Wie Rashmi Tabus durchbricht

Foto: Plan International

Über die Periode wurde in Rashmis Umfeld lange kaum gesprochen. Als ihre Schule an einem Projekt zur Menstruationsgesundheit teilnahm, eröffnete sich der 15-jährigen Nepalesin eine neue Perspektive. Was sie dort lernte, veränderte ihren Blick auf sich selbst und ihre Rolle in der Gemeinschaft.

Die 15-jährige Rashmi lebt im Distrikt Kalikot in der bergigen Provinz Karnali im Westen Nepals. Schon als Kind nahm sie wahr, dass Frauen in ihrem Umfeld während ihrer Periode bestimmten Regeln folgen mussten. „Als ich aufwuchs, sah ich, wie meine Mutter und meine Großmutter während ihrer Periode in einer sogenannten Chhaupadi-Hütte leben mussten.“ Chhaupadi bezeichnet eine Praxis, bei der menstruierende Personen zeitweise von Familie und Gemeinschaft getrennt werden. Obwohl sie in Nepal verboten ist, kommt sie in einigen ländlichen Regionen weiterhin vor.

Rashmi erklärt Hygieneregeln auf einer neu erbauten Sanitäranlage
Rashmi (15) vermittelt heute Wissen über Menstruation und spricht offen über ein Thema, das sie selbst lange als belastend erlebt hat Plan International

Aufwachsen mit wenig Wissen über Menstruation

Wie viele Mädchen in ihrer Gemeinde hatte Rashmi nur begrenzten Zugang zu verlässlichen Informationen über Menstruation. Weder zu Hause noch in der Schule wurde offen darüber gesprochen, und auch Hygieneartikel waren nur schwer erhältlich. „Als ich meine erste Periode bekam, hatte ich Angst und war verwirrt. Ich verstand nicht, was mit meinem Körper geschah oder an wen ich mich wenden konnte“, erinnert sie sich. „Ich fühlte mich beschämt und allein, und diese Erfahrung habe ich nie vergessen.“ 

Ohne Zugang zu sicheren Toiletten oder geeigneten Hygieneartikeln verpasste Rashmi während ihrer Periode häufig den Unterricht. So wie ihr fehlt vielen Mädchen im ländlichen Nepal ein geschützter Ort, um sich während des Schultags zurückzuziehen oder Hygieneartikel zu wechseln. Dieser Umstand erschwert ihnen die regelmäßige Teilnahme am Unterricht. 

Wie Rashmi neue Perspektiven gewann

Als Rashmi die sechste Klasse besuchte, begann sich ihre Situation zu verändern. Erstmals erhielt sie die Möglichkeit, mehr über die Menstruation zu erfahren. Ihre Schule nahm an einem Projekt von Plan International teil, das ländliche Schulen in Karnali dabei unterstützt, die Wasser- und Sanitärversorgung zu verbessern und Vorurteile rund um die Periode abzubauen.

Mädchen waschen ihre Hände an der neuen Sanitäranlage
Mädchen waschen sich an einer neu gebauten Sanitäranlage der Schule die Hände Plan International
Mädchen waschen sich die Hände in der neuen Sanitäranlage
Bessere Hygiene soll den Schulbesuch während der Menstruation erleichtern Plan International
Rashmi redet vor einer Gruppe von Schüler:innen
Rashmi hält einen Vortrag zu Menstruationsgesundheit und gibt ihr Wissen weiter Plan International

Im Rahmen des Projekts trat Rashmi einer Schulgruppe für Menstruationsgesundheit und Hygiene bei. Dort nahm sie an Schulungen zu diesen Themen teil und lernte zudem, wie man wiederverwendbare Binden herstellt.

„Zum ersten Mal erfuhr ich, dass die Menstruation etwas ganz Natürliches ist und Mädchen sich dafür nicht schämen müssen“, sagt sie.

