Fließendes Wasser für Bungin

Foto: Plan International / Anton Susilo

Auf einer abgelegenen Sandbankinsel in Indonesien gibt es dank der Zusammenarbeit zwischen der örtlichen Gemeinde und Plan International zum ersten Mal fließendes Wasser.

Fast vierzig Jahre lang mussten die Bewohner:innen der Insel Bungin ohne fließendes Wasser auskommen. Der Name „Bungin“ stammt von einem indonesischen Wort, das so viel wie „weißer Sandhaufen“ bedeutet. Das beschreibt diese winzige tropische Insel in der Balisee recht zutreffend. Dort leben 1.035 Familien, die meisten von ihnen sind Fischer:innen, die in Stelzenhäusern wohnen.

Bis vor kurzem mussten die Familien Süßwasserbrunnen auf dem Festland nutzen, die rund zehn Minuten mit dem Kanu entfernt sind, um an Wasser zu kommen. Alternativ kauften sie sauberes Wasser von lokalen Händler:innen ein. Die Menschen konnten oft nicht baden, es gab keine funktionierenden Sanitäranlagen, und Mädchen und Frauen standen während ihrer Menstruation jeden Monat vor großen Herausforderungen. Wasserknappheit bestimmte das Leben der Bewohner:innen in jeglicher Hinsicht. Doch nun sind sie dank eines Planprojektes endlich an das Trinkwassersystem des Festlandes angeschlossen – mit vielen positiven Veränderungen für ihren Alltag.

Eine Frau und eine Kind laufen über eine Planke zwischen Booten.
Wasserholen machte einen großen Tag des Alltags der Bewohner:innen von Bungin aus.Plan International / Anton Susilo
Eine Reihe Häuser auf Stelzen am Rand der Insel.
Auf der dicht besiedelten Insel gab es kaum funktionierende Sanitäranlagen. Plan International / Anton Susilo

Jaelani, der Vorsteher des Dorfes Bungin, erklärt: „Jahrzehntelang hatten wir Probleme mit Wasser. Die Kinder konnten sich nicht richtig waschen, bevor sie zur Schule gingen. Manchmal mussten sie auch während der Schulzeit beim Wasserholen helfen und verpassten deshalb den Unterricht.“ Die Schülerin Jumati bestätigt das: „Ohne Wasser war das Leben echt schwierig für uns. Ich habe mich unwohl gefühlt, weil ich morgens nicht baden konnte. Außerdem musste ich meinen Eltern oft helfen, Wassereimer von der Moschee zu unserem Haus zu tragen.“

„Jeden Morgen oder Abend holten wir mit dem Kanu Wasser von der Frischwasserquelle am Festland“

Paulinang, Inselbewohnerin

Auch die 22-jährige Inselbewohnerin Paulinang berichtet von der Mühsal, kein sauberes Wasser auf der Insel zu haben: „Jeden Morgen oder Abend holten wir mit dem Kanu Wasser von der Frischwasserquelle am Festland, um uns zum Beispiel waschen zu können.“  Wer die Insel nicht verlassen wollte, musste viel Geld für Wasser bezahlen, erzählt die 17-jährige Deswira: „Früher haben wir Wasser aus einem kleinen Brunnen bei der Moschee zum Baden benutzt. Der Brunnen war aber versalzen. Zum Trinken und Kochen mussten wir deshalb Wasser von Wasserverkäufern im Dorf holen.“

Zwei Frauen spülen Geschirr.
Früher waren Haushaltsangelegenheiten wie Spülen oder Wäsche machen mit viel Umstand und Planung verbunden.Plan International / Anton Susilo
Deswira steht vor einem blauen Kiosk, sie trägt einen orangefarbenen Pullover und khaki Hosen.
Deswira freut sich, dass sie jetzt nur einen Hahn aufdrehen muss, um an sauberes Wasser zu kommen. Plan International / Anton Susilo

Wasser auf die Insel bringen

Seit 2020 setzt sich Plan International mit dem „Wasser für Frauen“-Projekt für eine saubere Wasserversorgung auf der Insel Bungin ein. Die Organisation arbeitete mit den Bewohner:innen zusammen, um der Insel eine eigene Wasserversorgung zu gewährleisten. Dazu mussten Leitungen für die Trinkwasserversorgung gekauft und in den Häusern der Insel installiert werden. Die Gemeinde selbst brachte zwanzig Millionen Rupiahs (umgerechnet 1.263,20€) für das Projekt auf, und Plan organisierte die restlichen Mittel.

„Plan International hat uns beim Anschluss an das Trinkwassersystem unterstützt“, erklärt Jaelani. „Sie haben den Pumpenmotor zur Verfügung gestellt und es ermöglicht, dass wir Geld von der örtlichen Wassergesellschaft leihen konnten, um ein Wasserrohrnetz von etwa sechs Kilometern Länge anzuschließen. Wir alle in der Gemeinde sind sehr froh, dass wir nun sauberes Wasser haben. ‚Freiheit durch Wasser‘ sind Worte, die ich hier häufiger höre.“

 

Der Dorfvorsteher Jaelani sitzt im Schneidersitz in einem Haus.
Dorfvorsteher Jaelani hat große Pläne für Bungin.Plan International / Anton Susilo
Zwei Mädchen stehen am Strand und machen mit ihren Händen das Peace-Zeichen.
Da die Kinder jetzt nicht mehr beim Wasserholen helfen müssen, können sie regelmäßiger zur Schule - oder auch einfach mal Kinder sein.Plan International / Anton Susilo

Frisches Wasser für einen Neuanfang

Inzwischen verfügt die Insel über fließendes Wasser mittels unter- und oberirdischer Leitungen, und die meisten Häuser können über einen Wasserhahn darauf zugreifen. „Es ist schön, einfach den Hahn aufzudrehen und duschen zu können“, sagt die Teenagerin Deswira. „Endlich kein Wasser mehr schleppen! Es ist jetzt so viel einfacher, zur Toilette zu gehen, vor allem wenn ich meine Tage habe.“

Jaleani fügt hinzu: „Jetzt kann ich alles zuhause machen, ohne vorher lange zu planen. Wir können einfach Wäsche waschen, Geschirr spülen, Reis und Mahlzeiten kochen. Wir können auch besser Gäste auf der Insel empfangen, weil unsere Sanitäranlagen jetzt gut funktionieren.“ Jaleani hat noch große Pläne. Er möchte, dass Bungin bis 2023 ein Wasserreservoir baut und die Insel als eine der saubersten der Region berühmt wird. „Das hier ist erst der Anfang! Bungin Village soll eine Vorzeigeinsel werden.“

 

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