Der Wandel bleibt
Ihr Erfolg begann in den Bergen von Peru. Inmitten der teilweise über 5.400 Meter hohen Gipfel des Anden-Gebirgszugs wuchs Ruth in der Provinz Chumbivilcas im Süden des Landes auf – und profitierte als Plan-Patenkind von den Projekten, die in ihrem Lebensumfeld von der Kinderrechtsorganisation durchgeführt wurden.
„Gewalt und geschlechtsspezifische Diskriminierung gehörten zu unserem Alltag“, erinnert sich die heute 31-Jährige an Fälle von Ungleichbehandlung der hier lebenden Töchter und Söhne. Sie muss an Fälle von Missbrauch, häuslicher Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen in ihrem Umfeld denken. „Ich begann, die Realität um mich herum zu verstehen und entdeckte mein Interesse für das Recht.“ Es waren diese Kindheitserfahrungen, die in ihr ein Unrechtsbewusstsein weckten, das schließlich ihr Leben und später das Leben anderer verändern sollte.
„Gewalt und geschlechtsspezifische Diskriminierung gehörten zu unserem Alltag.“
Ruth erlebte als Mädchen hautnah, wie im Projektnetzwerk von Plan International insbesondere Mädchen unterstützt wurden. In einem Umfeld, in dem der Machismo ein fester Bestandteil der Kultur in Lateinamerika ist. Dieser Tradition folgend müssen Jungen und Männer respektiert werden und haben ihrerseits das Recht, Mädchen und Frauen zu dominieren. In diesem von Ungleichheit geprägten Umfeld eröffneten sich Ruth neue Chancen für die persönliche Weiterentwicklung. „Ich habe immer den Unterschied zwischen Mädchen bemerkt, die wie ich Teil des Patenschaftsprogramms von Plan International waren, und jenen, die es nicht waren“, sagt sie.
Gute Führung will gelernt sein
Schon in der Schule entwickelte Ruth ein Interesse an Führungsaufgaben und wurde mit zwölf Jahren prompt zur Schulsprecherin gewählt. In dieser Funktion konnte sie ihre Heimatstadt in Jugendforen vertreten und an Schulungen, Führungs- und Kinderrechtsworkshops teilnehmen, die von Plan International organisiert wurden. Während der rund 30 Jahre, in denen die Kinderrechtsorganisation in Chumbivilcas tätig war, standen Maßnahmen für den Schutz von Mädchen und Jungen, die Jugendbeteiligung sowie Geschlechtergleichstellung auf dem Programm.
Auch wurden Initiativen in den Bereichen Bildung und Gesundheit von der Kinderrechtsorganisation gefördert, etwa in Form von Trainings zur Gleichstellung der Geschlechter sowie sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Ruth und ihre Freundinnen begannen zu erkennen, dass Mädchen ihre Zukunft selbst bestimmen können.
„Bildung ist die Grundlage für positive Veränderungen“
Einer der bedeutendsten Momente für ihre Gemeinde war der Bau einer neuen Schule. Zuvor hatten die Kinder in baufälligen Klassenzimmern mit Blechdächern gelernt, durch die der Regen drang. Plan International arbeitete mit der Gemeinde zusammen und leistete die technische Unterstützung für den Bau einer modernen Schule. „Während die Behörden damals untätig blieben, haben wir unser Ziel gemeinsam durch harte Arbeit und die Überzeugung erreicht, dass Bildung die Grundlage für positive Veränderungen ist“, erinnert sich Ruth stolz.
Für bessere Bildung und gegen Gewalt handeln
„Ich habe oft Gewalt in Familien miterlebt, in denen täglich die Rechte von Kindern verletzt wurden“, sagt Ruth. „Die Lektionen, die wir im Patenschaftsprogramm gelernt haben, halfen uns jedoch dabei, Gewalt zu erkennen, zu benennen und dagegen vorzugehen.“
„Wichtig ist, dass man sich auf das Leben vorbereitet und für seine Träume kämpft.“
Heute ist Ruth Beamtin und Stadträtin in der Region Cusco. In dieser Funktion vertritt sie ihren Bezirk und fungiert als Mentorin für Kinder und Jugendliche. Sie besucht regelmäßig die örtliche Schule, wo sie junge Menschen ermutigt, Führungsaufgaben zu übernehmen. „Ich erzähle ihnen meine Geschichte, weil ich ihnen zeigen möchte, dass sie Großes erreichen können“, sagt Ruth. „Es spielt keine Rolle, woher man kommt. Wichtig ist, dass man sich auf das Leben vorbereitet und für seine Träume kämpft.“
Der schrittweise Rückzug von Plan International aus der Region Chumbivilcas nach mehr als drei Jahrzehnten der Zusammenarbeit hinterlässt bei Ruth gemischte Gefühle. Es sei der Moment der gegenseitigen Anerkennung, findet sie.
Auch ohne weitere Unterstützung von außen will die heutige Stadträtin Ruth für die jüngere Generation in ihrer Gemeinde eintreten: „Wir haben schon viel erreicht, aber es gilt, noch einige Lücken zu schließen, beispielsweise beim Zugang zu Trinkwasser und hochwertiger Bildung in den entlegenen Gebieten“, sagt Ruth.
Durch wirkungsvolle Patenschaftsprogramme hat Plan International positiven Einfluss auf das Leben von tausenden Familien in dieser südlichen Region Perus genommen. Was bleibt, sind Geschichten wie jene von Ruth – von Frauen, die mit Mut vorangehen, ihre Stimme erheben und andere dazu inspirieren, ihre Realität zu verändern.
Und Ruth selbst? „In fünf Jahren sehe ich mich an der Spitze meines Bezirks“, sagt das ehemalige Plan-Patenkind selbstbewusst. „In Colquemarca gab es noch nie eine Bürgermeisterin, und das möchte ich ändern.“
Die Geschichten von Ruth wurden mit Material aus dem Plan-Büro in Peru aufgeschrieben.