Unterricht ohne Klassenzimmer
Für Monica (14) ist ein schattenspendender Baum ihr Klassenzimmer. Gemeinsam mit ihren Mitschüler:innen sitzt sie im Freien, während die Tafel an einen Baumstamm gelehnt ist. In einiger Entfernung lernen weitere Klassen unter anderen Bäumen auf dieselbe Weise.
Das Schulgebäude in ihrem Dorf im Bundesstaat Lakes in Südsudan ist baufällig und bietet außerdem nicht genügend Platz für alle Kinder. Deshalb findet ein großer Teil des Unterrichts unter freiem Himmel statt. „Wenn der Wind weht, fliegt uns Staub in die Augen und in unsere Bücher“, erzählt Monica. In diesem Jahr hat der Baum wegen Dürre weniger Blätter als sonst. Dadurch sind die Kinder der Witterung noch stärker ausgesetzt. Vor allem der Sonne, die hier in Ostafrika ab dem Vormittag vom Himmel brennt.
„Manchmal regnet es, und wir müssen nach Hause rennen. Und wenn es sehr heiß ist, sitzen wir trotzdem draußen.“
Warum der Schulalltag oft unterbrochen wird
Die Herausforderungen beschränken sich jedoch nicht auf die fehlenden Klassenräume: Wiederkehrende Gewaltausbrüche führen im Bundesstaat Lakes immer wieder dazu, dass Familien ihr Zuhause vorübergehend verlassen müssen. Für viele Kinder bedeutet das, dass ihr Schulbesuch unterbrochen wird oder sie zeitweise gar keinen Unterricht haben.
Zugleich sind Schulen in den betroffenen Gebieten häufig beschädigt, geschlossen oder können vorübergehend nicht genutzt werden. Auch fehlende Unterrichtsmaterialien und der Mangel an ausreichend ausgebildeten Lehrkräften erschweren vielerorts den Schulalltag.
Warum Schulen mehr als Unterricht bieten
Für Kinder ist Schule mehr als ein Ort zum Lernen. Sie bietet Struktur im Alltag und einen Ort, an dem Mädchen und Jungen soziale Kompetenzen aufbauen, Freundschaften pflegen und Zeit mit Gleichaltrigen verbringen können.
Damit Bildung auch in Krisenzeiten möglich bleibt, braucht es sichere Lernorte, ausreichend Unterrichtsmaterialien und Lehrkräfte, die ihren Unterricht verlässlich fortsetzen können.
Ein neues Klassenzimmer für Monicas Dorf
Um die Situation zu verbessern, entsteht in Monicas Dorf eine neue Schule. Der Bau wird von Plan International mit finanzieller Unterstützung vom globalen UN-Fonds für Bildung in Notsituationen umgesetzt. Der Fonds unterstützt Kinder, deren Zugang zu Bildung durch Konflikte, Vertreibung oder andere Krisen gefährdet ist.
Für Monica bringt das vor allem bessere Bedingungen für den Schulalltag. „Ich freue mich sehr über das neue Klassenzimmer“, sagt sie. „Wenn es jetzt regnet, müssen wir nicht mehr weglaufen. Und wenn es windig ist, sind wir drinnen in Sicherheit.“
Mit der neuen Schule sollen die Lernbedingungen langfristig verbessert werden. Darüber hinaus unterstützt Plan International Kinder in den von Konflikten und Vertreibung betroffenen Gebieten des Bundesstaates Lakes beim Zugang zu Bildung und weiteren Unterstützungsangeboten. Diese können dabei helfen, mit belastenden Erfahrungen umzugehen und den Schulalltag fortzusetzen.
Mit eigenen Zielen in die Zukunft
Monica freut sich bereits darauf, i die neue Schule zu gehen. Gleichzeitig ermutigt sie die Eltern anderer Kinder aus ihrer Gemeinde, deren Töchter und Söhne ebenfalls zum Unterricht zu schicken.
Für ihre eigene Zukunft hat die 14-Jährige bereits klare Vorstellungen: „Wenn ich die Schule abgeschlossen habe, möchte ich Präsidentin werden“, sagt Monica stolz. „Wenn ich Präsidentin werde, werde ich den Menschen in Südsudan helfen, indem ich Krankenhäuser und weitere Schulen baue.“
Die Geschichte von Monica wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Südsudan aufgeschrieben.