„Zum ersten Mal erfuhr ich, dass die Menstruation etwas ganz Natürliches ist.“

Rashmi (15), Projektteilnehmerin und Schülerin aus Nepal
Neu erbauter Toilettenblock der Schule
Ein neuer Toilettenblock der Schule in Rakot für bessere Hygiene Plan International

Gemeinsam mit anderen Schüler:innen, Lehrkräften, Eltern und Gemeindemitgliedern beteiligte sich Rashmi an Gesprächen und Informationsveranstaltungen. Für viele Menschenwaren es die ersten offenen Gespräche über Menstruation. Mit der Zeit gewann Rashmi mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema. „Je mehr ich lernte, desto selbstbewusster wurde ich“, erzählt sie. „Ich begann, mich in Treffen zu Wort zu melden, und ermutigte meine Freundinnen, an den Gruppenaktivitäten teilzunehmen und schädliche traditionelle Praktiken wie Chhaupadi infrage zu stellen.“

Was sich in Familie und Schule verändert hat

Mit ihrem neuen Wissen begann Rashmi auch zu Hause Gespräche anzustoßen. Themen, über die zuvor kaum gesprochen wurde, diskutierte ihre Familie nun zunehmend offener. „Meine Mutter sagt, dass mein Mut unsere Familie verändert hat“, erzählt Rashmi. „Durch das, was ich weitergegeben habe, verstehen meine Eltern heute besser, welche Hygienemaßnahmen während der Menstruation wichtig sind. Wir sprechen offen darüber, und die Menstruation ist nicht länger etwas, das verborgen werden muss oder Anlass für Scham ist.“

 

Rashmi spricht an einer öffentlichen Veranstaltung
Rashmi spricht bei einer Gemeindeveranstaltung über Menstruationsgesundheit und wirbt für einen offenen Umgang Plan International
Rashmi redet auf einer öffentlichen Veranstaltung
Rashmi engagiert sich in ihrer Gemeinde für Aufklärung und zeigt, wie gemeinsamer Austausch Veränderungen bewirken kann Plan International

Gleichzeitig verbesserten sich die Bedingungen an ihrer Schule. Geschlechtergerechte Toiletten, ein besserer Zugang zu Wasser, Möglichkeiten zur Entsorgung von Binden sowie ein eigener Raum für Menstruationsgesundheit erleichtern nun vielen Mädchen den Schulalltag während ihrer Periode.

Warum Gemeinschaften eine wichtige Rolle spielen

Heute engagiert sich Rashmi aktiv in Aufklärungsangeboten und anderen Aktivitäten in ihrer Gemeinde. Andere Mädchen und Frauen wenden sich an sie, wenn sie Fragen zur Menstruationsgesundheit haben. Für Rashmi zeigt diese Entwicklung, wie wichtig der Austausch innerhalb der Gemeinschaft ist.

„Ich bin stolz darauf, dass meine Stimme und mein Handeln dazu beitragen, ein sichereres und gesünderes Umfeld für Mädchen und Frauen zu schaffen. Ich habe gelernt, dass junge Menschen wie ich mit Wissen, Unterstützung und Mut etwas bewirken können“, sagt sie. „Ich glaube, dass echter Wandel nur möglich ist, wenn die gesamte Gemeinschaft zusammenarbeitet.“

„Ich glaube, dass echter Wandel nur möglich ist, wenn die gesamte Gemeinschaft zusammenarbeitet.“

Rashmi (15), Projektteilnehmerin und Schülerin aus Nepal
Rashmi spricht im Freien mit einer Freundin
Rashmi (r.) spricht heute offen mit ihren Freundinnen über Menstruation Plan International

Wie das Projekt Mädchen im Schulalltag unterstützt

Das Projekt von Plan International zur Verbesserung der Menstruationsgesundheit sowie der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH) wird bis Ende 2026 an zehn ländlichen Schulen in der Provinz Karnali umgesetzt.

Ziel ist es, die Gesundheit von Mädchen zu fördern und ihre regelmäßige Schulteilnahme zu unterstützen. Dafür werden Wasser- und Sanitäranlagen verbessert und Bildungsangebote geschaffen, die Wissen über Menstruation vermitteln. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen, Schulen, Gemeinden und Jugendgruppen soll außerdem das Bewusstsein dafür gestärkt werden, dass Menstruation ein natürlicher biologischer Vorgang ist, und ein langfristiger, offener Umgang mit dem Thema gefördert werden.

Die Geschichte von Rashmi wurde mit Material aus dem nepalesischen Plan-Büro aufgeschrieben. 

Mädchen gezielt stärken

Plan International engagiert sich für den Schutz, die Bildung, politische Teilhabe, Gesundheit und Einkommenssicherung von Mädchen und jungen Frauen. Sie sind von Geburt an oftmals stärker benachteiligt als Jungen. 

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