Anwältin für den Frieden

Foto: Nelson Pacheco

Die Folgen bewaffneter Konflikte sind in Kolumbien vielerorts spürbar. Das ehemalige Plan-Patenkind Yadis unterstützt heute Gemeinden dabei, eine Stimme für den Frieden zu bekommen.

Sie gilt als eine der ärmsten Regionen Kolumbiens, die Provinz Cauca im Südwesten des Landes. Inmitten artenreicher Natur wuchs Yadis auf – in einem Departamento, dessen Bevölkerung vor allem vom Anbau von Bananen, Kaffee, Mais und Zuckerrohr lebt. „Was ich an meiner Gemeinde liebe, ist ihre Vielfalt – sowohl in der Natur als auch im Miteinander der Menschen“, sagt Yadis.

Trotz der Herausforderungen, die bewaffnete Konflikte zwischen Rebellengruppen, Paramilitärs und Drogenkartellen seit den 1960er-Jahren mit sich bringen, zeigen die Menschen im Alltag viel Solidarität untereinander. Das stärkt ihre Widerstandskraft und ist besonders für die Kinder wichtig, die dort aufwachsen. Denn wo Gewalt um sich greift, braucht es Strategien, um Bildung, Schutz und soziale Teilhabe zu sichern. Schulen, Nachbarschaftstreffs sowie lokale Organisationen werden zu Orten, an denen Mädchen und Jungen lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und an der Seite dieser Kinder bleibt – quasi als Mentorin – die heute 23-jährige Yadis.

Eine Frau in leuchtend gelbem Kostüm und eine Frau in heller Bekleidung sitzen in einem Park zusammen und diskutieren miteinander.
Das ehemalige Plan-Patenkind Yadis (23, r.) arbeitet heute als Anwältin und berät Jugendliche in einem Friedensprojekt im kolumbianischen Cauca Nelson Pacheco
Eine einspurige Straßenbrücke mit einem Stahlbogen überspannt einen Fluss mit bräunlichem Wasser.
Diese Brücke über den Fluss Cauca im Südwesten Kolumbiens war Schauplatz von bewaffneten Konflikten und Gräueltaten Anika Büssemeier

Von der Geförderten zur Fürsprecherin

Schon als junges Mädchen lernte die Jugendaktivistin ihre Rechte kennen. Im Rahmen der Patenschaftsprogramme von Plan International wurde Yadis klar, dass Gesundheit, Bildung oder der Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch keine Gefälligkeiten, sondern verbriefte Kinderrechte sind. In Jugendforen engagierte sie sich für die Verteidigung der Kinderrechte ebenso, wie später als Gemeindevertreterin für Teilhabe und Chancengleichheit.

Eine dunkelhäutige Frau in leuchtend gelbem Kostüm steht an einem Bücherregal in einer Bibliothek.
Anwältin der Kinder: Yadis (23) früher Plan-Patenkind, heute Juristin Nelson Pacheco

„Wir müssen friedliche Räume schaffen, in denen junge Menschen ihr Potenzial entfalten können.“

Yadis (23), ehemaliges Plan-Patenkind und Juristin in Kolumbien

Yadis arbeitet heute als Juristin und berät öffentliche Dienste. Ihr Fokus liegt dabei auf dem Schutz von Kindern vor Rekrutierung im bewaffneten Kampf und Gewalt sowie der Stärkung ihrer Mitspracherechte. Und das ehemalige Plan-Patenkind wird nicht müde zu betonen, wie wichtig alternative Angebote sind, um der Gewalt in dem südamerikanischen Land etwas entgegenzusetzen: Gute Bildung, kulturelle Angebote sowie die Stärkung sozialer Organisationen fördern den Umgang mit den schädlichen Folgen von bewaffneten Konflikten. „Wir müssen friedliche Räume schaffen, in denen junge Menschen ihr Potenzial entfalten können“, sagt Yadis.

