Für eine Handvoll Nahrungsmittel
Sobald Fati morgens aufwacht, beginnt ihr Tag mit dem immer gleichen Ritual: Sie betet, dass ihre Kinder nicht hungern müssen. Mit nur 20 Jahren ist sie Mutter von fünf Kindern. Seit drei Jahren lebt Fati in einer provisorischen Zeltunterkunft im Nordosten Nigerias. Seit sie vor der Gewalt in ihrem Heimatdorf geflohen ist.
„Sie haben uns bedroht. Sie sagten, sie würden kommen, um meinen Mann zu töten – sie suchten nach Männern“, erzählt Fati. „Sie“, das sind islamistische Gruppen, die vor allem im Nordosten Nigerias Angriffe auf Dörfer unternehmen, Schulen zerstören oder sogar ganze Schulklassen entführen. „Deshalb haben viele Menschen mein Dorf verlassen. Wir haben alles zurückgelassen, auch unser Ackerland.“
So floh auch Fati mit nichts als ihren Kindern an der Hand und den Kleidern, die sie am Leib trug, in ein Camp für Binnenflüchtlinge in Gwoza im Bundesstaat Borno. „Ich bin aus Angst hierher gekommen“, erklärt Fati. „Aber hier gibt es keine Jobs – ich kann nichts tun.“
„Sie sagten, sie würden kommen, um meinen Mann zu töten.“
Wie Tausende andere Familien in Gwoza wurde auch Fatis Leben durch jahrelange soziale Unruhen auf den Kopf gestellt. Früher lebte ihre Familie von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, baute Bohnen und andere Feldfrüchte an, um sich zu ernähren. Doch neben Konflikten verhindern zunehmend Wetterextreme den Ackerbau – und zerstören damit die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. „Während der Anbauzeit gab es nicht genug Regen“, sagt Fati. „Die Bohnen konnten nicht wachsen, alles ist vertrocknet.“
Ein Leben, das durch Konflikte entwurzelt wurde
Ohne Land, Einkommen oder feste Arbeit wurde das Überleben zu einem täglichen Kampf. Fatis Mann suchte an Markttagen nach Arbeit – als Gelegenheitsarbeiter. Und wenn die Landwirtschaft keine Erträge brachte, sammelten die Eheleute Brennholz, um es zu verkaufen. „Wenn mein Mann Arbeit findet, kauft er Mais oder Hirse“, erklärt Fati die unsichere Lebenssituation ihrer Familie.
Die Gefahren der Vertreibung haben ihre Situation noch einmal verschärft. Fati hat bereits zwei ihrer Kinder verloren. Jeden Tag sorgt sie sich um die Gesundheit und Zukunft der drei, die ihr noch geblieben sind. „Sie sind noch zu jung“, sagt sie, ohne den Satz zu vollenden.
Lebensrettende Nahrungsmittelhilfe
Seit zwei Jahren ist die monatliche Nahrungsmittelhilfe die wichtigste Lebensader der Familie. Über ein digitalisiertes Gutscheinsystem kann Fati an Verteilungsstellen Lebensmittel einlösen und dabei aus Produkten auswählen, die sie am dringendsten benötigt und die ihre Kinder kennen und mögen. „Ich kaufe Spaghetti, Makkaroni, Pflanzenöl, Erdnüsse, Palmöl, Salz und Reis“, sagt sie. „Ich wähle aus, was ich brauche.“
Die junge Mutter plant jeden Einkauf sorgfältig, um die Lebensmittel über einen so weit wie möglichen Zeitraum zu strecken. „Meistens reichen die Lebensmittelrationen für einen Monat“, sagt Fati. „Wir kochen morgens und nachmittags. Das rettet uns das Leben.“
Die Wirkung ist unmittelbar sichtbar – insbesondere bei ihren Kindern. „Wenn ich meine Kinder füttere, bin ich glücklich, und sie lächeln“, sagt Fati. Doch die Ernährungsunsicherheit bleibt eine allgegenwärtige Sorge. Steigende Preise bedeuten, dass die Hilfe jeden Monat immer ein paar Tage länger reichen muss.
„Meistens reichen die Lebensmittel für einen Monat. Das rettet uns das Leben.“
Fati war selbst noch ein Kind als sie Verantwortung übernehmen musste. Mit 17 Jahren heiratete sie und wurde angesichts von Vertreibung und Verlust schnell zur Hauptversorgerin ihres Haushalts. „Ich würde meinen Kindern gern so oft Essen geben, wie sie wollen. Wenn möglich, würde ich ihnen fünfmal am Tag etwas kochen.“ Stattdessen tut Fati, was in ihrer Macht steht – und ist dabei auf Hilfe von außen angewiesen.
Eine verkürzte Kindheit
Zum Beispiel über das Projekt „Bereitstellung lebensrettender Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Menschen in Gwoza”, das vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) finanziert und von Plan International durchgeführt wird. 6.275 vertriebene Familien werden dadurch mit monatlichen Lebensmittelrationen erreicht. Zudem erhalten 1.701 Kinder sowie schwangere und stillende Frauen monatlich spezielle nahrhafte Lebensmittel, um Mangelernährung vorzubeugen.
Humanitäre Hilfe ist dringend erforderlich, denn der Verwaltungsbezirk Gwoza ist nach wie vor eine der Regionen, die am stärksten von den anhaltenden Unruhen in Nigeria betroffen sind. In Gwoza sind Zehntausende vertriebene Familien mit derselben Unsicherheit konfrontiert wie Fati – sie können nicht nach Hause zurückkehren, keine Landwirtschaft betreiben und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben.
Die monatliche Nahrungsmittelhilfe bringt vorübergehende Erleichterung, aber die Zukunft bleibt ungewiss. „Wir sind sehr glücklich, wenn wir Lebensmittel erhalten“, sagt Fati. Vorerst bedeutet diese Unterstützung, dass ihre Kinder essen, lächeln und mit weniger Hunger als am Tag zuvor schlafen können.
Die Geschichte von Fati wurde mit Material aus dem nigerianischen Plan-Büro aufgeschrieben.