Hilfe für Kinder und Familien in Darfur

Hunger, Gewalt und eingeschränkter Zugang zu Hilfe bedrohen das Leben von Millionen Menschen in Sudan, insbesondere von Kindern. In der abgelegenen Region Karnoi in Nord-Darfur konnte Plan International jetzt dringend benötigte Lebensmittel zu Familien bringen.

In der abgelegenen sudanesischen Region Karnoi (auch Kornoi) im Norden Darfurs kämpfen Familien ums Überleben. Seit Monaten verschärfen Hunger, bewaffnete Gewalt und fehlender Zugang zu humanitärer Hilfe die Lage dramatisch. Laut lokalen Berichten sollen fünf von zehn Kindern akut unterernährt sein. Inmitten dieser Krise ist es Plan International als erste internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) gelungen, dringend benötigte Nahrungsmittel in das von Hungersnot betroffene Gebiet zu bringen – trotz aktiver Kämpfe und zeitweise geschlossener Grenzen.

Ein wichtiger Durchbruch in einer abgeschnittenen Region

Plan International hat 12.000 Lebensmittelpakete mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Bohnen, Öl und Zucker nach Karnoi geliefert. Die Unterstützung richtet sich an Familien, die laut humanitären Berichten besonders stark von Hunger betroffen sind. Humanitäre Frühwarnsysteme weisen in der Region auf extrem hohe Raten akuter Mangelernährung bei Kindern hin.

Grafik: Landkarte von Sudan mit den Programmgebieten von Plan International
Plan International
In gemeinsamer Anstrengung von Plan International Sudan und Plan International Tschad wurden 12.000 Lebensmittelpakete nach Karnoi gebracht und dort verteilt
Ein sudanesischer Mann mit Plan-Logo auf der Jacke steht zwischen Bergen von Hilfslieferungen
Die Hilfslieferung wurde in Tschad gepackt Plan International

Die Region Karnoi war für internationale Hilfe lange Zeit kaum erreichbar. Zeitweise formelle Grenzschließungen zwischen Tschad und Sudan sowie anhaltende Kampfhandlungen zwischen verschiedenen bewaffneten Akteuren erschwerten den Zugang zusätzlich. Die Hilfslieferung wurde gemeinsam von Plan International Tschad und Plan International Sudan umgesetzt und von einem lokalen Partner unterstützt. Sie erforderte intensive Planung, schwierige Verhandlungen und ein hohes Maß an Flexibilität – unter äußerst schwierigen und teils gefährlichen Bedingungen. Dass der Konvoi sein Ziel dennoch erreichte, ist nicht nur ein Hoffnungsschimmer für die Menschen vor Ort, sondern Ausdruck des außergewöhnlichen Engagements der Menschen, die sich trotz aller Risiken mit großer Überzeugung dafür einsetzen, Kinder und Familien in Zeiten der Not zu unterstützen. 

Kinder besonders gefährdet durch Hunger und Unsicherheit

Die Lage in Darfur ist für Kinder besonders dramatisch. Anhaltende Unsicherheit, Vertreibung und der Zusammenbruch lokaler Versorgungsstrukturen beeinträchtigen den Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsdiensten und Schutz. Akute Mangelernährung erreicht in einigen Gebieten extreme Werte – und erhöht das Risiko für lebensbedrohliche Erkrankungen. 

Die fragile Gesundheitsversorgung in Sudan steht kurz vor dem Kollaps. In mehreren Landesteilen wurden medizinische Einrichtungen beschädigt oder außer Betrieb gesetzt. Krankheiten breiten sich aus: Denguefieber, Malaria, Masern und Hepatitis E nehmen zu. Unterernährte Kinder sind besonders gefährdet.

Gleichzeitig verlieren viele Kinder den Zugang zu Bildung und zu sicheren Räume – Faktoren, die für ihre langfristige Entwicklung entscheidend sind.