Mehrere Personen in festlicher Bekleidung stehen auf einer Bühne und halten Musikinstrumente.
Mit Liedern über Frieden und Konflikt beteiligen sich junge Projektteilnehmende am sozialen Wandel im kolumbianischen Cauca Nelson Pacheco
Eine dunkelhäutige Frau in leuchtend gelbem Kostüm steht vor einer Wand mit einem großen Graffitibild.
Anwältin Yadis unterstützt Kunst- und Kulturangebote als Mittel für den Frieden in Kolumbien Nelson Pacheco

Kunst als Mittel für die Mitgestaltung

Über das Projekt „Kunst für den Frieden“, das Plan International seit 2019 in Kolumbien unterstützt, ist Yadis auch heute noch mit der Kinderrechtsorganisation verbunden. Bei diesem bürgerschaftlichen Engagement werden Frieden und Erinnerungskultur über Kunst und Kultur vermittelt. Über 10.000 Menschen in den kolumbianischen Konfliktregionen haben bislang daran teilgenommen. Yadis arbeitet dort als juristische Beraterin und Trainerin von Gemeindeorganisationen mit.

In dem Kunstprojekt nutzen die jungen Teilnehmenden verschiedene Ausdrucksformen wie Malerei, Musik und Performance, um ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Perspektiven auf das Aufwachsen in einer konfliktreichen Umgebung sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um künstlerische Kreativität, sondern auch um die kollektive Verarbeitung von Alltagssituationen. Soziale Bindungen sollen gestärkt werden, damit schon Kinder und Jugendliche lernen, gemeinsam Verantwortung für eine friedliche Zukunft zu übernehmen. Diese Formen der Mitgestaltung schaffen Räume der Solidarität, in denen junge Menschen ihre Stimme einbringen, einander unterstützen und aktiv zu einem friedlicheren Miteinander beitragen.

„Kinder und Jugendliche sind Ziel von Anwerbungsversuchen bewaffneter Gruppen und Mädchen besonders von sexualisierter Gewalt bedroht.“

Yadis (23), ehemaliges Plan-Patenkind und Juristin in Kolumbien

„Jede Altersgruppe erlebt die Folgen des Konflikts anders“, erklärt Yadis. „Kinder wachsen oft ohne sichere Räume auf, Jugendliche sind Ziel von Anwerbungsversuchen bewaffneter Gruppen und Mädchen besonders von sexualisierter Gewalt bedroht.“ Für Mädchen und Jungen bedeutet dagegen Frieden, dass ihre Rechte gesichert sind und sie ihren Alltag ohne Angst gestalten können.

Yadis’ Engagement zeigt, dass Jugendliche nicht nur Betroffene schwelender Konflikte, sondern auch aktiv Gestaltende ihrer Lebensräume sind. Durch Kunst machen sie ihre Erfahrungen sichtbar und entwickeln Friedensräume. „In meine Gemeinde zurückzukehren bedeutet, anderen Menschen zu zeigen, dass Veränderung möglich ist“, sagt Yadis.

Dieser Artikel wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Kolumbien aufgeschrieben.

Eine dunkelhäutige Frau in leuchtend gelbem Kostüm steht zwischen zwei Bücherregalen in einer Bibliothek.
Das ehemalige Plan-Patenkind Yadis kehrt regelmäßig als Anwältin in ihre Heimatgemeinde zurück, um anderen Menschen zu zeigen, dass eine positive Veränderung möglich ist Nelson Pacheco

Übernehmen Sie eine Patenschaft für Kinder

Seit 1962 engagiert sich Plan International in Kolumbien in unterschiedlichen Regionen – aktuell insbesondere für Mädchenrechte, wirtschaftliche Stärkung und Bildung. Die Kinderrechtsorganisation leistet Aufklärung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie Verhinderung von Teenagerschwangerschaften.

Helfen Sie mit Ihrer Patenschaft, das Leben in Kolumbien nachhaltig zu verbessern.

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