagtäglich in Sudan erleiden“.
Kein Bild kann dem gerecht werden, was Mädchen und Frauen tagtäglich in Sudan erleiden.
Über 40 Bundestagsabgeordnete beteiligen sich an der Aktion, darunter viele Staatssekretär:innen, ehemalige Minister:innen und Fachpolitiker:innen. Von vor Ort berichtet auch die Moderatorin und Influencerin African Diva: Im Interview erzählt Mohamed Kamal ihr von den Gefahren humanitärer Arbeit inmitten des Krieges.
Bei der Aktion geht es um mehr als Aufmerksamkeit. Unsere Forderung an die Politik lautet, dass mindestens 5 Prozent der humanitären Gelder für Sudan zum Schutz und für Präventionsprogramme von Mädchen und Frauen verwendet werden. Beispielsweise müssen deutlich mehr sichere Schutzräume – sogenannte „Safe Spaces“ – geschaffen werden, in denen Betroffene psychosoziale Unterstützung erhalten und bei einem Neuanfang unterstützt werden.
„Wir hoffen, dass die Mädchen und Frauen und alle Menschen in Sudan keinen vierten Jahrestag erleben müssen.“
Plan-Länderdirektor spricht bei prominent besetzter Sudan-Konferenz
Am 15. April 2026, am dritten Jahrestag des Kriegs in Sudan, findet in Berlin eine Internationale Sudan-Konferenz statt. Vertreter:innen von über 60 Staaten und viele zivilgesellschaftliche Organisationen haben sich dafür in der Hauptstadt zusammengefunden. Länderdirektor Mohamed Kamal darf vor dem hochrangigen Publikum eine Rede halten. Sein Plädoyer für Mädchen und Frauen ist bewegend und er schließt mit dem Satz: „Wir hoffen, dass die Mädchen und Frauen und alle Menschen in Sudan keinen vierten Jahrestag erleben müssen.“
1,5 Milliarden Euro zur Hilfe in der Sudan-Krise
Als Verhandlungsergebnis einigen sich die Gastgeber, darunter Deutschland, auf die sogenannten Berliner Prinzipien für Sudan. Ein wichtiger politischer Schritt, um die Gewalt in Sudan zu beenden. Darüber hinaus werden 1,5 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für Sudan und die Nachbarstaaten zugesagt. Geld, das Menschenleben retten und dafür eingesetzt werden wird, dass Kinder und Frauen in Zukunft wirksam vor Gewalt geschützt werden können.
Das Engagement von Plan International hat gezeigt, dass zivilgesellschaftlicher Druck Wirkung hat. Wir von Plan International werden darauf drängen, dass genügend humanitäre Gelder für den Sudan gezielt in Prävention sowie Unterstützung bei sexualisierter und geschlechtsbasierter Gewalt fließen, damit das stille Leiden – das „Silent Suffering“ – bald ein Ende hat.