Ein sudanesischer Junge sitzt zwischen anderen Kindern auf dem Boden
70 Kilometer von El Fasher liegt die kleine Wüstenstadt Tawila, in der Tausende Kinder Zuflucht suchten und unter prekären Bedingungen leben Plan International

Geschlossene Grenzen, explodierende Preise 

Die humanitäre Lage in Darfur wird zusätzlich durch Einschränkungen von Handels- und Versorgungswegen beeinflusst. Die kurzzeitige Schließung der Grenze zwischen Tschad und Sudan im Februar hatte erhebliche Auswirkungen auf Lieferketten in der Region. Der wichtige Handelskorridor bei Adré, über den normalerweise Waren nach Darfur gelangen, ist seither stark eingeschränkt. Zahlreiche Lastwagen mit Waren blieben stecken. Das hat steigende Preise für Grundnahrungsmittel in mehreren Teilen Darfurs zur Folge.

Zucker, Mehl und Seife sind für viele Familien kaum noch bezahlbar. Gleichzeitig steigt die Nachfrage während des Ramadans.

Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt notwendig

Sudanesische Frauenorganisationen fordern dringend mehr internationale Finanzierung für den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt, für sichere Unterkünfte sowie für medizinische und psychosoziale Unterstützung. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsbehörde (WHO) benötigen 8,1 Millionen Frauen und Mädchen im Sudan dringend humanitäre Hilfe – darunter hunderttausende Schwangere.

Plan International arbeitet eng mit lokalen Partnern zusammen, um Frauen und Mädchen zu schützen, ihnen Zugang zu Gesundheitsdiensten zu ermöglichen und ihre Rechte auch in der Krise zu stärken. Gleichzeitig fordert die Kinderrechtsorganisation in einer aktuellen Petition die Bundesregierung auf, jetzt zu handeln und Leben zu retten (siehe Kasten).

Mädchen und Frauen schützen!

Neben Hunger, Vertreibung und Krankheit ist das Leben von Mädchen und Frauen in Sudan von sexualisierter Gewalt geprägt. Ihre Stimmen werden oft überhört, ihr Leid bleibt unsichtbar. 

Mit unserer Petition fordern wir die Bundesregierung auf, jetzt zu handeln und Leben zu retten – bevor es zu spät ist. Unterstützen Sie uns und unterschreiben Sie jetzt! 

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Ein LKW mit Plan International-Logo wird mit Waren beladen
Auch in der Region Süd Kordofan herrscht Hungersnot oder steht unmittelbar bevor. Viele Haushalte lassen Mahlzeiten aus und verkleinern ihre Portionen. Plan International hat in die Region Hilfskonvois mit Nahrungsmitteln und weiteren wichtigen Hilfen gebracht Plan International

Plan International weitet Hilfe in Darfur aus

Die Lieferung von Lebensmitteln nach Karnoi ist ein wichtiger Schritt, doch der Bedarf bleibt enorm. Plan International bereitet derzeit eine Ausweitung seiner humanitären Programme in Darfur  vor. Ziel ist es, mehr Kinder und Familien mit Nahrungsmitteln, Gesundheitsdiensten, Bildungsangeboten und Schutzmaßnahmen zu erreichen – auch in schwer zugänglichen Regionen.

Die Krise in Sudan zählt laut den Vereinten Nationen zu den schwersten humanitären Notlagen weltweit – erhält dennoch vergleichsweise wenig internationale Aufmerksamkeit. Kinder tragen die schwerste Last dieser Krise.

Plan International setzt sich dafür ein, Kinder zu schützen, ihr Überleben zu sichern und ihnen auch unter extrem schwierigen Bedingungen Perspektiven zu geben. 

Der Beitrag wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Sudan erstellt.

Nothilfe Sudan

Mit Ihrer Spende für die Nothilfe Sudan unterstützen Sie die akute humanitäre Hilfe von Plan International: Sie helfen, Kinder und Familien jetzt mit lebenswichtiger Unterstützung zu erreichen – darunter Nahrung, Schutz und medizinische Hilfe.

Viele Familien sind aus Sudan geflohen. Auch hier können Sie unterstützen! Helfen Sie uns dabei, „Ein Platz für Leben“ zu gestalten. Mehr Informationen finden Sie hier.

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